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Demokratieende oder
Demokratiewende?
Inhaltsübersicht:
01 Macht
und Machtmissbrauch in der Demokratie 02
Epstein ist mehr als ein Stolperstein 03
Epstein ist zwar tot – dennoch lebt sein Erbe 04
Der Glaube an die Demokratie 05
Der widerliche Geruch der Esptein-Files 06
Moralischer Verfall des Westens 07
Was verborgen bleiben wird 08
Fiktion und Geschichte 09 Hoffnung auf eine
Demokratiewende 10 Die Bedeutung von
„Bedeutung“ des Wortes „Eliten“ 11
Demokratie statt Eliteversagen
01
Macht und Machtmissbrauch in der Demokratie
TOP
Dabei kann es sich nur
um die Macht der Mächtigen handeln, denn diese Macht regiert die
Welt. Ausgeübt wird diese Macht sowohl von den gewählten
Machteliten als auch von den Mächtigen aus der Wirtschaft, der
Wissenschaft und natürlich auch aus der Welt der Superreichen.
Das ist nicht nur
in den
USA so. In einem Artikel, der am 14. Februar 2026 auf
Lewrockwell.com veröffentlicht wurde, heißt es, die Verhältnisse
in den USA beschreibend, wie folgt:
Die Regierung vertritt
nur Milliardäre, und diese Menschen sind etwa 1.000 Menschen,
die nicht in den reichsten 0,01 der Bevölkerung sind, sondern in
den reichsten 0,00000292397 der Bevölkerung.
An anderer Stelle heißt
es:
Es
scheint, dass jedes Jahr die Zahl der Individuen in Amerikas
Deep
State
immer weniger, aber reicher und reicher wird.
Dieses zutiefst korrupte
System bricht jetzt zusammen.
https://www.lewrockwell.com/2026/02/no_author/the-american-system-is-now-collapsing/
Wie dem auch immer sei:
Spätestens seit der Veröffentlichung der Epstein-Files wissen
wir, dass der Machtmissbrauch der Eliten – und damit sind sowohl
die gewählten als auch die nichtgewählten Geldeliten gemeint,
sich anmaßt, die westliche Demokratien ihrem Vorstellungsbild
entsprechend einzurichten und andere Systeme instabil werden zu
lassen, damit Kriege wieder möglich werden. Das aber entspricht
nicht der „Demokratie-Idee“ denn dieser Idee liegt die
Vorstellung zugrunde, dass die Macht des Volkes durch Wahlen auf
Menschen übertragen wird, die im Namen des Volkes Entscheidungen
treffen, die dem Allgemeinwohl und nicht vorrangig den
Interessen einer winzigen Minderheit dienen sollen.
Die Wirklichkeit hingegen
scheint dieser Idee ein anderes Gesicht gegeben zu haben, denn
die Macht der Eliten – deren Machtmissbrauch einfach nicht mehr
übersehen werden kann und darf – hat durch die Veröffentlichung
der
Epstein-Fails
zumindest kurzfristig, eine Welle der Empörung ausgelöst, die
noch durch Korruption und Vetternwirtschaft zu ergänzen wäre, um
die Vorstellungen von Machtmissbrauch abrunden zu können.
Wie dem auch immer sei:
Zu wünschen und einzufordern ist, dass der nunmehr
bekanntgewordene Machtmissbrauch der Eliten, der nicht nur in
den USA, sondern auch in Europa sein Unwesen treibt, eine
Zeitenwende einfordert, die diesem Machtmissbrauch entschieden
entgegentritt. Die erste Frage, die in diesem Sachzusammenhang
zu stellen ist, hat folgenden Wortlaut:
Warum wollen Menschen
Macht gewinnen?
Bei der Beantwortung
dieser Frage sind grundlegend verschiedene Wege zu bedenken, von
denen aber, meiner Überzeugung nach, nur einer akzeptiert werden
kann. Zuerst der inakzeptable Weg.
Der inakzeptable Weg zur Macht:
Der besteht darin, Macht zu gewinnen, um andere beherrschen zu
wollen. Mit anderen Worten: Machtmenschen sind dazu bereit,
Mittel und Wege einzusetzen, die ausschließlich dem eigenen
Vorteil dienen. Diese Mittel reichen von der Gewaltanwendung hin
bis zur Manipulation durch Propaganda.
