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Tagesdosis gewollter Demokratieverfall?

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Was die NSDAP 1931 tat – und die CDU
für 2026 plant

15. Oktober 2026

Am 9. Februar 1931 verließ die NSDAP-Fraktion aus Protest den Plenarsaal des Reichstags. Anlass war die Ablehnung ihrer Misstrauensanträge gegen die Regierung Brüning. Die Fraktion der NSDAP nahm anschließend längere Zeit nicht an den Reichstagssitzungen teil. Es handelte sich also nicht um einen Austritt aus dem Parlament im rechtlichen Sinne, sondern um einen demonstrativen Boykott der parlamentarischen Arbeit.

Durchaus Vergleichbares plant auch die CDU für den Tag der Wahl von Ulrich Siegmund (AfD) zum Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, die voraussichtlich Mitte Dezember bzw. kurz vor Weihachten stattfinden wird. Ob sich diese Nähe zur Demokratieverweigerung der NSDAP, die historisch belegt ist, mit dem christlichen Weihnachtsfest vereinbaren lässt, das ist eine Frage, die ich als theologischer Laie dennoch mit einem klaren Nein beantworten kann, denn in der Geburt Jesu lässt sich aus christlicher Sicht – und das sollte auch die CDU heute noch wissen – die Hoffnung auf Erlösung, Frieden und Versöhnung zwischen Gott und den Menschen ableiten. Weihnachten erinnert daran, dass Gott nicht fern und unnahbar bleibt, sondern in die menschliche Wirklichkeit mit ihrer Verletzlichkeit und ihrem Leid eintritt. Die Verweigerung der CDU, die 2026 wahrnehmbare Wirklichkeit durch einen Boykott gerade zur Weihnachtszeit aus der Welt zu schaffen, zeigt nur eines auf: Hilflosigkeit.

Wie dem auch immer sei:

Apollo-News vom 14.10.2026: Auch die Grünen-Fraktionschefin in Sachsen-Anhalt, Susan Sziborra-Seidlitz, scheut sich nicht davor, die AfD mit der NSDAP zu vergleichen. In einem Interview kündigte sie an, sämtliche parlamentarischen und juristischen Mittel gegen die AfD nutzen zu wollen. Auf die Frage, ob man angesichts des Wahlergebnisses nicht respektieren müsse, dass die AfD den Landtagspräsidenten stellt, zog sie einen historischen Vergleich. Auch „die NSDAP“ sei damals „mit großer Mehrheit gewählt“ worden, was „trotzdem falsch“ gewesen sei.

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Auch diese Aussage zeugt von einer Geschichtsvergessenheit, die für gewählte Abgeordnete nicht akzeptiert werden kann, ohne sich den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, Geschichtsfälschung zu betreiben, wenn die Wahrheit den eigenen Wunschvorstellungen angepasst wird.

Tatsache ist, dass die NSDAP, bei der Reichstagswahl am 5. März 1933, nicht mit großer Mehrheit gewählt wurde, sie erhielt zwar 43,9 Prozent der Stimmen, nicht aber die absolute Mehrheit. So versuchte auch Friedrich Merz, die Wahlniederlage der CDU in Sachsen-Anhalt zu rechtfertigen, indem er sagte, dass immerhin 56 % der Wähler die AfD nicht gewählt hätten.

Zurück in das Jahr 1933: Zur Wahl selbst ist anzumerken, dass sie unter massiver Einschüchterung stattfand. Und was die Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler anbelangt, die am 30. Januar 1933 vollzogen wurde, ist Folgendes anzumerken:

Adolf Hitler wurde vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Konservative Politiker um Franz von Papen hatten darauf hingewirkt, Hitler in die Regierung zu holen, weil sie glaubten, ihn politisch kontrollieren zu können. Hitler wurde also nicht direkt vom Volk zum Reichskanzler gewählt, sondern durch eine verfassungsmäßige Ernennung an die Regierung gebracht. Nicht das Versagen des Volkes ist die Ursache für Hitlers Aufstieg, sondern das Versagen der politischen Elite trägt dafür die Verantwortung.

