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Die faschistischen Methoden von heute

Wahre Worte sind nicht schön,
schöne Worte sind nicht wahr.

Laotse
Tao Te King

Der neue Faschismus wird das sein, was zu sein man ihm zu sein vorgeben wird. Vielleicht - aufbauend auf den Erinnerungen an den alten Faschismus – aufgehübscht im Kleid einer neuen ökonomischen und sozialen Konstellation. Ihn als den Faschismus zu verstehen, wie ihn Adorno und Horkheimer wahrnahmen, dazu fehlen zurzeit noch die Anzeichen einer dafür erforderlichen regressiven Reaktion auf Krisen. Das, was den Faschismus von heute ausmachen könnte, dass lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die gezielte Bekämpfung von Andersdenkenden

  • Die Einschränkung der Meinungsfreiheit

  • Selbstlegitimation durch das Erfinden von Feinden

  • Bevorzugung von Minderheiten

  • Schuldzuweisung an den alten weißen Mann

  • Absoluter Wahrheitsanspruch für die eigene Ideologie.

Mit anderen Worten: Die Gefahren der faschistischen Politik wurzeln – nach der hier vertretenen Auffassung – immer noch in der spezifischen Art und Weise, in der sie Teile der Bevölkerung entmenschlicht und andere erhöht. Während es sich bei den „Gutmenschen“ um die wahren Demokraten handelt, handelt es sich bei den Andersdenkenden – erst recht, wenn es sich dabei um Anhänger der AfD handelt – um Verfassungsfeinde, die es zu bekämpfen gilt.

Das bezeichnendste Symptom faschistischer Politik dürfte in diesem Zusammenhang gesehen die gesellschaftliche Spaltung sein, die darauf abziehlt, die Bevölkerung in ein „Wir“ und in ein „Sie“ zu trennen. Diese Spaltung, die darin besteht, dem „Wir“ eine Politik von Recht und Ordnung zu verleihen, während dem „Sie“, also den Andersdenkenden, im Gegensatz dazu, nicht nur die Legitimität, sondern schlicht das Darseinsrecht abzusprechen versucht.

Zwar sieht der Faschismus heute nicht mehr ganz so aus wie noch in den 1930er Jahren, aber erneut sind wieder überall "Vertriebene bzw. Ausgegrenzte" zu sehen, gemeint sind die, die hinter einer Brandmauer zumindest so lange noch geduldet werden, bis daraus "Lagerhaft" entstanden ist.

Den Faschismus von heute in der Vergangenheit zu suchen, fällt schwer, denn allein schon die Worte Volk, Nation, kulturelle Reinheit, verbunden mit der Verherrlichung der Vergangenheit, gelten als rechts, besser gesagt als faschistisch. Auf jeden Fall wirken diese faschistischen Schlüsselwörter so antiquiert, das sie heute niemand mehr zurückholen will, von einigen Extremisten abgesehen.

Deshalb scheint es angemessener zu sein, das Wort Faschismus heute als einen Versuch zu verstehen, die Gegenwart umzugestalten, indem man den einen vorwirft, Faschisten zu sein, dabei aber übersieht, dass sich die guten Demokraten bei ihren Bemühungen Andersdenkende zu diskriminieren, selbst faschistischer Methoden bedienen, es dann aber antifaschistisch nennen.

Wie war das doch noch vor gar nicht allzulanger Zeit?

Im Faschismus ist der Führer der Nation mit der Vaterfigur in der traditionellen patriarchalen Familie vergleichbar .

Im Faschismus sorgt der Führer für sein Volk, so wie der Vater seine Frau und seine Kinder ernährt.

Anders ausgedrückt: In beiden Fällen leitet sich die Autorität aus Stärke ab. Frausein heißt im Faschismus Muttersein, während von der Politik erwartet wird, dass sie sich an konservativen christlichen Werten orientiert, Homoxexualität verabscheut und antidemokratische Züge aufweist.

Ach ja: In der faschistischen Politik ist die patriarchale Familie in eine größere Erzählung über nationale Traditionen eingebettet. Auch kann man sich die faschistische Politik als eine Politik der Hierarchie vorstellen, in der das Völkische den höchsten Stellenwert einnimmt, womit die einen ein homogenes Volk und die anderen ein möglichst buntes Volk meinen, dem es an der Fähigkeit fehlt, sich als ein Staatsvolk zu verstehen.