Die andere, akzeptable Antwort der Machtaneignung lautet:
Ich will Macht gewinnen, um meiner selbst mächtig zu werden, um
mich selber beherrschen zu können. Diese Motivation scheint mir
deshalb, auch im Hinblick auf das Allgemeinwohl unverzichtbar zu
sein, weil Selbsterziehung notwendig ist, um überhaupt Zugang zu
einem „Bewusstsein des Rechten“ erhalten zu können.
Diesen Lernprozess hat
Immanuel Kant in seiner Vorlesung über Ethik wie folgt zu
beschreiben versucht:
Immanuel Kant:
Wir haben einen heiligen
Regierer,
und das, was er den Menschen als heilig gegeben hat, ist das
Recht der Menschen.
Dieses
Recht zu erkennen und sich nach diesem Recht zu verhalten, das
allein verleiht Autorität, der zugestimmt werden kann.
Machtmissbrauch gehört nicht dazu. An anderer Stelle: Im § 88
des Anhangs zur Methodenlehre der teleologischen Ursachen heißt
es sinngemäß bei Kant:
Immanuel Kant:
Und was die Vernunft und das moralische Gewissen des Menschen
anbelangt, so müssen wir uns die Möglichkeit einer sich aus dem
moralischen Gesetz und der sich daraus ergebenden
objektbezogenen Zweckmäßigkeit, die Moral als einen Endzweck
vorstellen, der ohne einen Welturheber und
Regierer,
der zugleich moralischer Gesetzgeber ist, gar nicht vorstellbar
ist.
Kant,
Immanuel. Immanuel Kant: Gesammelte Werke: Andhofs große
Literaturbibliothek (S.2650-2651). Andhof. Kindle-Version.
Daraus
lässt sich ableiten, dass allein menschliches Wünschen und
Wollen zur Sicherung von Macht nur dann als legitim angesehen
werden kann, wenn dieses menschengemachte Recht den
Anforderungen des „heiligen Regierers“ entspricht, dessen
Anforderungen an geltendes Recht durchaus der menschlichen
Vernunft zugänglich ist.
Und wenn
wir uns jetzt unsere Welt ansehen, die einen Welturheber und
einen
Regierer
gar nicht mehr kennen, geschweige den akzeptieren will, weil
Gott ja schon längst tot ist, und die sich daraus ergebende
Leere mit unseren Erfahrungen im Hier und im Jetzt abgleichen, dann werden wir
Folgendes feststellen. Diese Welt – wozu auch die Demokratie von
heute in Deutschland gehört – zerbricht, weil Menschen zum
Machtmissbrauch und zur Überschreitung von Grenzen neigen und
weil in einer gottlosen Leere - anlässlich eines World Economic
Forums (WEF) in Davol im Januar 2026 wurde der Verlust der
"regelbasierten Ordnung" beklagt - scheinen dem so genannten Bösen
einfach keine Grenzen mehr gesetzt zu sein.
Das gilt
zumindest für die Eliten, die sich selbst außerhalb des
geltenden
Rechts stehend definieren.
Anders ausgedrückt:
Was fehlt, das ist der „Welturheber und Regierer“ im kantschen
Sinne, der die menschliche Vernunft mit einem Gewissen
ausgestattet hat, die es ihm erlaubt, sich an „moralische
Gesetze“ zu halten, die aber wohl nur für andere, nicht aber für
die Eliten gelten, die sich außerhalb von Gesetz und Moral
verorten und für sich in Anspruch nehmen, alles zu dürfen, was
ihren Vorstellungen entspricht.
Jean
Gebser:
In den letzten 150 Jahren ist sie [gemeint ist die auf Regeln
basierte Ordnung] langsam, aber unaufhaltsam zerbrochen: ihre
religiösen Bande, ihre alte gesicherte soziale Struktur, die
handwerkliche Geborgenheit des Menschen, die politische Struktur
der Nationen, ja sogar die der Kontinente. [...].
Und
warum zerbrach sie? Besser: Warum ist sie noch am Zerbrechen?
Weil wir zu lange an ihr [gemeint ist unser Vorstellungsbild von
der Welt, in der wir heute leben und an die wir uns gewöhnt
haben] festhielten, weil wir nicht fähig waren [und das wohl
auch immer noch nicht sind], sie aufzugeben,
sie umzugestalten, in dem Moment, da sie ihre Rolle erfüllt
hatte und wir für neue Aufgaben frei wurden (S. 168).
