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Was heute von Nöten ist

Montag, den 9. März 2026

Wir müssen akzeptieren, dass alle sozialen Verhältnisse in Machtverhältnisse eingelassen sind, beginnend in den Familien bis hin zu den Machtverhältnissen in den Staaten, ergänzt durch die Machtverhältnisse, die sich aus der jeweiligen Kultur, der Zivilisation und natürlich auch aus den Religionen und den Ideologien ergeben.
Wir müssen auch akzeptieren, dass Befehl und Gehorsam genauso wie Repression und Gewalt zum Leben gehören und es nur darauf ankommen kann, diese Machtverhältnisse einzugrenzen, um Exzesse verhindern zu können, was zurzeit weder in Gaza noch in der Ukraine und natürlich auch nicht im Iran gelingt.

Anders ausgedrückt: Das Leben ist keine harmonische Veranstaltung. Diese Aussage ist wahr, denn sie kennzeichnet das menschliche Leben vom Anbeginn der Geschichte bis heute und wird - dazu bedarf es keiner prophetischen Gaben - auch in der Zukunft das Leben der Menschen auf der Erde bestimmen.

Es wird folglich immer wieder zu Streitigkeiten kommen, im Kleinen genauso wie im Großen.

Und dann?

Was ist, wenn ein Land grundlos (ohne einen konkret gefährlichen Anlass) bombardiert wird?

Bedauerlicherweise gibt es diesbezüglich niemanden, der solche Konflikte unparteiisch lösen kann, denn denen, die es hassen, angegriffen, herumkommandiert und schikaniert zu werden, steht immer wieder jemand entgegen, dem genau das gefällt und der seine gesamte Macht dafür einsetzt, das Freund-Feind-Modell so zu gestalten, dass immer der andere der Böse ist und von ihm nur eines erwartet wird, sich bedingungslos zu unterwerfen, denn das ist der Anspruch des Guten, soweit es den Krieg im Iran betrifft, den USA auf Weisung ihres Präsidenten führt und gewinnen will.

Nicht nur in den USA wirft dieser Krieg Fragen auf, die den Kern demokratischen Grundverständnisses betreffen, denn nicht das Volk bzw. der Kongress hat über diesen Angriffskrieg entschieden, sondern der Präsident.

Wie dem auch immer sei: Schon vor 120 Jahren hat Hans Kelse (1881 - 1973) geschrieben, dass man den Wert der Demokratie erst dann richtig erkennen kann, wenn man ihn in das Licht der Diktatur hält.

Hans Kelsen: Gerade gegenüber der Diktatur enthüllt die Demokratie ihr tiefstes Wesen, zeigt sie ihren höchsten Wert. Weil sie den politischen Willen jedermanns gleich einschätzt, muss sie auch jeden politischen Glauben, jede politische Meinung, deren Ausdruck ja nur der politische Wille ist, gleichermaßen achten. Auch die gegenteilige Meinung muss man für möglich halten, wenn man auf die Erkenntnis eines absoluten Wertes verzichtet. Der Relativismus ist daher die Weltanschauung, die der demokratische Gedanke voraussetzt. Darum gibt er jeder politischen Überzeugung die gleiche Möglichkeit, sich zu äußern und im freien Wettbewerb um die Gemüter der Menschen sich geltend zu machen. Die für die Demokratie so charakteristische Herrschaft der Majorität unterscheidet sich von jeder anderen Herrschaft dadurch, dass sie eine Opposition - die Minorität - ihrem innersten Wesen nach nicht nur begrifflich voraussetzt, sondern auch politisch anerkennt und in den Grund- und Freiheitsrechten, im Prinzip der Proportionalität schützt.

Hans Kelsen. Vom Wesen und Wert der Demokratie. Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1920, Seite 37

Ein Präsident, der weder die Majorität noch die Minorität, die ja beide im Kongress versammelt sind, befragt, wenn es um die existenzielle Frage von „Krieg oder Frieden“ geht, sonder gegen den Willen der Mehrheit einen Krieg anordnet, der hat das Wesen der Demokratie nicht verstanden. 

Wie dem auch immer sei: Sogar der US-Historiker Robert Kagan wird im Spiegel wie folgt zitiert: »Wir erleben jetzt, wie sich ein ganzes Land fast widerstandslos in eine Diktatur verwandelt.«

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