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Spiegelsplitterwahrheiten Macht kann Grenzen verändern Donnerstag, den 5. Februar 2026 Inhaltsverzeichnis:
01 Das Phänomen der Macht Wer meint, dass Macht nicht existiert oder gar ausgemerzt werden kann, der irrt. Macht ist nämlich machbar, sie kann erzeugt werden, kann aber auch aus sich selbst heraus wirken. Kurzum: Macht ist ein Mysterium. In Anlehnung an Heinrich Popitz, der in seinem Buch „Macht ist ein Phänomen“, die Macht überzeugend untersucht hat, ist jede Machtordnung veränderbar, sowohl zum Guten als auch zum Bösen, und: Eine gute Ordnung ist entwerfbar, sie kann von Menschen entworfen und auch gelebt werden. Gleiches gilt natürlich auch für die destruktive Macht, die eine gute Ordnung zu zerstören vermag. Heinrich Popitz: Macht ist omnipräsent, eindringend in soziale Beziehungen jeden Gehalts: Sie steckt überall drin. Macht ist freiheitsbegrenzend, als Eingriff in die Selbstbestimmung anderer begründungsbedürftig: Macht ist fragwürdig. [...]. Macht ist Teil des modernen Bewusstseins der Machbarkeit in der Welt, in der wir leben. Es gibt weder geheiligte noch naturnotwendige Machtordnungen. Nachdenken über Macht bedeutet ein Nachdenken über etwas, das im Prinzip dem planvollen Eingriff des Menschen zugänglich ist. Heinrich Popitz: Phänomene der Macht. Mohr Siebeck 1992, Seite 20 Und wenn Machtmenschen planen, Grenzen zu verändern und zur Erreichung dieses Ziels auch über die dafür erforderliche Macht verfügen, dann vermag Macht auch Grenzen zu verschieben. 02 Veränderbarkeit von Staatsgrenzen durch Vertrag Übrigens: Keine Staatsgrenze darf unveränderlich sein. Insbesondere dann nicht, wenn es sich um die Grenzen von zu großen Staaten handelt, denn alle Grenzen, die Staaten von anderen Staaten abgrenzen, sind von Menschen geschaffen. Grenzen in diesem Sinne unterliegen somit keinem Naturgesetz und erst rechtlich nicht göttlicher Bestimmung. Grenzen können von Menschen folglich auch neu bestimmt werden, jederzeit. Soweit dies nach dem Willen ihrer Einwohner ohne Anwendung von Gewalt geschieht, entspricht solch eine Grenzverschiebung demokratischen Prinzipien. Um das zu belegen reicht es aus, einen kurzen Blick auf die deutsche Wiedervereinigung zu werfen, obwohl auch dazu das Volk nicht befragt wurde, sondern politische Macht das ermöglicht hatte. 03 Veränderbarkeit von Grenzen durch Geld und durch Gewalt Täglich verliert die Ukraine strategisch wichtige Gebiete an Russland. Diese Form der Grenzverschiebung hat es in der Geschichte bereits in einem schier unüberschaubaren Ausmaß gegeben. Im Folgenden sollen nur die Grenzverschiebungen kurz aufgelistet werden, die von der ersten Demokratie der Neuzeit seit ihrer Gründung im Jahr 1776 herbeigeführt wurden: Weltwoche.ch vom 20.1.2026: Bei ihrer Gründung 1776 umfassten die Vereinigten Staaten von Amerika gerade mal 4 Prozent ihres heutigen Gebietes. Mit dem Pariser Friedensvertrag von 1783 verdoppelten sie ihr Territorium bis zu den Appalachen. Zehn Jahre später verdoppelten sie ihr Revier erneut mit dem Kauf des «Louisiana-Territoriums» von Frankreich für 15 Millionen Dollar. Und so ging es weiter: 1819 kauften sie Florida für 5 Millionen den Spaniern ab, 1853 kauften sie Mexiko ein Gebiet von der doppelten Größe der Schweiz für 10 Millionen ab, Alaska ging 1867 für 7,2 Millionen von Russland an die USA. Nicht immer verlief der Transfer friedlich. Mexiko verlor 1845 nach einem Krieg die Hälfte seines Territoriums an die USA, Kalifornien und Texas inklusive. Link zur Quelle in der Weltwoche Natürlich wurden in der ersten Demokratie der Neuen Welt auch die indigenen Ureinwohner des Landes mittels Gewalt vertrieben und in Reservate gesperrt, die ebenfalls dann, wenn das opportun erschien, verkleinert wurden. Und wenn dann heute von der Notwendigkeit von Grenzverschiebungen aus US-amerikanischer Sicht nachgedacht wird, dann scheint es sozusagen notwendig zu sein, sowohl die Grenze nach Kanada als auch nach Grönland zu verschieben. Einzuverleiben wäre wohl die bessere Formulierung. Wie dem auch immer sei: Wer immer noch daran glaubt, dass Grenzen unverrückbar sind, der irrt. 04 Die aktuellen Grenzen der Ukraine Wenn Sie den folgenden Link öffnen, erhalten Sie die Möglichkeit, die „Grenzen der Ukraine?“, beginnend mit dem Jahr 1 nach Christus bis ins Jahr 2000 hinein, einsehen zu können. Die Ukraine ist auf den verfügbaren Karten erstmalig im Jahr 2000 verzeichnet, obwohl es die Ukraine schon seit 1919 gibt. Und was die Krim anbelangt: Der ehemalige Staatspräsident der damals noch existierenden UdSSR, Nikita Chruschtschow, übertrug 1954 die Halbinsel Krim an die ukrainische sozialistische Sowjetrepublik. Nikita Chruschtschow (1894 bis 1971) war ein gebürtiger Ukrainer. Und was die Hauptstadt der Ukraine anbelangt: Kiew war das Zentrum der Kiewer Rus, eines mittelalterlichen Reiches, das als Vorläuferstaat der heutigen Ukraine, Russlands und Weißrusslands vereinte, obwohl es zu verschiedenen Zeiten auch unter dem Einfluss der Herrschaft Moskaus oder Polens stand, aber erst viel später, nach der Teilung der Rus, ein „russischer“ Staat im modernen Sinne wurde. Kiew ist im Übrigen aus russischer Sicht eine heilige Stadt, oftmals auch als das „Jerusalem des Ostens“ bezeichnet. Kiew ist auf jeden Fall ein zentraler, historischer Ort des orthodoxen Christentums. 1950 gehörten zur Ukraine folgende Gebiete: 2026 Die Ukraine von heute – aktueller Frontverlauf 05 Zusammenfassung Die Veränderungen von Grenzen allein in Europa – ganz zu schweigen von den Grenzverschiebungen weltweit – die von Menschen gezogen wurden, lassen eine Aussage als wahr erscheinen: Macht vermag Grenzen zu verschieben. Anders ausgedrückt: Macht erzeugt Recht. Das Recht des Stärkeren genauso wie das Recht des Klügeren. Zumindest eines dürfte klar geworden sein. Das Völkerrecht ist etwas für Leichtgläubige. Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten
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