Jean
Gebser:
Vorlesungen und Reden zu „Ursprung und Gegenwart“ Novalis-Verlag
– 2. Auflage 1999
Auch wenn
Jean
Gebser
diese Zeilen vor gut 70 Jahren geschrieben hat, scheinen mir
diese Sätze durchaus zur Realität von heute zu passen, denn wir
haben einfach zu lange damit gewartet, die Kräfte zu
kontrollieren und in ihre Grenzen zu verweisen, die eine
Demokratie tatsächlich zu zerstören vermögen. Dazu gehört
insbesondere die Macht der Mächtigen.
Und wenn
wir uns nach Ursachen für diese Fortschrittsfalle umschauen,
gemeint ist das, was gut 75 Jahre Nachkriegsgeschichte auch in
Deutschland zu leisten vermochten, dann müssen wir uns zuerst
einmal bewusst machen, dass auch die erste moderne Demokratie,
die nach der Unabhängigkeitserklärung 1776 in den Vereinigten
Staaten von Amerika entstand, nicht vom gemeinen Volk, sondern
von den Besitzenden gegründet wurde.
Anders ausgedrückt:
Wählen und gewählt werden konnten damals nur die
Besitzenden, und auch die Verfassung der ersten Demokratie in
der Neuzeit wurde so verfasst, dass es sich beim Eigentum der
Besitzenden sozusagen um ein heiliges Recht handelte, so
zumindest die Formulierung in der „Erklärung der Menschen- und
Bürgerrechte vom 26. August 1789“.
ART.
17.
Da das
Eigentum ein unverletzliches und
heiliges Recht
ist, kann es niemandem genommen werden, wenn es nicht die
gesetzlich festgelegte, öffentliche Notwendigkeit
augenscheinlich erfordert und unter der Bedingung einer
gerechten und vorherigen Entschädigung.
Kein
anderes Menschenrecht wurde bisher als heilig bezeichnet.
Und auch
wenn es im Artikel 14 des Grundgesetzes heißt, dass Eigentum
verpflichtet und sein Gebrauch zugleich auch dem Wohle der
Allgemeinheit dienen
soll,
schließt das den Eigennutz, die Gier nach Eigentum, nach
Einfluss und nach Macht, die dem Geld zu folgen weiß, nicht aus,
denn das Sollen des Grundgesetzes ist kein Müssen.
Daraus lässt sich folgende Erkenntnis
ableiten:
Geld regiert auch in den Demokratien von heute die Welt. Und die
Eliten, die über sehr viel Geld verfügen, verfügen in solch
einem System automatisch auch über sehr viel Macht, die wiederum,
gemeint ist die Macht
– auch das ist eine geschichtlich gut belegte Tradition – sich
gut zum
Machtmissbrauch eignet.
Übrigens:
Wer die Ursache für die Kriege in der Neuzeit finden möchte, der
braucht nur der Spur des Geldes zu folgen, denn sowohl mit dem
Krieg als auch mit dem sich daran anschließenden Wiederaufbau des Zerstörten,
lässt sich sehr viel Geld verdienen.
02 Epstein ist mehr als ein Stolperstein
TOP
Epstein
hat nicht nur dafür gesorgt, dass minderjährige Mädchen und
Jungen von den so genannten Eliten missbraucht werden konnten.
Das hat es immer schon gegeben. Das von ihm gesponnene Netzwerk
der Reichen, Schönen und Mächtigen hat vielmehr dazu geführt,
politische Macht allumfassend lenken und beeinflussen zu können,
beginnend mit der Entwicklung technologischer Innovationen bis
hin in Entscheidungen, die die nationale Sicherheit betrafen und
wohl auch immer noch betreffen, denn das durch Epstein
geschaffene Netz von Abhängigkeiten wirkt wohl immer noch.
Anders ausgedrückt:
Es geht hier nicht nur um Sex und Drogen für die Eliten, sondern
vorrangig um Zugang zu einflussreichen Personen und sensiblen
Informationen.
Nun gut.
Die dunklen Geheimnisse der Eliten sind nunmehr zumindest in
Teilen – wenn auch geschwärzt – veröffentlicht worden.
