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Vertrauen

Mittwoch, den 4. März 2026

In der politischen Wirklichkeit von heute gibt es nicht viel, auf das sich Menschen verlassen können, weder in Deutschland, noch in Europa und natürlich auch nicht in den USA, so zumindest lassen sich auch die Umfrageergebnisse zusammenfassen, die eines zum Ausdruck bringen:

Die politischen Eliten und auch die anderen Eliten haben das Vertrauen, das die Bevölkerung ihnen entgegengebracht hat, verspielt.

Noch bleibt abzuwarten, wie die Bevölkerung mit dieser Einsicht umgehen wird. Aus Sicht der Eliten wäre es, sozusagen zum Schutz ihrer Interessen wünschenswert, wenn das Gelassenheitsgebet von Reinhold Niebuhr wieder zu einem sich täglich mehrfach zu wiederholenden Ritual werden könnte. Dieses Gebet beginnt mit den folgenden Zeilen:

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Der US-amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr (1892–1971), der dieses Gebet wahrscheinlich während des Zweiten Weltkrieges niederschrieb und das im Anschluss daran eine weite Verbreitung fand, dürfte heute wieder genauso aktuell sein, wie vor gut 80 Jahren, denn nach dem so genannten „Enthauptungs-Angriff“ vom 28. Februar 2026 im Iran befinden wir uns wieder in einem neuen katastrophalen Nahostkrieg, in dem es einem wirklich schwerfällt, gelassen zu bleiben.

Wie dem auch immer sei: Dieser Angriff basierte auf der Erwartungshaltung der dafür verantwortlichen politischen Führer, darauf vertrauen zu können, dass auch dieses Mal ein kurzer und schneller Bombenangriff dafür sorgen wird, die gesamte politische Elite des Iran sozusagen auszulöschen, um im Anschluss daran einen Regimewechsel herbeiführen zu können, am besten durch die Bevölkerung selbst, die ja lange genug unter dem Mullah-Regime gelitten hat.

In einem Artikel von Ron Paul heißt es diesbezüglich:

Ron Paul: Es sollte wie die Operation in Venezuela sein. Schnell und schmerzfrei für die USA. Töten Sie die Führung und die leidgeprüften Menschen würden auf die Straße gehen und ihr Land zurückgewinnen.

Und das während laufender diplomatischer Verhandlungen, in denen der Iran dazu bereit war, auf die Herstellung von Atombomben zu verzichten. Die damit verbundenen negativen Folgen beschreibt Ron Paul wie folgt:

Ron Paul: Der Beginn eines Militärschlags während der Verhandlungen wird nachhaltige negative Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten haben, denn wer wird jemals wieder der US-Diplomatie vertrauen, wenn Gespräche als Ablenkung für bereits vorgeplante Angriffe genutzt werden?

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Und in einem Artikel von Ron Unz, der ebenfalls am 3. März auf der Website Lewrockwell.com veröffentlicht wurde, heißt es, Chas Freeman zitierend, bei dem es sich um einen der angesehendsten US-Diplomaten handelt, der auch schon das Amt des stellvertretenden Verteiditungsministers ausübte, wie folgt:

Ron Unz: In einem Interview nach dem Angriff warnte er [gemeint ist Chas Freeman], dass unsere Regierung die ganze Welt zu einem völligen Zustand der Gesetzlosigkeit gemacht habe, mit schicksalhaften Konsequenzen für alle Nationen, sicherlich auch für unsere eigene.

Freeman trug, mit erkennbar großer Trauer in seiner Stimme vor, dass wir das Verschwinden unserer amerikanischen Republik und ihres jahrhundertealten verfassungsmäßigen Regierungssystems zurzeit erleben würden.

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Und auch John F. Kennedy, Sohn des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy, positionierte sich zu den Ereignissen im Iran wie folgt:

John F. Kennedy: Trump und Rubio glauben, dass ihr Gangsterismus die amerikanische Position in der Welt stärken wird, aber alles, was sie tun, ist, das System, in dem sie arbeiten, zu delegitimieren. Man kann keine Neue Welt betreten, in der die Alte Welt noch das Sagen hat [...].

Amerikanische Führer sollten vorsichtig sein; wenn sie sich wie Gangster verhalten wollen, werden sie auch wie Gangster behandelt und können auch  wie Gangster enden.

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Wie dem auch immer sei: Es ist Krieg im Nahen Osten und was dessen Verlauf und dessen Motive anbelangt, wird überall wo das nur möglich ist, gelogen.

Eines aber dürfte der Wirklichkeit ziemlich nahekommen, nämlich die Vermutung, dass niemand außerhalb des inneren Kreises der Entscheider wirklich etwas weiß. Nicht einmal das Wissen des inneren Kreises dürfte ausreichen, sich vorzustellen, wie sich die Zukunft tatsächlich entwickeln wird.