Und was die Vergangenheit im neuen Faschismus anbelangt?

Auch heute wird daran gearbeitet, die geschichtliche Wahrheit zu verdrängen. Zwar ist man stolz darauf, dass es in Deutschland gelungen ist, die Gräuel der Vergangenheit aufzuarbeiten, dafür aber wird dann in Kauf genommen, dass es davor nichts Erwähnenswertes gegeben hat, denn der neue Faschismus ist divers: anders, bunt, vielfältig, jenseits von Rasse und einem überholten Menschenbild, das so einfältig gewesen ist, die Menschen als Männer und Frauen zu definieren.

Kurzum: Der Faschismus von heute glänzt in seiner Fähigkeit des Ausblendens unterstellter Lügen.

Der linke Faschismus von heute ist eher zukunftsorientiert, denn sein Ziel ist es, die Welt vor den Unbillen eines Klimas zu retten, das menschheitsbedrohend zu werden verspricht. Auch wenn das heute zunehmend hinterfragt wird, ist es Aufgabe der Propaganda, die am Wahrheitsgehalt des globalen Klimawandels festhält, offenkundig unangenehme Ansichten von Politikern oder die von politischen Bewegungen zu verteufeln, die dem Klimawandel skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen.

Sobald faschistische Bewegungen in liberal-demokratischen Staaten aufkommen, sollte man sich daran erinnern, dass es bereits in der Vergangenheit zu den Gewohnheiten des Faschismus gehörte, bestimmte akademische Disziplinen anzugreifen. So stehen zum Beispiel die Gender Studies weltweit seitens rechtsextremer Nationalisten unter Beschuss, während auf der anderen Seite Professoren für Positionen ausgebuht werden, die diesen Studies kritisch gegenüberstehen.

Wie dem auch immer sei: Wann immer der Faschismus an Universitäten sichtbar wird, denunzieren seine Vertreter und Förderer Universitäten und Schulen als Quellen der Unwahrheit, die es durch die richtige Ideologie zu ersetzen gilt.

Während der so genannten rechten faschistischen Ideologie vorgeworfen wird, das Ziel der Bildung an den Schulen und Universitäten nur darin zu sehen, erneut den Stolz auf die mythische Vergangenheit zu wecken, wendet die so genannte linke faschistische Ideologie die gleiche Methode mit anderen Inhalten an.

Ihre Botschaft heißt: Die Erinnerung an den alten weißen Mann muss ausgemerzt werden, weil sie verbrecherisch falsch war und das auch immer noch ist und sich auch in Zukunft daran nichts ändern wird. Das, was benötigt wird, das ist eine diverse Welt, die am besten ohne hierarchische Normen auskommen sollte.

Anders ausgedrückt: Sowohl der Faschismus von links als auch der von rechts versucht, die Sprache der Politik so zu degradieren und zu entwerten, dass dadurch die Realität verschleiert werden kann. Insoweit vermag es nicht zu verwundern, dass Politiker, die sich faschistischer Methoden bedienen, über spezielle Techniken verfügen, um Informationsräume zu zerstören und die Realität aufzulösen, um sie durch Illusionen ersetzen zu können, die von Natur aus alternativlos sind.

Eine beliebte Methode des von links kommenden Faschismus ist die gebetsmühlenhaft wiederholte Warnung von den Verschwörungstheorien von rechts, deren Zielpersonen deshalb angegriffen, verleumdet und am besten zu unberührbaren Personen erklärt werden, weil sie einfach nicht an die von links kommenden Wahrheiten glauben wollen. Trotz allen Bemühungen gelingt es diesen Politikern jedoch nicht, das Publikum von ihrer Wahrheit zu überzeugen. Grund dafür ist, dass in den vergangenen Jahren zu viel an Vertrauen in die Politik verloren gegangen ist.