Sichtbar geworden ist dabei aber doch, dass es sich bei dem
Netzwerk der Macht, das Epstein hat knüpfen können, es sich
durchaus auch um ein okkultes Netzwerk organisierter
Psychopathen handeln könnte.
Dennoch
ist mit Bestrafungen der daran beteiligten Personen wohl nicht
zu rechnen, weil die meisten Straftaten, bis auf Mord,
zwischenzeitlich verjährt sind und die Mächtigen wissen, wie sie
sich schützen können.
Was also ist zu tun?
Für den
US-Präsidenten Donald Trump ist die Sache klar. Es gibt
Wichtigeres zu entscheiden, als über die Vergangenheit
nachzudenken.
Und was
die Beschreibung der Wirklichkeit betrifft, lässt sich schon
heute vermuten, dass George Orwell immer noch mit dem
folgenden Satz Recht haben dürfte, der in dem Essay „Mein
Katalonien. Rückblick auf den Spanischen Krieg“ zu finden ist.
George Orwell:
Ich sah in der Tat, dass die Geschichte nicht in Bezug auf das,
was passierte, sondern in Bezug auf das, was nach verschiedenen
„Parteilinien“ hätte geschehen sollen, geschrieben wurde.
George
Orwell, Rückblick auf den
Spanischen
Krieg.
https://www.orwellfoundation.com/the-orwell-foundation/orwell/essays-and-other-works/looking-back-on-the-spanish-war/
Bei
diesem Zitat handelt es sich um einen zentralen Gedanken in
Orwells Werk, der diese seine Erkenntnisse über die Manipulation
von Wahrheit und Geschichte durch totalitäre Regime später in seinem Buch „1984“ mit dem Konzept
der „Umschreibung der Vergangenheit“ durch das
Wahrheitsministerium sozusagen perfektionieren konnte.
Auch
heute liegt es wieder im Interesse der Macht, dass Geschichte oder
Geschehenes so beschrieben werden, dass dies den eigenen Zielen
nutzt und den Zielen des politischen Gegners eher schadet.
Vielleicht dauert es ja auch nur ein paar Wochen, bis sich die
Wogen der Empörung wieder gelegt haben, und über die
Epstein-Files – vergleichbar mit den Erfahrungen, die George
Orwell im spanischen Bürgerkrieg machen konnte – entweder nicht
mehr oder nur noch verzerrt berichtet wird.
Georg Orwell:
Sehr viel ist schon über das Thema geschrieben worden, genug, um
viele Bücher zu füllen. Ich nehme an, dass ich nicht übertreibe,
wenn ich sage, dass neun Zehntel davon nicht wahr sind. Fast
alle Zeitungsberichte, die man damals veröffentlichte, wurden
fern vom Geschehen von Journalisten fabriziert. Sie waren nicht
nur im Hinblick auf die Tatsachen ungenau, sondern absichtlich
falsch. Wie gewöhnlich ließ man nur eine Seite der Frage in eine
breitere Öffentlichkeit gelangen.
An
anderer Stelle:
Georg Orwell:
Wenn man die Berichte in der kommunistischen Presse durchliest,
ist es unmöglich, an der Tatsache vorbeizugehen, dass sie
absichtlich für ein Publikum geschrieben wurden, das die
Tatsachen nicht kannte. Diese Berichte hatten also keinen
anderen Zweck, als Vorurteile zu erwecken.
Orwell,
George. Mein Katalonien: Bericht über den
Spanischen
Bürgerkrieg, Seite 189 und Seite 212. Diogenes Verlag AG.
Kindle-Version.
Abzuwarten
bleibt somit, wie die
Epstine-Files
zerredet, zerrissen, umgeformt bzw. umgedeutet, bestenfalls
sogar vergessen werden, was den Eliten wohl am besten in den
Kram passen würde.
Abzuwarten bleibt auch, ob es den (wahrscheinlich nur
kurzfristig) wachgerüttelten Durchschnittsmenschen, gemeint sind
die Wählerinnen und Wähler, wirklich dazu in der Lage sein
werden, eine beschädigte Demokratie wieder vom Kopf auf die
Beine zu stellen. George Orwell hat dazu eine wohl
wirklichkeitsgerechte Position eingenommen, wenn er schreibt:
George Orwell:
Was die Masse der Menschen angeht, sind die außergewöhnlichen
Meinungsschwankungen, die heutzutage auftreten, die Emotionen,
die wie ein Wasserhahn ein- und ausgeschaltet werden können, das
Ergebnis von Zeitungs- und Radiohypnose.
