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Spiegelsplitterwahrheiten Wir sind bereit, heute Abend gegen Russland zu kämpfen ... Dienstag, den 16. Juni 2026 ...das schwört der Chef der deutschen Luftwaffe Generalleutnant Holger Neumann. So zumindest steht es in der Überschrift eines Artikels in der englischen Zeitung „The Telegraph“ vom 15. Juni 2026, The Telegraph: Generalleutnant Holger Neumann sagt, die Luftwaffe würde verheerende Angriffe starten, wenn Moskau einen Nato-Verbündeten angreift. Deutschland ist bereit, „heute Abend“ gegen Russland zu kämpfen, und wird „jeden Zentimeter“ des Nato-Territoriums verteidigen, sagte sein Luftwaffenchef in einem exklusiven Interview mit The Telegraph. In Kenntnis der Verpflichtung zum Frieden, dem wohl wichtigsten Versprechen des Grundgesetzes, das in der Präambel stehend sogar noch den Grundrechten vorausgeht, verkündet ein Generalleutnant der Bundeswehr in einer englischen Zeitung, dass die Bundeswehr nicht nur kriegsfähig, sondern sogar kampfbereit ist. Dabei hat doch alles eine Vorgeschichte: Das gilt auch für dieses Interview. Wieso? Deutschland und das Vereinigte Königreich haben am 17. Juli 2025 den sogenannten Kensington-Vertrag („Vertrag über Freundschaft und bilaterale Zusammenarbeit“) unterzeichnet. Er enthält auch wichtige verteidigungs- und sicherheitspolitische Elemente.
Politisch wird das Abkommen als Teil einer engeren sicherheitspolitischen Zusammenarbeit der drei großen europäischen NATO-Mächte Deutschland, Frankreich und Großbritannien („E3“) gesehen – insbesondere vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und wachsender Unsicherheit über die zukünftige Rolle der USA in Europa. Bei so viel Beistandszusage mag es nicht zu verwundern, dass bereits bei der Unterzeichnung des Kensington-Vertrages, des „Vertrags über Freundschaft und bilaterale Zusammenarbeit“ wohl vergessen oder nicht daran gedacht worden ist, dass es bereits vor dem Beginn des 1. Weltkrieges den Briten ein Bedürfnis war, dafür Sorge zu tragen, dass Deutsche und Russen keine zu engen Kontakte miteinander pflegten. Anders ausgedrückt: Wenn Deutsche und Russen sich nicht verstehen, dann war die Welt für das britische Königreich in Ordnung. An dieser Auffassung hat sich bis heute noch nichts geändert. Im Gegenteil: Die Kriegstrommeln – auch die in Deutschland – sind kaum noch zu überhören. So lange, wie im Grunde verantwortungslose Leute das Sagen haben, wird der Krieg in der Ukraine nicht beendet werden können. Und wenn wir ehrlich sind: Ein Krieg, der bereits länger andauert als der 1. Weltkrieg, hat nichts, aber auch gar nichts positiv verändert. Die Ukraine wurde dadurch vor allem geschwächt, denn die Ukraine wird nur gebraucht, um an der Front zu kämpfen, während die EU diesen Krieg finanziert und Waffen liefert, in der Hoffnung, den Krieg doch noch irgendwie gewinnen lassen zu können, dessen Anfänge in den Hegemonialbestrebungen der USA zu suchen sind, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und verstärkt nach dem Ende des Kalten Krieges darum bemüht war, die Vorherrschaft in Eurasien zu erlangen. Um diesem Ziel sich nähern zu können, wurde die NATO nach Osten erweitert, denn auch die Ukraine sollte dazu gehören. Jeffrey Sachs drückt das in einem Interview, das er am 15. Juni 2026 mit Glenn Diesen führte, wie folgt aus: Jeffrey Sachs: Ausdruck der Denkweise [nach dem Ende des Kalten Krieges] war, dass die Vereinigten Staaten von Amerika die