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Links und Rechts, was heißt das schon

Montag, den 9. Februar 2026

Stellen Sie sich vor, sie müssten auf einer Kugel die Stellen markieren, wo Links und wo Rechts ist. Ich denke, dass Sie mit dieser Aufgabe, genauso wie ich das bin, hoffnungslos überfordert sind, denn sobald die Kugel rollt, ist Ihre Entscheidung sozusagen gegenstandslos geworden, denn aus links könnte oben und aus recht könnte unten geworden sein, während links und rechts sich zur gleichen Zeit sozusagen in Luft aufgelöst haben.

Anders sieht das jedoch auf einer geraden Linie aus. Dort können Sie exakt die Stelle bestimmen, die ganz links bzw. ganz rechts liegt. Dann ist die Zuordnung eine leicht zu erbringende Festlegung. Oder etwa nicht?

Erster Test:

Entscheiden Sie bitte, wo Sie auf der Linie folgende Aussage einordnen würden: Ich bin für die Todesstrafe. Richtig. Das gehört ganz rechts auf diese Linie, denn das ist rechtsextrem.

Zweiter Test:

Und jetzt entscheiden Sie bitte, wo Sie folgende Aussage einordnen würden: Abtreibung ist für mich ein Menschenrecht. Richtig: Das gehört nach ganz links.

Dritter Test:

Und wenn Sie jetzt hingehen,und die beiden Enden von Test 1 und Test 2 miteinander verbinden, so dass aus der Linie ein Kreis wird, dann unterscheiden sich ganz rechts und ganz links nur noch ganz marginal voneinander, besser gesagt, sie verschmelzen sogar und bilden gemeinsam auf einem Zifferblatt den Zeitpunkt von Mitternacht oder den von null Uhr, denn beide Positionen gehören ja auch irgendwie zusammen, zumal sie das gleiche Grundrecht in Frage stellen: das Recht auf Leben.

Vierter Test

Wer, denken Sie, war Jeffrey Epstein? Ein Linker, ein Rechter oder doch nur ein Jude? Die Logik der “ganzen Wahrheit” ist verführerisch, die aber entzieht sich bekanntermaßen dem menschlichen Vorstellungsvermögen. Ein Satz, ein Statement oder eine Meinung ist nämlich nur dann wahr, wenn sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Die aber über den Rahmen von Alltagswahrheiten wahrnehmen zu können entzieht sich der menschlichen Einbildungskraft.

Wahr ist: Jeffry Epstein war ein Jude. Ghislaine Maxwell, die langjährige Vertraute von Jeffrey Epstein, ist Jüdin. Die Finanziers des Epsteinimperiums waren Juden, die meisten seiner Klienten auch. In Pressemitteilungen heißt es, dass Netanjahu versucht hat, alle seine an Epstein gesendeten E-Mails zu löschen. Sein Foto hat er wohl unkenntlich gemacht. Ob sein Name tatsächlich 6300 Mal in Epsteins Akte erwähnt wird, vermag ich nicht nachzuprüfen.

Wie dem auch immer sei: Die Wahrheit ist und wird auch in Zukunft ein Geheimnis bleiben. Unbestreitbar ist aber,  dass eine Elite, die sich angemaßt hat, die Welt in eine bessere Zukunft führen zu wollen, sich selbst als außerhalb der Moral stehend verstanden hat, und meinte, alles tun zu dürfen, was ihren kranken Hirnen entsprach. Und das gilt sowohl für linke und rechte Eliten, die die Nähe zu Epstein gesucht haben, gleichermaßen.

Bei der Zuordnung, von wem Epsteins Imperium genutzt, geschützt und „genossen“ wurde, ist Platz für alle: Für Linke, für Rechte, für Republikaner, für Demokraten, für Liberale und natürlich auch für Künstler, Schriftsteller, hochrangige Politiker und natürlich auch für Milliardäre, Königshäuser eingeschlossen.

Kurzum: Phädophile gibt es überall.

Fünfter Test:

Stellen Sie sich bitte jetzt vor, dass sich in Ihrem Kopf – so lange wie Sie leben – also 24 Stunden am Tag, Milliarden von Zellen mit nichts anderem beschäftigen als zu denken, irgendwelchen Blödsinn zu plappern, Bilder zu erzeugen bzw. Vorstellungen Ihrem Bewusstsein zugänglich zu machen oder Vorstellungen zu verdrängen, die Ihnen unangenehm sind. Und wenn Sie sich dann noch fragen, welche dieser Leistungen die linke Gehirnhälfte bzw. die rechte Hirnhälfte erzeugt, für richtig und für handlungsbestimmend hält, dann dürfte Sie das ebenfalls - genauso wie mich - hoffnungslos überfordern.

Und wenn es um den Krieg in der Ukraine geht?

Dann kann man sich nur wundern: Linke klingen plötzlich wie früher die Rechten, und die Rechten wie früher die Linken. Sogar Joschka Fischer, der ehemalige Bundesaußenminister der Partei Die Grünen, der noch zu seiner Vereidigung im Jahr 2010 in Turnschuhen antrat, um seine linke Überzeugung damit voll zum Ausdruck zu bringen, hat sich gewandelt. Heute fordert er sogar die Atombombe zur Verteidigung Europas gegen Russland. Aber auch andere Linke nehmen heute Wörter wie „Kriegstüchtigkeit“ in den Mund und auf der anderen Seite treten Rechte plötzlich wie Friedenstauben auf. Es wimmelt folglich von Widersprüchen. Zeit, sich zu erinnern, dass auch die Nazidiktatur Wohlstand im Lande durch Kriegswirtschaft erzeugte, natürlich mit Schulden finanziert. Und als der Staatsbankrott bevorstand, da blieb nur noch eine Lösung übrig und die lautete: Krieg.