George Orwell: Rückblick auf den
Spanischen Krieg.
https://www.orwellfoundation.com/the-orwell-foundation/orwell/essays-and-other-works/looking-back-on-the-spanish-war/
Damals,
1942/43, als diese Zeilen geschrieben wurden, gab es noch kein
Internet und auch noch keine sozialen Medien. Was heute dort
abläuft, das kann auch emotional wirklich nicht mehr mit einem
aufgedrehten Wasserhahn, wohl aber als einen alles betäubenden
Wasserfall wider das Behalten und Erinnern bezeichnet werden.
Trotzdem:
Die Epstein-Files lassen zumindest heute noch keine andere
Einsicht zu als die, dass auch in einer Demokratie das Böse
existiert, der Eingang zum Hades sich bei Bedarf öffnen lässt
und das Bekanntwerden dieser Wahrheit zu der Erkenntnis zwingt,
dass das Schattenreich, das Reich der Finsternis, besser gesagt
das Reich einer elitären Unterwelt, wirklich existiert. Im
Neusprech von heute wir das als „The Deep State“ bezeichnet.
Aber die
Kabale ist noch viel größer als das, was wir in den
Epstein-Files sehen, denn sie erzeugt zurecht blankes Entsetzen.
Warum?
Im
Gegensatz zu Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ aus dem Jahr
1784, bei dem es sich um ein bürgerliches Trauerspiel handelt,
das die unmögliche Liebe zwischen dem adligen Ferdinand von
Walter und der bürgerlichen Luise Miller thematisiert, handelt
es sich bei der „Kabale der Demokratie“ von heute, um die
unmögliche Liebe zwischen der „Macht und der Demokratie“, die
sie – die Macht – nur dann zu akzeptieren vermag, wenn sie so
funktioniert, wie sich das die Mächtigen wünschen.
Allein
die Wortbedeutung von Macht als Kabale lässt vermuten, dass
Macht zum Machtmissbrauch neigt: durch die Erzeugung von
Arglist, Falschheit und Heimtücke und natürlich auch Infamie mit
einschließt, je mehr Machtzuwachs zu verzeichnen ist.
Anders ausgedrückt:
Je näher man sich der „Kabale der Macht“ nähert, umso deutlicher
wird ihr hinterhältiger Anschlag im hier zu erörternden
Sachzusammenhang auf das, was wir gewohnt sind, Demokratie
nennen.
Natürlich verfügt auch der Durchschnittsmensch über die
Fähigkeit zum Bösen. Aber die Mehrheit aller
Durchschnittsmenschen verfügt über einen Mechanismus namens
„Gewissen“, der die meisten Durchschnittsmenschen davon abhält,
das Böse bewusst und gewollt zu planen und zu begehen. Dieses
Gewissen führt auch dazu, dass wir Durchschnittsmenschen uns
schuldig fühlen, wenn uns bewusst wird, dass wir uns zutiefst
unmoralisch verhalten haben. Wäre das nicht so, dann wäre die
Spezies Mensch schon längst ausgestorben.
Zurück zu den Epstein-Files:
Sie sind deshalb wichtig, weil sie die Tür zu einem
globalistischen
Netzwerk geöffnet haben, das einer breiten Untersuchung bedarf.
Nicht nur in den USA, auch in Europa. Und auch wenn die
politischen Eliten in Europa das (zurzeit noch) nicht für
geboten halten – aus welchen Gründen auch immer – wird das die
Wahrheitssucher daran nicht hindern, die Winkelzüge der Macht
aufzudecken.
Und da die
bisher noch nicht bloßgestellten Eliten das auf jeden Fall
verhindern wollen, werden sie jede sich bietende Gelegenheit
nutzen, Wahrheitssuchende als Idioten bzw. als
Verschwörungstheoretiker, möglicherweise sogar als Hexenjäger zu
bezeichnen, ihre Informationen als
Fake News framen
und natürlich auch eine Vielzahl von bisher noch unbekannten
Feinden als die eigentlichen Urheber der Epstein-Files finden,
um von eigenem Versagen ablenken zu können.
