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Anatomie der menschlichen Destruktivität Freitag, den 9. Januar 2026 Inhalt: 01
Allglemeines zur Destruktivität 01 Allgemeines zur Destruktivität Schon in den späten 1920er Jahren befasste sich die Sozialforschung mit der menschlichen Destruktivität. Erich Fromm sprach in diesem Sachzusammenhang später sogar von einem „Verlangen nach Destruktivität“. Wie dem auch immer sei: Die Sozialpsychologie ging bereits damals davon aus, dass Menschen auf Veränderungen in ihrer Umwelt reagieren, indem sie sich selbst innerlich verändern, um das rechtfertigen zu können, was man durchaus als eine „Zerstörungslust“ bezeichnen kann, wenn gewonnene Überzeugungen in die Realität umgesetzt werden sollen. Diese Grundidee wird auch heute noch für zutreffend erachtet. Sie lässt sich durchaus als Ausgangspunkt begreifen, um auf negative Veränderungen mit dem Wunsch der Zerstörung reagieren zu können, sogar zu müssen, wenn Veränderungen nicht mehr als positive Veränderung wahrgenommen werden, sondern in ihr Gegenteil umschlagen, indem sie Angst erzeugen. Die dann im Denken von Menschen festgestellte Diskrepanz zwischen dem, was man sich legitimerweise vom Leben erhofft hat - den Fortschritt und ein lebenswertes Leben - und der tatsächlich erlebten oder gefühlten krisenhaften Alltagssituation, vermag dann ddurchaus aggressive Gefühle zu aktivieren, die dann dazu führen können, sogar den Wert der Demokratie nicht nur zu hinterfragen, sondern die Demokratie als solche sogar zerstören zu wollen und sogar zu müssen, wenn vorgestellter Fortschritt – sozusagen die Erlösung aus dem vorgefundenen Dilemma – anders nicht mehr erreicht werden kann. In seinem Hauptwerk „Escape from Freedom“, dessen Titel mit „Furcht vor der Freiheit“ ins Deutsche übersetzt wurde aber wohl besser den Titel „Flucht aus der Freiheit“ erhalten hätte, setzte Erich Fromm 1941 seine sozialen Studien hinsichtlich autoritärer Persönlichkeitsentwickelungen fort und kam dabei zu der Einsicht, dass Destruktivität das Ergebnis eines ungelebten Lebens ist, besser gesagt als die psychische Kultivierung des Gefühls eines ungelebten Lebens zu verstgehen ist, die zu Verhaltensweisen führen, die einer voranschreitenden Entzivilisierung den Weg bereiten und die sogar so weit eskalieren können, dass sie sich in einem tötlichen Gewaltausbruch entladen. Erich Fromm: Wenn es in meiner Macht liegt, den anderen zu töten, bin ich stärker als er. Im psychologischen Sinn jedoch wurzelt die Machtgier nicht in der Stärke, sondern in der Schwäche. Sie ist Ausdruck der Unfähigkeit des einzelnen, im Leben auf eigenen Füßen zu stehen. Und: Die autoritäre Weltanschauung kennt den Begriff der Gleichberechtigung nicht. Der autoritäre Charakter mag sich zwar gelegentlich des Wortes „Gleichberechtigung“ im konventionellen Sinn, oder wenn es ihm gerade in den Kram passt, bedienen. Abner sie besitzt für ihn keine Wirkliche Bedutung und kein wirkliches Gewicht, da sie sich auf etwas bezieht, was außerhalb des Bereichs seiner emotionalen Erfahrung liegt. Für ihn setzt sich die Welt zusammen aus Über- und Untergeordneten [En1]. Im Hier und im Jetzt lassen sich Gewalt auslösenden Vorstellungen autoritärer Personen - zu denen auch Klimaaktivisen gehören können - durchaus wie folgt zusammenfassen: Die schöne moderne Stadt, in der ich lebe, wird schon bald tot sein. In ihr wird es dann weder lebende Menschen noch lebende Tiere geben, denn eine machtvolle Technik saugt den Menschen nicht nur das Leben (Blut) aus, sondern sorgt auch für den Klimawandel, dem eigentlichen Auslöser der bevorstehenden Apokalypse, dem nur noch durch die Anwendung von Gewalt entgegengewirkt werden kann. Solch einen ähnlichen Traum nahm auch Erich Fromm zum Anlass, um