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Wider das Vergessen

Dienstag, den 27. Januar 2026

Seit 1800 gab es keine direkten russischen Aggressionen gegen das heutige Deutschland, aber das Zarenreich und auch die Sowjetunion waren dennoch in Kriege involviert, die deutsche Gebiete betrafen. Insbesondere in den Napoleonischen Kriegen war das der Fall, als Russland der Koalitionen gegen Frankreich angehörte, was dazu führte, dass russische Truppen auch auf deutschem Boden sich an der Befreiung von Napoleon beteiligten.

Der Zar, genauer gesagt Zar Alexander I. von Russland, war sogar eine zentrale Figur und ein Anführer der alliierten Koalition (Russland, Preußen, Österreich, Schweden), die Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig (16.-19. Oktober 1813) entscheidend besiegen konnten, was Napoleons Herrschaft über Europa beendete und zu seinem späteren Sturz führte. Russland stellte einen großen Teil der siegreichen Armeen, und der Zar selbst war Teil der siegreichen Monarchen, die nach der Völkerschlacht von Leißzig in die Stadt einzogen.

Nach Napoleons Niederlage (1815) spielte das Russische Reich auch eine große Rolle in der Neuordnung Europas beim Wiener Kongress.

Und was kam danach? Zumindest keine Angriffskriege des russischen Reiches auf Deutschland.

Erster Weltkrieg (1914 – 1918):

Russland kämpfte an der Seite Frankreichs und Großbritanniens gegen das Deutsche Kaiserreich. Dieser Krieg begann mit deutschen Angriffen und führte zu großen Schlachten an der Ostfront (Polen, Baltikum).

Deutsch-Sowjetischer Krieg (1941 – 1945):

Der größte und verheerendste Angriff war der deutsche Überfall auf die Sowjetunion durch das „Unternehmen Barbarossa". Dieses Unternehmen kostete Millionen von Menschen ihr Leben. Russland (als Sowjetunion) wehrte diesen Angriff ab und marschierte nach dem Krieg in deutsche Gebiete ein, die es dann auch besetzte. Auch wenn darüber nicht gesprochen wird, brachte Russland dennoch die größten Opfer bei der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus.

Zusammenfassung:

Die Geschichte seit 1800 ist durch Kriege geprägt, in denen Russland oft eine Rolle gespielt hat. Aber direkte, großflächige Angriffe Russlands auf Deutschland hat es nicht gegeben. Hinzuzufügen ist, dass es auch die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten ohne die Unterstützung Russlands, damals noch die UdSSR, nicht gegeben hätte.

Vielleicht hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sich an diese Vergangenheit erinnert, als er seine Rede beim Neujahrsempfang der IHK in Halle-Dessau und der Handwerkskammer Halle am 14. Januar 2026 mit folgenden Worten abschloss:

Friedrich Merz: Wenn es uns dann noch gelingt, dafür zu sorgen, dass Frieden und Freiheit nach Europa zurückkehren, dass wir endlich auch wieder mit unserem größten europäischen Nachbarn, nämlich mit Russland, in der längeren Perspektive einen Ausgleich finden – ich sage es nicht, weil ich hier im Osten bin; ich sage es an jeder anderen Stelle in Deutschland auch: Russland ist ein europäisches Land –, wenn Frieden herrscht, wenn Freiheit gewährleistet ist, wenn uns das alles gelingt, meine Damen und Herren, dann hat diese Europäische Union, dann haben wir auch in der Bundesrepublik Deutschland eine weitere Bewährungsprobe bestanden, und dann können wir auch über das Jahr 2026 hinaus mit großer Zuversicht nach vorn blicken. Ich wünsche uns das. Ich bin mir sicher, dass es gelingt. Tragen Sie dazu bei!

Ich wünsche Ihnen und uns allen ein gutes Jahr 2026.

Rede im Volltext

Gut eine Woche später, am 22. Januar 2026, hielt Bundeskanzler Friedrich Merz beim World Economic Forum in Davos jedoch eine ganz andere Rede, aus der die nachfolgenden Sätze zitiert werden:

Eine neue Ära hat bereits begonnen, so Bundeskanzler Friedrich Merz:

  • Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine war bisher der drastischste Ausdruck.

  • Wir begrüßen, dass die Vereinigten Staaten die Bedrohung durch Russland in der Arktis ernst nehmen.

  • Wir werden Dänemark, Grönland und den Norden vor der Bedrohung durch Russland schützen.