Wie dem auch immer sei: Was Menschen können, ist, sich bewusst zu machen, dass jedes Gehirn dazu in der Lage ist, auf eine vielfältige Art und Weise zu denken, also alle möglichen und unmöglichen Wirklichkeiten sich vorstellen zu könnn, die sowohl links als auch rechts, richtig oder falsch, dumm oder intelligent, moralisch und natürlich auch bösartig sein können.

Und erst, wenn diese zum vielfältigen Denken fähigen Menschen  dazu bereit sind, sich Denkweisen anzueignen, die sich zu Glaubensbekenntnissen verfestigen können, erst dann wird möglich, dass aus solch einem sich verfestigenden Glaubensbekenntnis Links oder Rechts entstehen kann, womit dann Überzeugungen gemeint sind, die es dem Glaubenden erlaubt, einen anderen einen Faschisten oder einen Nazi oder als einen Antifaschisten oder einen Linksterroristen zu bezeichnen.

In einer Gesellschaft, in der unterschiedliches Denken sich gegenseitig bekämpft anstatt unterschiedliches Denken zu respektieren, kann daraus - so die hier vertretene Meinung – zumindest auf Dauer gesehen nichts Gemeinschaftsbildendes entstehen.

Das, was zu erwarten ist, das ist eine Spaltung der Gesellschaft mit allen sich daraus ergebenden negativen Folgen, bürgerkriegsähnliche Ausschreitungen mit eingeschlossen.

Dass es sich bei solch einer Spaltung in Links und in Rechts um eine Fortschrittsfalle handelt, das sei an dieser Stelle nur festgestellt, denn sie macht aus Andersdenkenden nicht nur Feinde, sie lässt auch angeblich unüberbrückbare Mauern entstehen.

Ein Denken aber, das Links und Rechts in einer Demokratie auszuschließen versucht, vermag den Anforderungen dieses Gesellschaftssystems nicht zu entsprechen, denn eine offene und freie Gesellschaft im Hier und im Jetzt und erst recht im Hinblick auf Zukunftsentscheidungen, kann den Erwartungen nur dann gerecht werden, wenn dazu ein breiter demokratischer Grundkonsens gefunden werden kann.

Diese Zustimmung ergibt sich aber nicht daraus, dass die Teile der Gesellschaft, die sich links oder rechts verorten, von den Entscheidungsfindungen schlichtweg ausgeschlossen werden, denn eine Mehrheit, die sich als Mehrheitsmeinung bezeichnen will, lässt sich nur in einem Parlament erzielen, dessen Abgeordnete nicht an die Vorgaben von Parteien, denen sie angehören, sondern nur ihrem Gewissen unterworfen sind - so wie es das Grundgesetz eigentlich vorsieht.

Art 38 Abs. 1 GG
(1) Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.

Diese demokratische Kernaussage des Grundgesetzes gehört heute nicht mehr zur demokratischen Wirklichkeit.

Was aber würde es bedeuten, wenn diesem demokratischen Grundgedanken wieder Geltung verschafft werden würde?

Das würde bedeuten, dass Entscheidungen - sozusagen über Parteiengrenzen hinausgehend - nicht nur möglich, sondern die Regel sein würden.

Anders ausgedrückt: In einem Parlament, dessen Abgeordnete gemeinsam nach der beste Lösung suchen, und diese Suche auch mehrheitlich finden wollen und auch müssen, denn das ist ja ihre Aufgabe, würden allen Wählerstimmen zumindest eine Chance haben, im Parlament mitbestimmen zu können, wenn dieses Prinzip zur Anwendung käme, denn es wäre ja wohl wirklich vermessen, auch nur einem der im Bundestag vertretenen Abgeordneten die Fähigkeit abzusprechen, über Vernunft oder gesunden Menschenverstand zu verfügen, auch wenn der aufgrund eines blinden Glaubens an das Parteiprogramm der eigenen Partei blockiert sein mag.

Das aber scheint heute unter Haltung verstanden zu werden: die Bereitschaft, zu gehorchen.

Aus dieser Haltung folgt: Auch Gesetzesvorlagen, die der Vernunft entsprechen und von der überwältigenden Mehrheit der Wählerinnen und Wähler auch für wünschenswert gehalten werden, müssen heute, und da sind sich alle demokratischen Parteien im Bundestag einig, von den Mehrheitsparteien abgelehnt werden, wenn solch eine Vorlage von der falschen Partei zur Entscheidung in den Bundestag eingebracht wird.

Gemeint ist die Gesetzesvorlage der AfD, die den § 188 StGB (Gegen Personen des politischen Lebens gerichtete Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung) ersatzlos streichen wollte.

Ein Parlament, besser gesagt, ein Parteienstaat, der nicht einmal dazu bereit ist, politisch Andersdenkende zu respektieren, darf sich nicht wundern, wenn das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler in diesen Staat dadurch verloren geht.

Das zu ändern, setzt ein Besinnen auf Tugenden voraus, die im Laufe der Zeit bedauerlicherweise in der besten Demokratie, die Deutschland angeblich jemals hatte, verloren gegangen zu sein scheinen. Gemeind sind die nachfolgend aufgeführten Tugenden:

  • Klugheit

  • Mut

  • Tapferkeit

  • Gemeinsinn

  • Maßhalten.

Mit diesen Tugenden werde ich mich in den nächsten Tagen eingehender beschäftigen und aufzuzeigen versuchen, wie diese Tugenden - wenn sie denn gelebt würden - einer Demokratie wieder Zustimmung verschaffen könnten.

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