Kurzum:
Es ist damit zu rechnen, dass es dem organisierten Widerstand
der Eliten nicht an Phantasie fehlen wird, die Suche nach
Wahrheit durch ein allgemeines Informationschaos nicht nur zu
erschweren, sondern unmöglich zu machen.
03 Epstein ist zwar tot – dennoch lebt sein
Erbe
TOP
Epstein
ist tot. Unklarheit besteht zwar immer noch darüber, wie er 2019
in einem Gefängnis zu Tode kam, aber tot scheint er zu sein,
obwohl man auch diesbezüglich nicht hundertprozentig sicher ist.
Wie dem auch immer sei:
Mögliche Komplizen werden wohl ein erhebliches Interesse daran
haben, das dies geheim bleiben wird, denn das vereinfacht die
Sache, ihn als ein pervertiertes Genie und auch als die
Inkarnation des Bösen darzustellen, was im Umkehrschluss die
Aussage zulässt, dass alle anderen Opfer gewesen sein müssen.
Präsident
Trump hat die amerikanische Öffentlichkeit bereits wissen
lassen, dass die Amerikaner die Epstein-Affäre hinter sich
lassen sollten, weil es wichtigere Dinge gibt, die zu bedenken
sind. Diesen Gefallen werden ihm aber wohl weder die Opposition
der Demokraten tun und sogar Trumps eigene
MAGA-Bewegung
wird sich dadurch wohl kaum beruhigen lassen, denn auch dort nimmt die Wut
zu, denn auch die
MAGA-Bewegung
will es nicht zulassen, dass für die Mächtigen, Reichen und
Schönen andere Regeln gelten als für das gemeine Volk.
Diese
Wut hat schon dafür gesorgt, dass das System Biden abgewählt
wurde. Und wenn das System Trump sich sozusagen zu einer
Steigerungsform entwickelt, dann könnte es sein, dass in den USA
die "Hütte bereits zu brennen begonnen hat".
04 Der Glaube an die Demokratie
TOP
Der
Demokratie-Idee liegt der Glaube zugrunde, dass es möglich ist,
eine Regierung zu wählen, die dem Volk und nur dem Volk dient.
Nicht um dieses Volk zu kontrollieren und auch nicht um dieses
Volk zu überwachen, es zu verwalten oder ihm gar vorzuschreiben,
wie es zu denken hat.
Kurzum:
Demokratie, das ist die Idee der Macht des Volkes, vertreten
durch von ihr gewählte Abgeordnete, die nur ihrem Gewissen und
dem Allgemeinwohl verpflichtet sind.
Eine
solche Demokratie hat es bisher aber noch nicht gegeben.
Bei
solch einer Demokratie-Idee handelt es sich folglich um nichts
anderes, als um einen Mythos, eine Illusion, verbunden mit der
Hoffnung, dass dieser Glaube irgendwann doch Wirklichkeit werden
könnte.
Das aber
fällt schwer, weil auch demokratische Gesellschaften von Kräften
destabilisiert werden, die nur ein Interesse kennen, ihre
eigenen.
Wir
glauben zwar immer noch, dass unsere Stimme zählt und dass ein
Leben in einer Demokratie als eine Garantie dafür angesehen
werden kann, ein Leben dauerhaft in Freiheit, in Würde und in
Wohlstand führen zu können.
Daran
glauben wir.
Ehrlicher wäre es, zu akzeptieren, dass wir in einer Oligarchie
leben, womit die Herrschaft der Wenigen über die Vielen gemeint
ist und in der zu den Wenigen diejenigen im zunehmenden Maße an
Herrschaftsmacht gewinnen, deren Reichtum so groß ist, dass eine
Politik gegen die Interessen dieser Wenigen nicht mehr
durchgesetzt werden kann, ohne damit einen Systemzusammenbruch
in Kauf zu nehmen.
Und was
geschah in diesem Prozess sich verändernder Machtverhältnisse,
der sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute
entwickeln konnte mit dem Glauben der Menschen an ein besseres
Morgen?
Die
Wählerinnen und Wähler wurden, als die inneren Probleme
zunahmen, zum Schweigen gebracht, zensiert und gezwungen, sich
anzupassen.
