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Die Theorie des technischen Menschen

Donnerstag, den 11. Juni 2026

Dem kapitalistischen Menschen kommt es darauf an, zu erwerben. Ihm reicht es nicht, lediglich seinen Bedarf decken. Vielmehr heizt er den Bedarf künstlich an, erfindet neue Bedürfnisse und neue Produkte in immer schneller werdenden Intervallen.

Auch der technische Mensch will Beschleunigung, Schnellbetrieb und Intensivierung. Er, der technische Mensch, hat sogar erst die notwendigen sachlichen Beschleunigungsmittel und -verfahren dafür geschaffen, dass der kapitalistische Mensch von heute das werden konnte, was er zu sein vorgibt: ein Mensch, der dazu in der Lage ist, die Welt zu beherrschen.

Wie dem auch immer sei: Dieser technische Mensch, der sich heute anmaßt, vielleicht schon morgen die Zukunft sowohl der Erde als auch die der Menschheit der von ihm geschaffenen künstlichen Intelligenz anvertrauen zu müssen, weil er selbst einfach viel zu fehlerbehaftet ist, dieser Mensch wurde bereits vor gut 100 Jahren von Heinrich Hardensett (1899-1947) beschrieben, dem Begründer der Technokratiebewegung in Deutschland, der durchaus auch als der Philosoph der Technik bezeichnet werden kann. So auch der Titel eines seiner Bücher: „Philosophie der Technik“.

Die von Heinrich Hardensett gegründete Technokratiebewegung setzte sich länderübergreifend für die Nutzung von mehr Technologie und wissenschaftlichen Verfahren ein. Er war der Meinung, dass Staaten nicht von Politikern, sondern mehr und mehr von Technokraten und Experten regiert werden sollten, denn nur so könnte der Wohlstand verbessert werden.

Seine 1932 veröffentlichte Dissertation, „Der kapitalistische und der technische Mensch“, kann auch heute noch als die „wohl weitestgehendste und fundierteste Theorie zur sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Standortbestimmung des technischen Menschen“ angesehen werden. Die folgenden Zitate wurden diesem Buch entnommen:

Heinrich Hardensett: Der technische Mensch ist also ein produzierender Mensch, er ist ein Produzent, oder besser, da das Wort "Produzent" allzu leicht nur im wirtschaftlichen Sinne verstanden wird, er ist ein Produkteur. Er produziert Sachwerke und nicht Geisteswerke, er schafft in weitester Bedeutung "Gerät" und nicht "Sprache". Deshalb verläuft sein Schaffen jedoch nicht im Materiellen, sondern das Entwerfen, Planen, Organisieren, Anordnen, Leiten, Überwachen [...] ist sein Ding.

Der technische Mensch will [...] technische Dinge, die uns notwendig und gut und schön dünken, [...] möglichst gut und möglichst gern herstellen und lenken. [...]. Methodik ist ihr Mittel, Ökonomie ihr Ziel.

Der technische Mensch muss demnach die vollkommene Maschine anstreben, er nährt sich asymptotisch einer idealen Endlösung, er strebt nach Vollendung.

Heinrich Hardensett: Der kapitalistische und der technische Mensch. Verlag von R. Oldenbourg, München und Berlin 1932

Mit anderen Worten: Der technische Mensch weiß, dass, wenn Perfektion erreicht ist, technischer Fortschritt nicht mehr möglich ist. Das zu erreichen ist dennoch sein Ziel. Ist die vollendete technische Lösung erreicht, dann kann es aber kein weiter so geben, denn in einer perfekten Welt wären Veränderungen kontraproduktiv, denn sie würden ja die Perfektion zerstören.

Der britische Philosoph und Mathematiker Alfred North Whitehead (1861 - 1947) hat diese Illusion mit einem Satz eliminiert.

Perfektion ist ein Schwindel.

Dieser billante Realist vertrat die Auffassung, dass Perfektion zumindest im Bereich des Lebendigen nicht existiert. Er argumentierte, dass das Leben ein ständiger Prozess der Veränderung ist. Absolute Perfektion bedeutet Stillstand, was sowohl den Tod des Lebens als auch das Ende der Weiterentwicklung zur Folge haben würde.

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