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Spiegelsplitterwahrheiten Die Grenzen der Gerechtigkeit Donnerstag, den 7. Mai 2026 Die erste Grenze, die es im Namen der Gerechtigkeit zu überwinden gilt, ist die Unfähigkeit des Erkennens von Gerechtigkeit, denn in einer Zeit, die sozusagen im Relativismus zu ertrinken droht, ist das eine kaum zu erbringende Geistesleistung. In einer Gesellschaft, die sozusagen keinen festen Boden mehr unter ihren Füßen hat, wäre es somit eine vordringliche Aufgabe, zuerst einmal die Erkenntnisfähigkeit zurückzugewinnen, die erforderlich ist, um zumindest eine Vorstellung davon zu erhalten, wie die Zukunft gerecht gestaltet werden kann. Das aber scheint heute zumindest in modernen Gesellschaften kaum noch möglich zu sein, denn dort führt das Durcheinander von Auffassungen zu einem Chaos von Gerechtigkeitsvorstellungen, die dem Tappen im Dunkeln zumindest recht nahekommt. Daran vermag auch das Meme nichts zu ändern, eine regelbasierte Ordnung verwirklichen zu wollen, die auf Werten beruht, die nicht von allen geteilt werden. Anders ausgedrückt: Das Nichtwissen um das Gerechte scheint die spezifische Krankheit unserer Zeit zu sein. Hinzu kommt ein Mangel an Gerechtigkeitswillen, der chronisch zu sein scheint und wohl auch vererbt werden kann, weil zu allen Zeiten der Mangel an Gerechtigkeit beklagt wurde. Übrigens: Es reicht nicht aus, das Gerechte zu erkennen, es muss auch gewollt und in Handlungen umgesetzt werden. Daran aber - an der Umsetzung und Verwirklichung der Gerechtigkeit - ist bis heute noch jede Gesellschaft gescheitert, denn es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass jeder gerecht behandelt werden will. Es entspricht aber bei Weitem nicht jedermanns Natur, andere gleichermaßen gerecht behandeln zu wollen, zumindest dann nicht, wenn es gegen den eigenen Vorteil geht. Aber: Wäre die Verwirklichung der Gerechtigkeit einzig auf den selbstlosen Gerechtigkeitswillen angewiesen, so wäre noch viel weniger Gerechtes verwirklicht worden, als dies bereits - wenn auch in bescheidenem Umfang - tatsächlich der Fall ist, denn ein bisschen Gerechtigkeit gibt es ja schon. Dennoch wäre es um dieses Bisschen an Gerechtigkeit schlecht bestellt, wenn deren Verwirklichung auf keine anderen Parteigänger zählen könnte als auf diejenigen, die sich dadurch keine persönlichen Vorteile verschaffen. Bedauerlicherweise reicht eine gerechte Minderheit nicht aus, das zu verwirklichen, was Gerechtigkeit im Rahmen des menschlich Möglichen für alle bedeuten könnte. Woran liegt das? Die Bosheit der Menschenherzen ist so tief, dass sie auch aus der gerechtesten Ordnung etwas Ungerechtes zu machen versteht. Im Hier und im Heute gibt es eine Vielzahl von Beispielen, an denen die Wirksamkeit menschlicher Bosheit erforscht werden kann. Was also ist Gerechtigkeit? Gerechtigkeit ist das, was bleibt, wenn alle Ordnungen aufhören. Sie ist das, worauf wir hoffen inmitten der bestehenden unvollkommenen Ordnungen, die ohne Ungerechtigkeiten gar nicht denkbar wären. Sie ist aber auch das, was uns, solange wir in den bestehenden unvollkommenen Ordnungen leben, nicht ruhen lässt, von Gerechtigkeit zu träumen. Inhaltsverzeichnis Spiegelsplitterwahrheiten
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