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Der neue Mensch II

Dienstag, den 12. Mai 2026

Der neue Mensch von heute muss misstrauisch sein. Anders ausgedrückt: Misstrauen ist heute eine Bürgerpflicht, um Fehlentwicklungen zumindest am Wahltag korrigieren zu können.

Bedauerlicherweise löst diese Lenkungsmöglichkeit nur eine bescheidene Wirkung aus, denn die Gewählten werden auch nach der Wahl wieder schlechte Entscheidungen treffen, die auf den gleichen fehlerhaften Annahmen beruhen werden. Sie können das auch deshalb tun, weil kein Gewählter jemals für ein Versagen oder für eine von ihm zu verantwortende Katastrophe zur Rechenschaft gezogen worden ist und auch nicht in Zukunft damit zu rechnen ist.

Demokraten sollten aufhören, zu glaubten, dass, solange der Staat sich in den Händen der gewählten Demokraten befindet, Recht und Freiheit garantiert seien werden.

Wer so denkt und glaubt, übersieht, dass die Bedrohung der Demokratie immer vom Staat selbst ausgeht, deren Vertreter, wenn sie einmal gewählt wurden, auch in Zukunft die ihnen durch Wahlakt übertragene Macht behalten wollen. Deshalb kommt es ja auch in einer Demokratie zu Machtkämpfen zwischen den rivalisierenden Parteien,  was mit dazu beiträgt, dass zukunftsfähige Entscheidungen entweder halbherzig oder auch gar nicht getroffen werden, weil das Parteiprogramm das nicht vorsieht oder ausschließt.

Böse Zungen behaupten sogar, dass es in einer Demokratie nicht unbedingt darum geht, dass die „Richtigen“ regieren, sondern darum, dass die Regierenden das Richtige tun, um ihre Macht zu erhalten.

Dahinter verbirgt sich die größte Schwäche der Demokratie, sozusagen ihr Paradox. Demokraten behaupten nämlich immer gern, dass, wenn die Demokratie sich in ihren Händen befindet, gutes Regieren garantiert sei.

So reden sie sich das eigene Versagen schön.

Aber sie retten die Demokratie nicht automatisch dadurch, dass sie unter allen Umständen die Macht für sich einfordern, oder diese erhalten wollen, wenn sie gewählt worden sind, denn das Versagen der Regierenden nimmt in Krisenzeiten unweigerlich zu. Das sind Zeiten, in denen eigentlich zwingend strukturelle Veränderungen vorgenommen werden müssten, die aber auch bedauerlicherweise mit Eingriffen in die Besitzstände des eigenen „Parteivolkes“ verbunden sein würden, die die Regierenden aber deshalb gewählt haben, um gerade das zu verhindern.

Das öffentliche Vertrauen, das für solche strukturellen Veränderungen erforderlich wäre, lässt sich in Anbetracht der oben skizzierten Widersprüche sowieso nicht herstellen, denn wer bittet schon sein Wahlvolk darum, Opferbereitschaft zu zeigen? Das käme ja einer Selbstaufgabe der Regierenden gleich.

Wie dem auch immer sei: Das, was übrig bleibt, wenn Regierungsverantwortung nicht mit gebotener Wirksamkeit von den Wählern eingefordert wird, das lässt sich durchaus als eine „Demokratie der zerbrochenen Autorität“ bezeichnen, denn wenn die Bevölkerung es ihrer Regierung nicht einmal mehr zutraut, die Zukunft zu gestalten, und die Gewählten Angst davor haben, ihre Macht zu verlieren, wenn sie unpopuläre Entscheidungen treffen, dann ist es um den Bestand einer jeden Demokratie schlecht bestellt.

In solch einer Situation braucht das Land neue Menschen. Nicht nur eine neue Regierung, die über den Mut verfügt, dem Wahlvolk reinen Wein einzuschenken, sondern schlichtweg neue Menschen, die akzeptieren, dass auch eine Demokratie keine Oase der Glückseligen sein kann.

Neue Menschen braucht das Land.

Menschen, die verstehen, dass auch im "besten Deutschland aller Zeiten" Opfer zu erbringen sein werden, um in Krisenzeiten eine tragfähige Basis für eine gemeinsame Zukunft finden zu können, zumal auch andere Stellen mit dazu beitragen, dass das Vertrauen in das Funktionieren einer Demokratie zu erodieren beginnt.

  • Die Medienlandschaft hat sich in konkurrierende Erzählungen verwandelt, die jeweils Autorität für sich beanspruchen, während sie das Vertrauen des Publikums verliert, das sie wahrheitsgemäß zu informieren behauptet, was von diesen aber zunehmend hinterfragt wird.

  • Die deutsche Staatsverschuldung hat laut Schätzungen für Ende 2025/Anfang 2026 einen neuen Rekordwert von über 2,6 bis 2,8 Billionen Euro erreicht. Die Schuldenquote liegt damit über 63 % des Bruttoinlandsprodukts.

  • Im Vergleich zur Schuldenquote in den USA, die zurzeit bereits die 100 % überschritten hat, ist Deutschland noch verhältnismäßig zurückhaltend geblieben, was durchaus als ein Indiz für einen konkreten Nachholbedarf angesehen werden kann.

    Dennoch droht eine Zuspitzung der Lage, weil der Irankrieg einfach nicht enden will:

  • Die Lieferketten sind bereits nachhaltig gestört.

  • Der Lebensstandard sinkt.

  • Die Preise steigen, genauso wie die Anzahl der Arbeitslosen.

    Was bleibt?

  • Es müssen Entscheidungen getroffen werden, um dieser Krise überhaupt Herr werden zu können.

Das zuzugeben, dazu aber fehlt den Regierenden der Mut. Grund dafür ist das bereits verspielte Vertrauen, verbunden mit der Angst, dafür vom Wahlvolk nachhaltig abgestraft zu werden.

Dennoch: Es werden Veränderungen (Opfer) eingefordert werden müssen. Daran zweifelt heute wohl niemand mehr. Aber wie entscheiden wir, wo Veränderungen und Einschnitte unvermeidbar sein werden, wenn wir uns nicht einmal darauf einigen können, was real ist?

Dazu bedarf es neuer Menschen.

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