den nekrophilen Charakter von Personen zu beschreiben, denn um ein nekrophiles Verhalten autoritärer Charaktere handelt es sich dann, wenn diese Personen sich vom Tod angezogen fühlen. Erich Fromm: Eine andere Manifestation des nekrophilen Charakters ist die Überzeugung, dass sich Probleme und Konflikte nur mit Gewalt und Gewalttätigkeit lösen lassen. Die Frage lautet hier nicht, ob man unter bestimmten Umständen Gewalt anwenden sollte; für den Nerkrophilen ist kennjzeichnend, dass Gewalt „die Macht, einen Menschen in einen Leichnahm zu verwandeln“, um mit Simone Weil zu reden – die erste und letzte Lösung für alles darstellt; dass der gordische Knoten immer zerhauen und niemals geduldig aufgeknoten wird. Grundsätzlich besteht die Reaktion derartiger Menschen auf die Probleme des Lebens in Destruktion und niemals in dem Bemühen, anderen zu helfen, in einem konstruktiven und beispielhaften Verhalten. Ihre Reaktion ist die der Königin von „Alice im Wunrderlad: Herunter mit ihren Köpfen.“ Wer von diesem Impuls getrieben wird, ist in der Regel nicht in der Lage, andere Möglichkeiten zu erkennen, die keine Zerstörung erfordern, und er erkennt nicht, wie unwirksam sich Gewalt auf Dauer erweist [En2]. Gewalt kann aber auch auf Gruppennarzissmus zurückgeführt werden und somit auf kollektiven Fantasien beruhen, die Gewaltbereitschaft damit zu rechtfertigen versuchen, dass man nichts anderes als ein „armseliger Wurm ist“, der sich nicht alles gefallen lassen kann und darf, wenn es seine Existenz betrifft, was widerum zur Folge hat, dass es keine Macht geben darf, die dieses Existenzrecht gefährdet. Erich Fromm: So sind sind zum Beispiel Begriffe wie „absolute Souveränität des Staates“ in einem älteren Teil des [menschlichen] Charakters verwurzelt und gefährden [heute] im Atomzeitalter, das Überleben der Menschheit [En3]. Menschen, die Morgen oder in absehbarer Zeit davon ausgehen, die Welt brennen sehen, weil die Welt durch den Klimawandel sozusagen in Kürze unbewohnbar werden wird, entwickeln als Folge davon kollektive Zerstörungsphantasien, die, wenn sie sich fortentwickeln, auch in Gewaltbereitschaft umschlagen können, zumindest dann, wenn nicht mehr hinterfragt , sondern unterstellt wird, dass sie selbst es sind, die zu den Guten gehören, die allein das noch zu verhindern vermögen, weil es nur zwei Gegenpol gibt und sich allein daraus das Recht ableiten lässt. dass die Guten erforderlichenfalls durch die Anwendung von Gewalt, die Bösen sozusagen missionarisieren dürfen. Der Soziologe Norbert Elias (1897 bis 1990) und der Soziologe John I. Scotson (1930 bis 2012) sprechen in diesem Sachzusammenhang gesehen in dem von ihnen gemeinsam erstellten soziologischen Standardwerk: „Etablierte und Außenseiter“ von einer „Pars-pro-toto-Verzerrung“. Die Pars-pro-toto-Verzerrung beschreibt, wie Etablierte (eine etablierte Gruppe) ihre eigene Gruppe durch die Hervorhebung ihrer besten Mitglieder idealisieren („Lobklatsch“) und Außenseiter durch die Fokussierung auf deren schlechteste Mitglieder abwerten („Schimpfklatsch“), wobei jeweils ein Teil (die „besten“ oder „schlechtesten“) für das Ganze stehen, um eigene Überlegenheit demonstrieren und die Fremdgruppe stigmatisieren zu können, erforderlichenfalls sogar unter Anwendung von Gewalt. Wenn es so weit gekommen ist, dann kann die gemeinsame Lust an der Zerstörung beginnen. 02 Lust an der Zerstörung Die Aktion der Vulkangruppe in Berlin. Anfang Januar 2026 wurde von einer Vulkangruppe ein großer Teil des Berliner Stromnetzes über mehrere Tage stillgelegt. Im Folgenden wird aus den Bekennerschreiben dieser Vulkangruppe zitiert: Fossile Kraftwerke abschalten ist Handarbeit. Nur Mut. Militante Neujahrgrüße. Vulkangruppe vom 4. Januar 2026 NEUJAHRSGRÜßE 2026. NUR MUT!
