Rodorf.de
Spiegelsplitterwahrheiten

Fenster schließen

 

Amoria – Venezuela und die USA

Mittwoch, den 7. Januar 2026

Das Venezuela von heute zeigt durchaus Parallelen zu Moria, dem größten und berühmtesten Zwergenreich in J. R. R. Tolkins „Herr der Ringe“, das von der Macht von Modor, dem dunklen Reich des Bösen, das von dem dunkelen Herrscher Sauron regiert wurde, bezwungen wurde. Dieses Modor liegt heute nicht mehr  in Mittelerde, sondern in den Vereinigten Staaten von Amerika. Auch heißt der Herrscher heute nicht mehr Sauron, sondern Trump, dem Herrscher über die stärkste Militärmacht, die es auf der Erde gibt, so seine eigenen Worte und der aufgrund der ihm übertragenen Macht alles zu rechtfertigen vermag, sogar eine gewaltsame Entführung des Staatspräsidenten Venezuelas Nicolás Maduro Moros und dessen Ehefrau, die am 3.1.2026 binnen weniger Stunden erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Die Reaktionen auf diese Tat, bei der es sich nach deutschem Strafrecht um ein Verbrechen handelt, konnten unterschiedlicher nicht ausfallen. Die Palette der Bewertungen reichte von empörter Ablehnung hin bis zu euphorischer Begeisterung.

Wie dem auch immer sei: Bei meinen Recherchen im Internet bin ich bei der Suche nach Spiegelsplitterwahrheiten auf einen Artikel gestoßen, in dem als Grund für diese Gewaltaktion davon ausgegangen wurde, dass dieser Angriff auf die Integrität Venezuelas als eine gewollte und gezielte Tat anzusehen sei, um der Welt zu beweisen, was die Trump-Regierung anderen Staaten antun kann. Die nachfolgenden Zitate wurden diesem Artikel entnommen.

Moonofalabama.org vom 5.1.2026: 1992 sagte der amerikanische konservative Schriftsteller Michael Ledeen: „Alle 10 Jahre oder so müssen die Vereinigten Staaten ein kleines beschissenes kleines Land aufheben und gegen die Wand werfen, nur um der Welt zu zeigen, dass wir es ernst meinen.“

An anderer Stelle heißt es:

Tatsächlich können solche Machtdemonstrationen aber auch als Zeichen der Angst angesehen werden, dass die amerikanische Weltmacht abrutscht, denn einen schwächeren Gegner zu schlagen, um Stärke zu beweisen, ist die Aktion eines unsicheren Tyrannen [En1].

Wie diese Gewaltaktion mit demokratischen Grundvorstellungen in Einklang zu bringen sein soll, dazu fehlt es mir schlichtweg an der dazu erforderlichen Phantasie, denn zum Wesen der Demokratie als solcher gehören ja bekanntermaßen schöne Dinge. Sie – die Demokratie – soll Frieden stiften, Freiheit und Fortschritt bringen und überhaupt dort lebende Bürger nach Glück und Wohlstand streben lassen. Keines dieser Ziele hat sie erreicht. Jedenfalls nicht im Westen, denn niemals zuvor hat es so viele Kriege gegeben, wie nach dem Siegeszug der Demokratie, der ja bekanntermaßen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann und 1991, nach dem Ende des Kalten Krieges, nunmehr seinen unvermeidbaren weltweiten Siegeszug ungehindert und ungebremst antreten konnte und musste, denn eine andere Zukunft ließ sich ja gar nicht vorstellen als eine globale Demokratie unter amerikanischer Führung. Dieses Wunschdenken kollidierte aber mit der Wirklichkeit, denn die soziale Schere öffnet sich in allen westlichen Demokratien immer weiter und sorgte dafür, dass sich die Gesellschaften dort spalteten und die Bürger zunehmend unzufriedener wurden mit ihrer Demokratie, sowohl in den USA als auch in den meisten Demokratien in der EU.

Zurück zur Wahrheit von Modor.

Die dort gültige Wahrheit, die wohl auch in den USA von heute gilt, lässt sich in wenigen Sätzen ausdrücken:

  • Krieg ist die Gesundheit des Staates.

  • Frieden reduziert die Gesundheit der herrschenden Klasse.
    Und:

  • Ein Staat im Niedergang sucht verzweifelt Krieg, vergleichbar mit einem Süchtigen, der nach der nächsten Spritze giert, wenn die inneren Konflikte außer Kontrolle zu geraten scheinen.

Anders ausgedrückt: Krieg ist die unbestreitbare Entschuldigung dafür, Verfassungen und höhere Traditionen der Staatlichkeit – gemeint ist das Völkerrecht bzw. die regelbasierte Ordnung – zu ignorieren.

Aus diesem Grund ist jeder Krieg in der Welt von heute zugleich auch ein Krieg gegen uns alle. Das, was unter Anwendung präziser militärischer Gewalt in Venezuela gelungen ist, das bezeichnen die Verantwortlichen, um ihr Gesicht wahren zu können, als eine präzise Operation, um damit sozusagen eine Rettungsoperation zu rechtfertigen. Aber nur so lässt sich verschleiern, was diese Operation tatsächlich war: eine Kriegshandlung im Sinne des Völkerrechts.

Übrigens: Präsident Trump hat der Welt bereits den wahren Grund für seinen Angriff auf Venezuela mitgeteilt. Trump sagte, er werde „unser Öl“ zurückholen.

Unser Öl“ ist Venezuelas Öl.

Endnote1: Moonofalabama.org vom 5.1.2026: Trump Entführte Maduro, Gewann Aber Nichts https://www.moonofalabama.org/2026/01/trump-abducted-maduro-but-gained-not-a-thing.html
Zurück

TOP 

Fenster schließen