  • Unsere militärischen Fähigkeiten zu stärken bedeutet, unsere Souveränität zu behaupten. Durch die konsequente Stärkung unserer Verteidigung reduzieren wir unsere wirtschaftlichen und technologischen Abhängigkeiten.

  • Wir müssen die Ukraine weiterhin in ihrem Kampf für einen gerechten Frieden unterstützen.

  • Wir müssen dazu in der Lage sein, uns in Europa selbst zu verteidigen.

  • Wir wollen Abhängigkeiten reduzieren, die uns derzeit verwundbar machen.

  • Und viertens wollen wir sicherstellen, dass unsere Wirtschaft ihr volles Potenzial für Innovation und Wachstum nutzen kann.

Rede im Volltext

Während der Bundeskanzler in seiner Rede anlässlich des Neujahrsempfang der IHK Halle-Dessau und der Handwerkskammer Halle am 14. Januar 2026 das Wort Frieden fünf Mal verwendete, benutzte er das Wort Frieden in seiner Rede in Davos nur ein Mal, siehe oben, von mir fett markiert.

Seine Behauptung, dass „durch die konsequente Stärkung unserer Verteidigung wir unsere wirtschaftlichen und technologischen Abhängigkeiten reduzieren“, wirft für geschichtlich interessierte Menschen in Deutschland zumindest die Frage auf, ob der Kanzler die Kriegswirtschaft und deren Folgen im Nazideutschland nicht kennt.

Sich damit wieder zu beschäftigen, ist ein Gebot der Stunde.

Nur zur Erinnerung: Die Kriegswirtschaft im Dritten Reich war ebenfalls, schuldenfinanziert. Als der Staatsbankrott drohte, blieb letztendlich nur noch eine Option: Krieg zu führen. Gemeint sind Raubkriege, um das Volk sozusagen bei der Stange zu halten, denn es war besser, andere hungern zu lassen, als das Volk in der Heimat, so zumindest die Propaganda zur Rechtfertigung des Krieges gegen Russland, der 1941 begann. Um diesen Hunger zu vermeiden mussten Millionen von Menschen in der Ukraine, dieses Los ertragen. Das ist die Wahrheit über das "Unternehmen Barbarossa". Dieses Unternehmen brachte Millionen von Menschen im Osten den Hungertod, mit dem erbeuteten Getreide wurde die deutsche Bevölkerung versorgt.

Anders ausgedrückt: Aus deutscher Sicht war es besser, sich aus dem Osten die benötigten Nahrungsmittel zu verschaffen, damit das Deutsche Volk nicht hungern musste. Das ist aber nur ein Beispiel unter vielen anderen Raubzügen, die unvermeidlich wurden, um das Deutsche Volk an den Endsieg glauben zu lassen, zumindest so lange, wie die geraubte Beute die deutsche Bevölkerung bei der Stange hielt.

Und als das immer schwieriger wurde, erfanden Goebbels und Hitler die so genannte Kollektivschuld der Deutschen, die ja letztendlich dazu führte, dass sich die Deutschen auf Gedeih und Verderb an den Nationalsozialismus auslieferten, auch weil sie die Konsequenz kannten: Sieg oder Untergang. Und weil niemand untergehen wollte, dauerte der Krieg so lange, bis die bedingungslose Kapitulation nicht mehr zu vermeiden war.

Dass ab 1941 auch die Vernichtung der Juden einer Endlösung zugeführt wurden, weil sie nichts mehr besaßen als ihr Leben, denn alles andere - ihren Schmuck, ihr Vermögen, ihren Besitz, sogar ihre Haustiere - hatten sie abgeben müssen, sei an dieser Stelle nur festgestellt und auch die Tatsache, dass der dadurch freiwerdende Wohnraum anderweitig genutzt werden konnte, um ausgebombten Deutschen wieder Wohnraum überlassen zu können, das sei ebenfalls nur kurz skizziert. Wie dem auch immer, das Rauben im Dritten Reich kannte keine Grenzen.

Es sollte 40 Jahre dauern, bis  Bundespräsident Richard von Weizsäcker sich am 8. Mai 1985 (dem 40. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation), gegen eine Kollektivschuld aussprach, indem er sagte:

„Schuld ist, wie Unschuld, nicht kollektiv, sondern persönlich.“

Er sprach allerdings auch von einer „schweren Erbschaft“, die die Vorfahren der gegenwärtigen Generation hinterlassen hätten, und fordert von allen Deutschen, die Vergangenheit anzunehmen.

Aus ihr gelernt zu haben, das müsste für die Mitglieder der Bundesregierung von heute eine Selbstverständlichkeit sein. Eigentlich.

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