Anders ausgedrückt:
Politische Korrektheit wurde zum Markenzeichen der Demokratie.
Wer anders dachte, wurde ausgegrenzt und zum Verfassungsfeind
erklärt. Dass es sich bei dieser Spaltung der Gesellschaft in
„Demokraten, Andersdenkende und in Verfassungsfeinde“ um einen
Machtkampf zwischen einer herrschenden Klasse und den Vielen
handelt, die durch Angst, Spaltung und Erschöpfung in möglichst
viele Minderheiten aufgeteilt werden müssen, um für die
Mächtigen handhabbar zu werden und zu bleiben, das sei an dieser
Stelle zuerst einmal nur festgestellt.
Mit anderen Worten:
Der
Deep State
fürchtet keine Proteste und auch keine Unruhen, die er
unterdrücken kann. Das was der
Deep State
fürchtet, das ist Solidarität, denn die kann er nicht
kontrollieren.
Und wenn
die Öffentlichkeit nicht mehr dazu bereit ist, sich durch Geld
ködern zu lassen, sich weigert, sich spalten zu lassen, und
ersatzweise sogar damit beginnt, sich für eine fast schon
verloren gegangene Demokratie einzusetzen, dann ist ein
Kipppunkt erreicht, in dem der
Deep State,
da er keinen Ausweg mehr sieht, sein Heil nur noch im
Tiefergraben sieht was bedeutet: noch mehr Spaltung, noch mehr
Denkverbote, noch mehr Hass und Hetze, noch mehr Verunsicherung,
noch mehr Erzeugung von Angst und noch mehr Vorbereitung auf
einen Krieg, um das Volk wieder auf die richtige Spur zu
bringen.
Dass
dies nicht von heute auf morgen geschieht, das liegt in der
Natur der Sache, denn freie Gesellschaften kollabieren nicht auf
einmal. Sie kollabiere aber, wenn Menschen zu Individuen gemacht
werden, die Solidarisierung mit Andersdenkenden sozusagen
unmöglich gemacht wird, so dass eine allumfassende Solidarität
der in einem Staat lebenden Menschen kaum herzustellen ist, um
die Prinzipien gemeinsam verteidigen zu können, die ein
Demokratie zusammenhält. So lange wie es dem System gelingt, aus Nachbarn
Feinde werden lassen, ist damit nicht zu rechnen.
Es ist
somit an der Zeit, den Kräften zu widerstehen, die von der
Spaltung profitieren - auch wenn dieser Widerstand unangenehm,
unbeliebt und von vielen natürlich auch missverstanden werden
wird.
Dennoch:
Die Demokratie wird wohl nur von Menschen gerettet werden
können, die sich weigern, nach den Regeln des
Deep State
mit sich spielen zu lassen.
Wut auf
die Mächtigen allein reicht aber nicht aus, um eine Demokratie
wieder auf die rechte Bahn zu bringen.
Was eine
Demokratie allein zu retten vermag, das lässt sich in einem Satz
zusammenfassen.
Eine
Demokratie lebt davon, dass der Macht Grenzen gesetzt werden und
dafür Sorge getragen wird, dass diese Grenzen nicht
überschritten werden.
05 Der widerliche Geruch
der
Esptein-Files
TOP
Diese
Files gleichen einer Zwiebel, die beim Schälen ihrer Schichten
einen immer penetranter werdenden Gestank verbreitet. Dieser
Gestank aber wird investigative Journalisten und auch viele
andere „Wahrheitssucher“ nicht davon abhalten, diese Zwiebel zu
schälen, denn wer sich einmal an den Gestank gewöhnt hat, will
auch die wirklich dunklen Geheimnisse der Eliten kennenlernen
und wird sich nicht daran hindern lassen, bis zum Kern
vorzudringen, auch wenn damit zu rechnen ist, dass die Suche
nach Wahrheit und erst recht das Aussprechen von Wahrheit
gefährlich werden kann.
06 Moralischer Verfall des Westens
TOP
Der
moralische Verfall des Westens hat mehrere Gaunerwörter, von
denen hier nur einige genannt werden:
In Bezug
auf die Epstein-Files hat die Masse an Material, das im Februar
2026 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, eine Welle der
Empörung ausgelöst, die sich wie folgt zusammenfassen lässt:
Ekel und
Wut auf eine „alte Elite“, die sich angemaßt hat, die „alte
Ordnung“ erhalten zu wollen, nunmehr aber deutlich geworden ist,
dass diese „alte Elite“ einer moralisch integeren Ordnung wird
Platz machen müssen.
