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Spiegelsplitterwahrheiten Die politische Schamlosigkeit von heute Donnerstag, den 20. August 2026 Die Grundlage der Scham in einer Demokratie, über die es zuerst einmal einen Konsens zu finden gilt, lässt sich als ein Bewusstsein verstehen, durch eine Vielzahl von Handlungen und Äußerungen sozialen Erwartungen entsprechen zu wollen. Dazu gehört gegenseitiger Respekt, Achtung vor den Meinungen von Andersdenkenden und der Verzicht auf Verachtung, Hass, Hetze, Lüge, Verleumdung und Gewalt. Das dürfte eine zwar knappe, aber dennoch hinreichende und einleuchtende Definition politisch korrekten Verhaltens in einer Demokratie sein. War das früher so? Es lohnt sich tatsächlich, sich daran zu erinnern, dass die Denunzierung des jeweiligen politischen Gegners in der Demokratie des Grundgesetzes Tradition hat. Bereits Konrad Adenauer (1876 - 1967), der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, denunzierte in seinen Wahlkämpfen in den fünfziger Jahren einen möglichen Wahlerfolg der Sozialdemokraten als moskauhörig; 1961 versuchte er sogar Willy Brandts uneheliche Geburt zu benutzen, um den Gegenkandidaten bewusst und gewollt herabzusetzen. Fast hätte ich es vergessen: Bereits 1949 bestimmte Schamlosigkeit den Wahlkampf. Kein Geringerer als der Parteivorsitzende der SPD, Kurt Schumacher (1895 bis 1952), bezeichnete Konrad Adenauer als Lügenauer und auch für die CDU fand er klare Worte, indem er sie als die heidnischte aller Parteien bezeichnete. Diese Beispiele ließen sich fortsetzen. Sie sind keine Neuschöpfung unserer Zeit, sondern verfügen durchaus über eine Tradition im Bereich der politischen Auseinandersetzung in Deutschland. Allein das Zitieren von Zitaten aus Reden, die Spitzenpolitiker im Deutschen Bundestag in den zurückliegenden 60 Jahren von sich gegeben haben, würde heute ausreichen, nicht nur als rechtsradikal, sondern als gesichert rechtsradikal angesehen werden. Das solchen Rednern das passive Wahlrecht schon damals hätte entzogen werden müssen, daran dürfte wohl heute niemand zweifeln, der für sich in Anspruch nimmt, Bundesverfassungsgericht spielen zu dürfen und auch zu müssen, weil Eile geboten ist. Nun denn: Das politische Establishment, das mit solchen Mitteln operiert, vertraut nicht auf die eigene politische Überzeugungskraft und auch nicht auf die nachvollziehbaren Argumente ihrer Politik, um Wahlen zu gewinnen. Dieses politische Establishment verliert vielmehr im zunehmenden Maße ihre Scham allein aus Angst vor dem Verlust ihrer bloßen Macht. Sie nutzt deshalb alle Mittel aus, um sie sich zu erhalten. Heinz Ludwig Arnold: Mit dem Verlust der Scham und der wachsenden Bereitschaft, sich schamloser Mittel zum Erhalt der Macht zu bedienen, wird der Glaube an die Wirksamkeit demokratischer Regeln abgebaut, das Bewusstsein von der Gültigkeit demokratischer Grundsätze und das Vertrauen in die ihnen entsprechenden Verfahren geschwächt und verspielt. So verschwindet erst allmählich und dann immer schneller die Demokratie. Diese Zeilen könnten heute erdacht und geschrieben worden sein, denn sie sind so aktuell wie die zu erwartenden Nachrichten von morgen, übermorgen, einschließlich der Meldungen in den nächsten Monaten, die weiterhin persönlichen Diskriminierungen der politischen Gegner mehr Bedeutung geben werden, als sich auf eine politische Auseinandersetzung mit Argumenten einzulassen, was sowieso nicht geht, denn mit dem politischen Gegner zu sprechen ... das geht ja überhaupt nicht. Wie dem auch immer sei: Die oben zitierten Zeilen sind bereits in die Jahre gekommen. Sie wurden von dem Literaturkritiker Heinz Ludwig Arnold (1940 – 2011) geschrieben, der 1988 ein Buch mit dem Titel „Vom Verlust der Scham und dem allmählichen Verschwinden der Demokratie“ veröffentlichte, in dem er eine Wahrheit formulierte, die heute ein Ausmaß angenommen hat, dass von einer demokratischen politischen Auseinandersetzung, wenn man ehrlich vor sich selbst sein möchte, nicht mehr sprechen kann. Die Feinde der Demokratie scheinen sich zurzeit selbst zu überbieten, denn sie strotzen ja über vor Feindseligkeit, Hass, Ausgrenzung, persönlichen Angriffe, verbunden mit einer Bereitschaft zur Lüge und zur Manipulation, die wirklich Maßstäbe setzt. Und was denkt das Wahlvolk? Das Vertrauen der Deutschen in die Demokratie ist zweigeteilt: Während die grundsätzliche Idee der Demokratie als Staatsform weiterhin eine sehr hohe Zustimmung erfährt (über 80 bis 90 Prozent), ist das Vertrauen in das praktische Funktionieren und die Handlungsfähigkeit der staatlichen Institutionen und Regierung deutlich gesunken und erreicht teils kritische Tiefstwerte, siehe Bertelsmann Stiftung 2026: Zukunft stiften. Die Körber-Stiftung reichen für eine Beschreibung des Istzustandes in der Demokratie des Grundgesetzes vier Wörter: Demokratie in der Krise. Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten
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