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Hegemoniale Phantasien eines Unilateralisten

Mittwoch, den 26. März 2026

Wer ist damit gemeint?

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, hat im Rahmen eines Interviews, das er mit Journalisten der New York Times führte, deutlich gemacht, dass für ihn Völkerrecht und globale Normen kaum eine Rolle spielen. „Ich brauche kein internationales Recht“, erklärte Trump. Nach mehrmaligem Nachhaken der Reporter relativierte er diese Haltung zwar dahingehend, dass auch die US-Regierung sich an internationales Recht halten müsse, fügte dann aber hinzu: „Es hängt davon ab, was ihre Definition von internationalem Recht ist.“ Trump sagte auch, „dass er sich nicht durch internationale Gesetze, Normen, Checks oder Gleichgewichte eingeschränkt fühlte“ und die „einzigen Grenzen seiner Fähigkeit, amerikanische Militärmacht zu nutzen“ seien, „meine eigene Moral und mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich aufhalten kann.“

Deutlicher lässt sich Unilateralismus am Beispiel wohl kaum erklären, denn hinter dieser Sprachfigur wird eine Außenpolitik verstanden, die nur eine Richtung kennt: einseitiges Handeln. America first.

Anders ausgedrückt: Eigeninteressen haben im Unilateralismus im Vordergrund politischer Entscheidungen zu stehen. Sogar internationale Bündnisse vermögen daran nichts zu ändern, denn Unilateralismus lässt es nicht zu, die eigene Handlungsfreiheit einzuschränken, nur um die Interessen anderer Staaten zu wahren. Die eigene Souveränität hat immer Vorrang, denn Unilateralismus bedeutet, dass der Staat über sich selbst bestimmt, ohne Rücksicht auf andere.

Und was die hegemonialen Vorstellungen der US-Außenpolitik anbelangt, prägt der Wunsch nach Vorherrschaft das amerikanische Selbstverständnis nicht erst seit dem 2. Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump. Bereits nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ging es darum, zu beweisen, dass der Kommunismus nicht dazu in der Lage sei, den amerikanischen Way of Life Paroli bieten zu können und als dann am Ende eines 30 Jahre währenden Kalten Krieges 1991 die UdSSR aufhörte zu existieren, schien sozusagen das Ende der Geschichte erreicht zu sein, womit nicht das Ende der Zeit gemeint war, sondern der nunmehr nicht mehr aufzuhaltende Siegeszug der Demokratie, denn die hatte sich ja schließlich durchgesetzt. Diese Sicht der Dinge entsprach aber wohl nicht der Wirklichkeit, denn nicht nur die Demokratie als solche geriet in die Krise, auch das Wiedererstarken von Machtinteressen in Russland und anderswo auf der Welt führten zu Spannungen, die im Nahen Osten zu einer Vielzahl von Kriegen führten, um dann im Februar 2022 in dem Ukraine-Krieg zu münden, der dann sozusagen exakt vier Jahre später, am 28. Februar 2026 vom Iran-Krieg überlagert wurde.

Wie dem auch immer sei: Im Iran-Krieg wird sich wohl entscheiden, was von der Hegemonialmacht USA übrig bleiben wird, denn sowohl der Ukraine- als auch der Iran-Krieg haben schon jetzt der Hegemonialmacht USA großen Schaden zugefügt, der noch um den Schaden zu ergänzen ist, den die USA im Irak, in Afghanistan, in Syrien, im Libanon und auch anderswo erlitten haben.

Zurzeit hat der Iran-Krieg die Welt sozusagen in Schockstarre versetzt, denn dieser Krieg, den US-Präsident Donald Trump in 72 Stunden gewinnen wollte, dauert nunmehr schon 26 Tage, in dem nicht nur Menschenleben, sondern auch Sachwerte von unvorstellbar großem Ausmaß vernichtet wurden und ein Ende dieses Krieges immer noch nicht abzusehen ist.

Vielmehr zeichnet sich – bedingt durch die Kontrolle der Straße von Hormus durch den Iran – eine Energiekrise ab, die das Potential hat, die gesamte Weltwirtschaft ins Wanken zu bringen.

Wie dem auch immer sei: Durch die Straße von Hormus lässt der Iran nur Schiffe fahren, die keine Beziehungen zu den Konfliktparteien USA und Israel unterhalten, und das auch nur dann, wenn die Staaten dazu bereit sind, das transportierte Öl mit Yuan zu bezahlen. Das bedeutet eine Abkehr vom Petro-Dollar. Und das wiederum berührt auf eine ganz besonders schwerwiegende Art und Weise die Hegemonialinteressen der USA.

Warum?

KI: Petrodollar sind US-Dollar-Einnahmen, die erdölexportierende Länder durch den Verkauf von Öl erzielen, da dieses international überwiegend in USD abgerechnet wird. Das System entstand in den 1970ern, als sich die USA und Saudi-Arabien einigten, Öl nur in Dollar zu handeln, was den USD als Weltreservewährung stärkte und die USA durch den Kauf von Staatsanleihen (Petrodollar-Recycling) finanzierte.

Sollte es dem Iran gelingen, durchsetzen zu können, dass die Straße von Hormus nur Schiffe verlassen können, die ihr transportiertes Öl mit Yuan bezahlen, dann wäre der damit verbundene Schaden für die wirtschaftlichen Interessen der USA wahrscheinlich viel höher, als der bereits bisher eingetretene Schaden, der ja nicht nur aus zerstörten Militärniederlassungen in den Golfstaaten besteht, sondern auch die Verlässlichkeit der USA als ernstzunehmende Vertragspartner sozusagen in ihren Grundfesten erschüttert hat. Und wenn der Petrodollar wirklich durch den Yuan ersetzt werden sollte, dann wäre es um die Hegemonialphantasien des US-Präsidenten Donald Trump wohl geschehen.

Seine zunehmende Wut darüber veranlasst Trump wohl dazu, eine Sprache zu benutzen, die Iraner als „böse“ und „mörderische Baby-Tötungs“ und als Untermenschen beschreibt. Diese Sprache dürfte darauf ausgerichtet sein, den Zusammenstoß zwischen der USA und dem Iran so weit zu polarisieren, dass sogar der Einsatz von Bodentruppen nicht mehr ausgeschlossen wird, wovon Experten unter Verweis auf die Schlacht um die Halbinsel Gelibolu, früher Gallipoli. Die zur Türkei gehörende Halbinsel trennt das Marmarameer und die Dardanellen. Im Ersten Weltkrieg kam es im Februar 1915 zur Schlacht von Gallipoli. Die Invasion der Entente-Mächte gegen das Osmanische Reich scheiterte. Die Schlacht forderte auf beiden Seiten insgesamt 100.000 Tote und 250.000 Verwundete. Das britische Empire scheiterte bei seinem Versuch, die Halbinsel zu erobern.

Karte von Gallipoli

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