Kontrolle über Eurasien brauchten, um sich die Kontrolle über die Welt zu sichern. Und die Art, wie man die Kontrolle über Eurasien behalten wollte, bestand im Grunde darin, Russland zu schwächen, es mit der Nato einzukreisen und jede Art von Bündnis zwischen Russland, China und Iran zu verhindern und die einzelnen Staaten gegeneinander auszuspielen. Und indem man die Ukraine einbezog, war das im Grunde der Dreh- und Angelpunkt, der geografische Mittelpunkt ganz Eurasiens, denn Russland wäre dann geschwächt und Russland hätte dann keine andere Wahl, als sich an die USA und an den Westen zu wenden. Um es dann in handliche, kleine Stücke aufteilen zu können. Wie aber sollte das möglich sein, in einer zunehmend verrückter werdenden Welt bei solch einer Sicht der Dinge heute Frieden zu schaffen. Wie soll das gehen? Eine Antwort darauf haben Klaus von Dohnanyi und Erich Vad zu geben versucht. Am Schluss ihres lesenswerten Buches heißt es: Klaus von Dohnanyi: Man denkt zunächst an Diplomatie und internationale Bemühungen um den Frieden. Ich glaube hingegen, dass die meisten Kriege tiefe innenpolitische Wurzeln haben. Und das gilt auch für den heutigen Krieg in der Ukraine. Denn: Selenskyj war gewarnt worden von den besten internationalen Kennern auf amerikanischer Seite, dass ein Beitritt der Ukraine in die NATO, Krieg mit Russland bedeuten könne. Warum hat er diese Warnung nicht berücksichtigt? Ich denke, in erster Linie aus innenpolitischen Gründen. Er stand und steht unter dem Druck eines rücksichtslosen ukrainischen Nationalismus. Der Westen hatte ihm andere Sicherheiten angeboten, aber innenpolitisch sah er sich gezwungen, den NATO-Schritt zu tun. Das hatte verheerende Folgen. Erich Vad: Ich hoffe wie Sie auf einen vernünftigen Weg der Anbindung der Ukraine an Europa. Bis dahin ist es ein langer Weg. Frieden ist Arbeit. Klaus von Dohnanyi/Erich Vad: Frieden: Wie geht das? Westend-Verlag 2026, Seite 172 Zu hoffen bleibt, dass es sich bei dem Versprechen des Generalleutnants der Luftwaffe um einen unüberlegten Versprecher gehandelt hat. Und was den Rüstungswahn in Deutschland anbelangt, der in der Vorstellung gipfelt, möglichst viele Panzer in nicht mehr benötigten Werkshallen von Autoproduzenten herstellen zu lassen, die ihre Produkte nicht mehr loswerden können, wird ebenfalls ignoriert, dass sich die Zeiten geändert haben. Was ist damit gemeint? Auch den 1. Weltkrieg wollte man noch durch den Einsatz der Kavallerie gewinnen. Aber bereits in der Schlacht um Ypern, die zu Beginn des Krieges 1914 in Belgien ausgefochten wurde, mussten die Militärstrategen einsehen, dass mit der Kavallerie der Krieg nicht zu gewinnen sei, denn im Galopp und mit geschwungenem Säbel konnten mit Maschinengewehren bestückte deutsche Stellungen nicht erobert werden. Der Kavallerie ging es damals genauso, wie es den Panzern von heute ergehen wird, wenn sie mit Drohnen angegriffen werden. Wie dem auch immer sei: Einem weisungsgebundenen deutschen Generalleutnant der Luftwaffe bleibt wohl keine andere Wahl, als zu behaupten, dass ein Krieg gegen eine Atommacht zu gewinnen sei, denn daran glaubt wohl auch noch die Spitze der politischen Elite. Es fehlt einfach die Bereitschaft dazu, die Realität anzuerkennen, die mehr als eine Schuldzuweisung für die Ursachen dieses Krieges kennt, die aber im Westen niemand zu hören bereit ist. Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten
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