Aus diesem Grunde legt jede kriegstreibende Partei einen Schwerpunkt ihrer Öffentlichkeitsarbeit ja auch auf das Wahrnehmungsmanagement, das, wie eine Werbekampagne, uns dazu bringen soll, allein an die Geschichte des Krieges zu glauben, die der Sicht der Verantwortlichen entspricht.

Warum ist das so?

Ganz einfach: Nur wenige der Kriegsverantwortlichen dürften ein qualitativ hochwertiges Verständnis über die intellektuellen Fähigkeiten ihres Feindes haben. Diesbezüglich kann sogar davon ausgegangen werden, dass die Kenntnisse der Iraner denen der Amerikaner weit überlegen sein dürfte, denn die Iraner wissen, dass ihre Gegner nicht vertrauenswürdig sind.

Und was das Vertrauen in die eigene Kriegsführung anbelangt, gilt auch hier, dass alles, was erfolgreich abgeschlossen werden soll, auch misslingen kann.

In einem Artikel, der am 1. März 2026 auf dem konservativen Portal „American Thinker“ erschien, schreibt Clarice Feldmann, eine amerikanische Schriftstellerin, unter der Überschrift: „Iran: Skalpell und Hammer“, Folgendes:

Clarice Feldmann: Sie bombardierten nicht den Iran. Sie warteten darauf, dass sich die gesamte iranische Führung im selben Raum versammelt hatte. [...]. Tausende von Stunden Überwachung und Signalauswertung wurden genutzt, um in dem Moment zuzuschlagen, in dem der Oberste Führer, der Präsident und das hochrangige Militärkommando im selben Raum zusammensaßen. Dieser Moment war heute Morgen 8:15 Uhr. Tageslicht. Jeder vorherige israelische Angriff auf den Iran kam in der Nacht. Juni 2025 in Dunkelheit gestartet. Oktober 2024 nach Mitternacht. Die gesamte Luftverteidigungsdoktrin des Iran basiert auf der Annahme, dass Israel im Dunkeln angreift. Israel griff am helllichten Tag an, weil das Ziel keine Infrastruktur war. Das Ziel war ein Treffen.

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Auch vertraute man auf Seiten der Angreifer darauf, dass nach dem Enthauptungsschlag die Bevölkerung zu ihrer Befreiung sozusagen den Rest erledigen würde.

Das war eine Fehleinschätzung.

Millionen gingen auf die Straße, um ihre Solidarität mit den Mullahs, mit der Religion des Islam, zum Ausdruck zu bringen.

Ein Sprichwort besagt: Wer die Gefahr sucht, kommt auch darin um.

Übertragen auf das Selbstvertrauen einer Großmacht, einen Krieg binnen kurzer Zeit gewinnen zu können, wird aller Voraussicht dieser Wunsch, als Sieger den Platz verlassen zu können, wohl nicht in Erfüllung gehen.

Und was bedeutet das für das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die von ihr gewählten Repräsentanten, denen sie am Wahltag solch eine Macht übertragen hat, weil sie darauf vertrauten, dass Amerika keinen neuen Krieg beginnen würde?

Die sollten verstanden haben, dass es nach der Wahl nicht mehr darauf ankommt, was die Mehrheit wirklich will, sondern nur darauf ankommt, ob das, was die Bevölkerung will, sich mit den Vorstellungen derjenigen deckt, die vorgeben, ausschließlich im Interesse der Allgemeinheit zu handeln.

Und wenn solch eine Übereinkunft nicht besteht, dann behandelt die Macht ihre Wählerinnen und Wähler wie Untertanen, die das zu dulden haben, was von oben angeordnet wird.

Bezogen auf die Zustimmung zum Krieg im Iran heißt das, dass gegen den Willen der Mehrheit dieser Krieg geführt wird.

Telepolis.de vom 3.3.2026: Laut einer aktuellen Umfrage des Nachrichtensenders CNN lehnen 59 Prozent der Befragten die Entscheidung zum Militäreinsatz im Iran ab, nur 41 Prozent stimmen ihr zu. Eine parallele Erhebung der Washington Post kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: 52 Prozent sind gegen die Angriffe, 39 Prozent dafür.

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Nur zur Erinnerung: Vertrauen bedeutet, sich auf eine Person, eine Sache oder eine Situation im Glauben darauf verlassen zu können, dass alles gut oder richtig ausgeht, das Zusagen eingehalten und Versprechen eingelöst werden.

Das aber setzt Folgendes voraus:

  • Ehrlichkeit

  • Verlässlichkeit

  • Transparenz

  • Positive gemeinsame Erfahrungen.

Das aber sind Eigenschaften, um die verantwortliche Politiker am Liebsten einen großen Bogen machen, denn sie wissen, dass Vertrauen verloren gehen kann, denn Vertrauen ist leicht zu zerstören, im Gegensatz dazu aber nur schwer wieder aufzubauen.

Vertrauen ist wie ein Blatt Papier. Ist es einmal zerknittert, wird es nie wieder perfekt glatt.
Unbekannt

Und was das Vertrauen in die politischen Eliten von heute anbelangt, hat das "zerknittertes Blatt Papier bereits Feuer gefangen".

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