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Jedes Volk ist für sich selbst verantwortlich.

Mittwoch, den 14. Januar 2026

Das gilt auch für die Iraner. Dass diese Sichtweise nicht von Iranerinnen und Iranern geteilt wird, die unter der Macht der Mullahs leiden und deshalb vom Westen erwarten, sie zu befreien, weil ihnen dazu die Kraft fehlt, das liegt in der Natur der Dinge.

Dennoch: Schon bei Immanuel Kant kann nachgelesen werden, dass sich kein Staat in die Verfassung und Regierung eines anderen Staates gewalttätig einmischen sollte. Übertragen auf die Wirklichkeit von heute würde Kant wohl auch dem Diktum zustimmen, dass es keinem Geheimdienst erlaubt sein kann, in einem anderen Land eine Revolution, einen Aufstand oder einen Umsturzversuch zu initiieren, wie das zurzeit im Iran beabsichtigt ist, denn ohne die Agenten des CIA und des Mossad wäre es wohl kaum zu den Demonstrationen im Iran gekommen, die zurzeit als Bilder einer Revolution sozusagen um die Welt gehen.

Wie dem auch immer sei: Immanuel Kant hat seine Position zu dieser Frage in seiner Streitschrift „Zum ewigen Frieden“ bereits 1795 wie folgt formuliert:

Immanuel Kant: 5. Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines andern Staats gewalttätig einmischen. Denn was kann ihn dazu berechtigen? Etwa das Skandal, was er den Untertanen eines andern Staats gibt? Es kann dieser vielmehr, durch das Beispiel der großen Übel, die sich ein Volk durch seine Gesetzlosigkeit zugezogen hat, zur Warnung dienen; und überhaupt ist das böse Beispiel, was eine freie Person der andern gibt, (als scandalum acceptum) keine Läsion derselben.

Daraus folgert Kant:

So lange aber dieser innere Streit noch nicht entschieden ist, würde diese Einmischung äußerer Mächte Verletzung der Rechte eines nur mit seiner innern Krankheit ringenden, von keinem anderen abhängigen Volk, selbst also ein gegebener Skandal sein, und die Autonomie aller Staaten unsicher machen [En1].

Diese Sicht der Dinge entspricht auch heute noch dem so genannten Völkerrecht, dessen regelbasierte Ordnung heute jedoch den Machtinteressen gern geopfert wird.

Was dabei herauskommt, das zeigt erneut das Trauerspiel im Iran, denn niemand konnte voraussehen, was für Folgen die ausgelösten Unruhen im Iran nach sich ziehen würden, zumal niemand damit gerechnet hatte, dass die US-Starlink-Satellitenterminals von den iranischen Machthabern einfach ausgeschaltet werden konnten, was dazu führte, dass Demonstrationen gegen das Regime nicht mehr organisiert und gesteuert werden konnten.

Die iranische Regierung machte sich nicht einmal die Mühe, einzelne Terminals aufzuspüren, sondern nutzte die neue russische und chinesische Ausrüstung, um den gesamten Starlink-Verkehr im Iran einfach abzuschalten. 90% der Verbindungen wurden dadurch unbrauchbar gemacht.

Starlink: Starlink ist ein Satelliten-Internetdienst von SpaceX, der schnelles Breitband mit geringer Latenz in Gebiete bringt, die schlecht versorgt sind, indem er Tausende von Satelliten im niedrigen Erdorbit (LEO) nutzt.

Heute, am 12.1.2026, finden regierungsnahe Märsche in allen großen Städten des Iran statt. Sie sind viel größer als alles, was die Opposition bisher versammeln konnte. Das iranische System hat somit erneut gezeigt, dass es erstaunlich stabil ist, und das auch, obwohl die Medien im Westen verkünden, dass das Mullah-Regime kurz vor seinem Ende steht. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz geht davon aus, dass das Mullah-Regim seinem Ende zugeht. Das hindert dieses Regim aber nicht daran, Massenverhaftungen durchzuführen und öffentliche Hinrichtungen vorzubereiten.

Wie dem auch immer sei: Die Unruhen sind vorerst vorbei. In den nächsten Wochen werden die Aufstandsführer und Anstifter aufgespürt und bestraft.

Was lernen wir daraus? Die vollständige Blockierung des Internetverkehrs und der internationalen Telefonkommunikation im Iran hat es dem Mullah-Regime ermöglicht, die Unruhen zu beenden, denn ohne Zugang zum Internet waren die CIA und die Mossad-Agenten nicht mehr dazu in der Lage, der Revolution zum vorgestellten Sieg zu verhelfen. Grund dafür dürfte aber auch die Tatsache sein, dass dieses Regim wohl immer noch mehrheitlich geduldet wird.

Trump, der gedroht hatte, den Iran zur Unterstützung der Demonstranten zu bombardieren, wird sich wohl anders positionieren, denn das US-Militär scheint ihn davon überzeugt zu haben, so zumindest haben das meine Recherchen auf amerikanischen Websites ergeben, dass das Militär nicht bereit ist, für den erlittenen Verlust sozusagen Vergeltung zu üben.

Fazit: Es wäre wohl besser für alle Seiten gewesen, wenn die Initiatoren dieser Revolution zuvor Immanuel Kant gelesen und seine Sicht der Dinge verinnerlicht hätten, die sich mit einem Satz zusammenfassen lässt: Mische dich niemals gewaltsam in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes ein, um eigene Ziele zu verfolgen, denn die dürften für den US-Präsidenten Donald Trump weitaus wichtiger gewesen sein, als die Interessen der Demonstranten, deren Unterstützung wohl nicht ausreichte, ein System zu stürzen, das sich amerikanischen Interessen nicht unterordnen will.

Aber auch wenn israelitische und US-amerikanische Regierungsvertreter Kant gelesen haben sollten, werden sie sich wohl kaum von zukünftigen Präventivschlägen abhalten lassen, wenn dazu ein Bedarf besteht.

Solch ein Bedarf wird sicherlich nicht allzulange auf sich warten lassen.

Die Frage der Einmischung dürfte insoweit noch nicht beendet sein.

Am 13. Januar 2026 Postete Trump auf Truth Social: Iranische Patrioten, PROTESTIERT WEITER – ÜBERNEHMT EURE INSTITUTIONEN!!! Merkt euch die Namen der Mörder und Täter. Sie werden einen hohen Preis zahlen. Ich habe alle Treffen mit iranischen Offiziellen abgesagt, bis die sinnlose Tötung von Demonstranten AUFHÖRT. HILFE IST UNTERWEGS. MIGA!!! PRÄSIDENT DONALD J. TRUMP

https://x.com/BarakRavid/status/2011087652137701858

Da es zurzeit keine Internetverbindung mit dem Iran gibt, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, stellt sich die Frage: An wen richtet sich dieser Post und: Was soll damit erreicht werden?

Endnote_01
Kant, Immanuel. Zum ewigen Frieden. Boer-Verlag 2018, Seite 13 und 14
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