Auch für die Einbürgerung Adolf Hitlers war nicht das Volk, sondern die politische Elite verantwortlich, die ihm bereits am 25. Februar 1932 mit Unterstützung bürgerlicher Koalitionspolitiker verliehen worden war.

 Und was die Verantwortung der politischen Elite anbelangt sei noch eine histrische Tatsache aufgeführt:

Sogar der erste Bundespräsident Deutschlands, Theodor Heuss, stimmte am 23. März 1933 als Abgeordneter der Deutschen Staatspartei im Reichstag für das Ermächtigungsgesetz, das der Regierung Hitler ermöglichte, Gesetze auch ohne Zustimmung des Reichstags zu erlassen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch: Theodor Heuss fügte sich der Mehrheitsentscheidung seiner Fraktion.

Wie dem auch immer sei: Wer sich mit der Dummheit der politischen Elite von heute in Deutschland beschäftigt, wird wohl kaum leugnen können, dass die in Deutschland politisch Verantwortlichen sozusagen darauf versessen sind, das zu schwächen, dessen Bewahrung ihnen formal eigentlich aufgetragen ist: die Demokratie.

Mit der geht es nämlich abwärts, auch morgen und übermorgen, sowohl moralisch als auch intellektuell. Den politischen Eliten, aber auch den vielen Gutmenschen, die sich unter dem Meme „UnsereDemokratie“ zusammengefunden haben, um das Land vor der Übernahme durch die Nazis von heute zu schützen, sollten sich die Zeit nehmen, Adore Abels Buch „Warum ich Nazi wurde“, zu lesen, das durch ein Preisausschreiben entstand, das sogar Propagandaminister Joseph Goebbels 1934 für zielführend hielt und es somit Adore Abel ermöglichte, die Vielzahl von Briefen, die bei ihm eingingen, zu einer umfangreichen Studie zusammenfügen zu können.

Wie dem auch immer sei: Ein gut 890 Seiten umfassendes Buch zu lesen, das dürfte heute die meisten Politikerinnen und Politiker überfordern, was bedauerlicherweise zur Folge hat, dass sie nur noch dazu in der Lage sind, Propaganda zu verbreiten.

Ein paar Anmerkungen zum Inhalt des Buches: Warum ich Nazi wurde“.

Die Berichte zeigen, dass viele Anhänger nach dem Ersten Weltkrieg unter Nationalstolzverlust, wirtschaftlichen Sorgen und Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien litten. Viele berichteten von wirtschaftlichen Ängsten und Unzufriedenheit mit der politischen Situation. Die Berichte zeigen außerdem, wie politische Feindbilder, Antikommunismus und rassistische Vorstellungen die Hinwendung zum Nationalsozialismus beeinflussten. Abels Werk macht auf jeden Fall deutlich, dass es nicht nur einen einzigen Grund gab, warum Menschen Nazis wurden, sondern verschiedene persönliche Motive und gesellschaftliche Entwicklungen dabei zusammenwirkten.

Übrigens: Auch die Unzufriedenheit mit den demokratischen Parteien und der Weimarer Republik spielte für viele NSDAP-Anhänger eine entscheidende Rolle. Viele Menschen waren enttäuscht von politischen Streitigkeiten, häufig wechselnden Regierungen und der schwierigen wirtschaftlichen Lage, besonders während der Weltwirtschaftskrise ab 1929.

Wie dem auch immer sei: Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde das Wort Nazi nicht nur als umgangssprachliche Kurzform von „Nationalsozialist“ verwendet. Dieses Wort wurde von politischen Gegnern schon damals abwertend gebraucht.  Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Was das für die Demokratie im Deutschland von heute bedeuten kann, dazu hat sich Sigmar Gabriel (SPD), der ehemalige Bundesvorsitzende der SPD sowie Vizekanzler und Außenminister Deutschlands, Sigmar Gabriel (SPD) in der Gesprächsrunde bei Lanz wie folgt geäußert:

„Wir schaufeln die Gräber der Volksparteien, auf denen dann die AfD tanzt!"

Mit "Wir" kann nur die politische Elite selbst gemeint sein, denn erst deren Versagen hat dazu geführt, dass im Volk der Wunsch nach einem Politikwechsel keimen konnte, der für die Eliten der Altparteien von heute bereits existenzgefährdend geworden ist.

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