Halten wir fest: Das selbstgemachte Glaubensbekenntnis auf beiden Seiten ist der Wesenskern des Faschismus, denn dieser Faschismus erschafft ein gefährliches „Sie“ vor dem sich Rechtgläubige in Acht nehmen müssen und gegen die man zuweilen kämpfen muss, um dem eigenen Glauben zum Maßstab aller Dinge machen zu können, obwohl zeitgleich versichert wird, dass sich ein intakter demokratischer Staat dadurch auszeichnet, alle Bürger gleich und gerecht zu behandeln, was gegenseitigen Respekt zwischen allen Menschen voraussetzt, mit Ausnahme derjenigen, die sich hinter der Brandmauer befinden.

Recht und Ordnung zielt heute – für jedermann erkennbar – darauf ab, die Bevölkerung in zwei Klassen zu unterteilen: in diejenigen, die zum auserwählten „Wir“ gehören und deshalb als die Besseren anzusehen sind und in diejenigen, die diesem „Wir“ nicht zugehören und deshalb von Natur aus gesetzlos sind, gemeint sind die hinter der Brandmauer - die ewig Gestrigen, die Dummen .

Und damit das so bleibt, ist es das Ziel faschistischer Propaganda, die Furcht vor der Durchmischung und Vermengung von „Wir“ und „Sie“ zu verhindern.

Die faschistischen Methoden, sowohl die von rechts als auch die von links, lehnen Pluralismus und Toleranz ab, denn diese Glaubensgemeinschaften nehmen für sich in Anspruch, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein.

Mit Demokratie hat das eher wenig zu tun, denn um Bürger in einer Demokratie zu sein ist ein gewisses Maß an Empathie, Verständnis und Wohlwollen gegenüber Andersdenkenden nicht nur einzufordern, sondern auf allen Ebenen erlebbar zu machen.

Kurzum: Respekt vor dem politischen Gegenüber ist in einer Demokratie unverzichtbar.

Wie lässt sich der Missstand von heute ändern?

Vielleicht durch die Vorstellung des Wandels der Demokratie von heute in eine responsorische Republik.

In solch einer „Responsorischen Republik“ dürfte es eher möglich sein, zum gegenseitigen Respekt zurückzukehren, denn die responsorische Republik würde nicht auf permanenter Massenerregung, Parteienkartellen und digital manipulierbaren Mehrheiten beruhen, sondern auf Verantwortung, Subsidiarität, Eigentum, Wahrhaftigkeit, Gemeinwohlbindung und technologischer Begrenzung.

Solch eine Republik läge auch nicht außerhalb der demokratischen Idee, aber deutlich jenseits des heutigen Parteien- und Massendemokratie, denn eine responsorische Republik würde es ablehnen, den Staat als Erzieher bzw. als eine Heilsanstalt zu verstehen, die jeden einzelnen möglichst schon im zarten Kitaalter dahingehend indoktriniert, an die Demokratie zu glauben, die gelehrt und für alternativlos gehalten wird.

Eine responsorische Demokratie würde sich auf ihre Kernaufgaben beschränken, als da sind:

Schutz des Lebens, Schutz der Freiheit, Schutz des Eigentums, Schutz der Familie, Schutz der geistigen und religiösen Freiheit, Schutz vor technokratischer Übergriffigkeit, Schutz vor innerer und äußerer Gewalt.

Natürlich lässt sich eine responsive Demokratie auch an der Wortbedeutung des Stammwortes „Responsorium“ erklären, denn bei einem Responsorium handelt es sich um einen kirchlichen Wechselgesang zwischen Vorsänger und Gemeinde.

Das bedeutet: Es gibt einen Vorsänger, einen Beter, der das ganze Responsorium rezitiert, während das Volk die dazu passenden Reime beiträgt, die das bestätigen und verstärken, was aus dem Munde des Vorsängers gekommen ist.

Vorsänger:

Wir sind das auserwählte Volk und im Besitz der Wahrheit.

Gemeinde:

Ja, wir glauben daran.

Und wenn man ehrlich ist und ernsthaft nach dem Ursprung des Faschismus sucht, dann wird man wohl kaum an der Tatsache vorbeikommen, dass es sowohl eines Volkes als auch eines Vorbeters bedarf, um den wirklichen Quell des Faschismus beim Namen zu nennen.

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