Wir können uns
die Reichen nicht mehr leisten. In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört. Ganze Regionen werden unter der Hitze unbewohnbar gemacht. Sie verbrennen einfach. Oder Lebensräume verschwinden unter den Fluten bei Überschwemmungen oder aufgrund des steigenden Meeresspiegels. Fossile Kraftwerke abschalten ist Handarbeit. Nur Mut. Wir wissen, wir müssen diese Zerstörung unterbrechen. Wir wissen, wir sind nicht alleine. Gebt die Hoffnung auf eine Welt nicht auf, in der das Leben Platz hat und nicht die Gier nach Geld, Macht und Zerstörung [En4]. Zwei Tage später wurde dieses Bekennerschreiben aktualisiert.
Den
Herrschenden den Saft abdrehen – Richtigstellung Unser Handeln richtete sich nicht gegen Menschen, sondern gegen eine Infrastruktur, die tagtäglich Menschen, Umwelt und Zukunft zerstört. Energieversorgung ist kein neutraler technischer Vorgang, sondern ein politisches Herrschaftsinstrument. Wer fossile Großanlagen betreibt, entscheidet sich aktiv für Klimazerstörung, für Kriege um Ressourcen und für soziale Ungleichheit. Gleichzeitig sehen wir die Situation der Menschen vor Ort. Niemand von uns ignoriert, dass der Ausfall von Strom für viele eine reale Belastung bedeutet – insbesondere für Alte, Kranke, Kinder und all jene, die ohnehin am Rand dieser Gesellschaft stehen. Diese Härten sind nicht zufällig, sondern Ergebnis eines Systems, das kritische Versorgung zentralisiert, profitorientiert organisiert und bewusst verwundbar macht. Nicht diejenigen, die angreifen, haben diese Abhängigkeit geschaffen, sondern diejenigen, die sie seit Jahrzehnten aufrechterhalten. Wir werden uns nicht von moralischer Empörung beeindrucken lassen, die nur dann laut wird, wenn Eigentum betroffen ist. Die eigentliche Gewalt ist strukturell. Sie wirkt jeden Tag. Sie bleibt meist unsichtbar. Unsere Intervention ist ein Bruch mit dieser Normalität. Ob sie verstanden wird oder nicht, liegt nicht bei uns [En5]. Diese „Rechtfertigung eines Terroranschlags“ suggeriert, dass die Täter sozusagen in Notwehr gehandelt haben und nicht sie, sondern andere für diese berechtigte Gewaltanwendung verantwortlich sind. Diese Einstellung, übertragen auf die Erkenntnisse der modernen Soziologie und der Sozialpsychologie lassen sich - ganz im Sinne von Erich Fromm – als eine Manifestation des nekrophilen Charakters beschreiben, die auf der Überzeugung beruht, dass sich Probleme und Konflikte nur mit Gewalt und durch Gewalttätigkeiten lösen lassen, wenn sich Andersdenkende nicht überzeugen lassen wollen. Das scheint mir im Übrigen die Überzeugung eines jeden Terroristen zu sein, der im Nahmen einer übergeordneten Wahrheit (Religion oder Ideologie) meint, Andersdenkende nicht nur bestrafen, sondern auch töten zu dürfen. Wie dem auch immer sei: Das Dementi der guten Vulkangruppen ließ nicht lange auf sich warten: Am 8.1.2026 heißt es auf Spiegel.de wie folgt: Anschlag auf Berliner Stromnetz Ursprüngliche »Vulkangruppe« distanziert sich von »Vulkangruppe« Eine frühere »Vulkangruppe« hat sich mit einem neuen Schreiben zu Wort gemeldet. Die Autorinnen und Autoren distanzieren sich darin von den jüngsten Anschlägen in Berlin.
Anders ausgedrückt: 03 Quellen
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