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Die Notwendigkeit einer gerechten Völkerrechtsordnung

Dienstag, den 5. Mai 2026

Der Ruf nach einer gerechten Völkerrechtsordnung ist heute besonders dringlich, weil zurzeit das Völkerrecht sozusagen mit Füßen getreten wird, denn derjenige, der über Macht verfügt, definiert dieses Recht so, wie es ihm gerade gefällt.

Wie dem auch immer sei: Nicht einmal die Bibel kennt eine Antwort auf die Frage, wie im Hier und im Jetzt das Zusammenleben der Völker friedlich gestaltet werden kann. Einen innergeschichtlichen Völkerfrieden sieht nicht einmal das Neue Testament vor, denn die Hoffnung auf ein friedliches menschliches Zusammenleben auf der Erde, in der die Gerechtigkeit zur Tagesordnung gehört, ist an die Erwartung eines „neuen Himmels“ und an das Entstehen einer „neuen Erde“ geknüpft, also an die Erwartung der völligen Aufhebung der Lebensbedingungen irdisch-geschichtlicher Wirklichkeit am Ende aller Zeiten, wenn alles gerecht sein wird.

So auch die Zukunftsvorstellungen des Propheten Jesaja

Jesaja 2, 4

Er [gemeint ist Gott] wird Recht schaffen zwischen den Nationen / und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden / und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, / und sie erlernen nicht mehr den Krieg.

Jesaja 11,6

Der Wolf findet Schutz beim Lamm, / der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, / ein kleiner Junge leitet sie.

Solch ein Friedensreich kann nicht von dieser Welt sein. Um das zu erkennen, bedarf es nur eines kurzen Blickes in die Wirklichkeit von heute. Allein die Tatsache, dass die Herstellung einer verpflichtenden Friedensordnung zwischen den Völkern bis heute nicht gelungen ist, zeigt deutlicher als alles andere, dass wir auf dem Gebiet der Völkerrechtsbeziehungen, noch mehr als irgendwo sonst, mit der Tatsache der Existenz des Bösen und der damit verbundenen Dummheit rechnen müssen, die das Böses immer wieder zur Realität werden lässt, auch heute.

Mit anderen Worten: Immr noch gilt, dass jeder Staat nach Maßgabe seiner Macht darauf ausgerichtet ist, von den Gütern dieser Erde soviel wie möglich für sich zu nehmen und den anderen nur soviel zu lassen, als er von diesen entweder dazu gezwungen wird, oder als ihm im eigenen Interesse es notwendig erscheint, im das Notwendige zu geben.

Was könnte, im Hinblick auf diese Tatsachen wichtiger sein, als eine Friedensordnung zu schaffen, in der im Rahmen des menschlich Möglichen Gerechtigkeit erlebt werden kann.

Das aber würde voraussetzen, der internationalen Anarchie der Macht, wie sie sich in dem ständigen Wechsel von Kriegsvorbereitungen, Kriegsdrohungen und Krieg heute darstellt, unverrückbare Grenzen zu setzen.

Warum? Sowohl ein neuer Weltkrieg als auch ein möglicher totaler Krieg lassen heute Dimensionen zu, die unsere Vorstellungskraft überschreiten. Und auch wenn wir uns solch einen Krieg nicht vorstellen können, entsteht in unserem Bewusstsein dennoch eine zunehmende Dringlichkeit, eine „Friedensordnung“ schaffen zu wollen, denn jeder, der über die Möglichkeiten eines heute machbaren totalen Krieges nachzudenken beginnt, wird dabei zu dem Ergebnis kommen müssen, dass die Kriegsmittel von heute ausreichen, um die gesamte menschliche Zivilisation zu zerstören.

Das muss verhindert werden. Wenn uns das nicht gelingt, ist alle Kultur und mit ihr alle gerechte Ordnung nicht nur radikal in Frage gestellt, sondern obsolet geworden.

Wie dem auch immer sei: Es wäre phantastisch-utopisch, mit der Möglichkeit zu rechnen, dass die Völker und Staaten, die sich in ihren internationalen Beziehungen seit Jahrtausenden vornehmlich vom egoistischen Machtprinzip haben leiten lassen, nun, in Anbetracht des menschlich Möglichen, mit einem Male überzeugte Anhänger der Gerechtigkeit werden.

Es ist aber nicht phantastisch, an die Möglichkeit zu glauben, dass, angesichts der Schrecken des totalen Weltkrieges, die Völker und Staaten dazu bereit sind, um der Erhaltung des Friedens willen Opfer zu bringen, und zwar in dem Sinne, dass sie sich nicht einfach auf den „egoistischen Machstandpunkt“ stellen, sondern bei der Entscheidung über Fragen der Zuteilung von Land, von wirtschaftlichen Vorteilen, von Rohstoffen, seltenen Erden, Erdöl, Gas und anderen Rohstoffen, auch auf die Bedürfnisse und Rechte der anderen nicht nur Rücksicht nehmen, sondern auch entsprechend handeln.

Schlusssatz: Je weiter dieser Wille geht, je stärker er ist, desto eher kann eine dauerhafte Friedensordnung geschaffen werden. Je weniger aber dieser Wille vorhanden ist, desto unvermeidlicher wird der nächste totale Weltkrieg.

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