Anders ausgedrückt:
Die Wut und der Ekel fordern das bestehende System dazu auf,
sich neu zu sortieren, denn die Menschen haben ihr Vertrauen in
die Herrschenden verloren, weil sie erkannt haben, dass diese
Eliten moralisch korrupt, erpressbar und letztlich steuerbar
sind.
07 Was verborgen bleiben wird
TOP
Auch die
Epstein-Files sagen uns nicht die ganze Wahrheit und das, was
fehlt, wird wohl kaum publiziert werden, obwohl solchermaßen
belastendes Material existiert.
Warum?
So viel Öffentlichkeit kann nicht im Interesse der Staatsmacht
liegen, und zwar auch dann nicht, wenn es wirklich an der Zeit
sein sollte, die ganze Wahrheit herauszukommen.
Gleichermaßen illusorisch dürfte es sein, dass jeder zur
Rechenschaft gezogen wird, der – seiner Verstrickung in das
Netzwerk Epstein entsprechend – eigentlich dafür verantwortlich
gemacht werden müsste.
08 Fiktion und Geschichte
TOP
Eigentlich will niemand Geschichten hören, die gefälscht und
unglaubwürdig erscheinen. Mit solchen Erzählungen dürfte aber zu
rechnen sein, verbunden mit der Umkehrung von Verantwortung in
dem Sinne, dass allein Epstein der Täter war, unterstützt durch
weitere Mittäter des Bösen, was dann die Aussage rechtfertigen wird,
dass die anderen nichts anderes als Opfer gewesen sein können.
Fiktionen lassen es im Übrigen auch zu, Ereignisse so
darzustellen, die nie stattgefunden haben. Diesbezüglich ist die
Geschichte wirklich reich an Beispielen, denn auch
Geschichtsfälschungen gehören zu den Werkzeugen der Macht.
Wie dem auch immer sei:
Gerade weil fiktive Erzählungen mit dem übereinstimmen, was die
Menschen über die menschliche Natur wissen und eigentlich wohl
auch hören wollen, um nicht an der Welt zu verzweifeln, wird
wohl zur Folge haben, dass Fiktionen
eher geglaubt wird, als der historischen Wahrheit.
09 Hoffnung auf eine Demokratiewende
TOP
Auch wenn
es viele Gutgläubige geben wird, die davon überzeugt sind, dass
nicht sein kann, was nicht
seien
darf, werden die Epstein-Files – was zu hoffen ist – dennoch das
Potenzial freisetzen, das für eine Demokratiewende unverzichtbar
sein wird.
Das sind
nachfolgend aufgelisteten Tugenden:
-
Klugheit
-
Mut
-
Tapferkeit
-
Maßhalten
-
Gerechtigkeit.
Was
unter diesen Tugenden zu verstehen ist, das habe ich im Februar
2026 in dem Tagebuch „Spiegelsplitterwahrheiten“ aufzuzeigen
versucht, das auf dieser Website zur Verfügung steht.
Was
Hoffnung auf Aufklärung erwarten lässt?
In einem
Artikel von
Alastair Crooke,
der am 10. Februar 2026 auf der Website des Ron Paul Instituts
unter dem Titel: „Das langsame Erdbeben in Epstein: Der Bruch
zwischen den Menschen und den Eliten“ veröffentlicht wurde,
heißt es unter anderem wie folgt:
Alastair Crooke:
Nach Epstein kann nichts so weitergehen wie bisher: Weder die
Werte des Nachkriegs „nie wieder“ [noch] die weit verbreitete
Sehnsucht nach einer „gerechteren“ Gesellschaft [lassen das zu].
Denn:
Wie
spricht man vor diesem Hintergrund von „Werten“?
Und:
Was auch
offensichtlich ist, ist, dass es in den Epstein-Kreisen nicht
nur um verdrehte Individuen ging; „Was veröffentlicht wurde,
weist auf systematische, organisierte, ritualisierte Praktiken
hin.“ Und das ändert alles, wie Kommentator Lucas
Leiroz
[auf der Website
ZeroHedge]
bemerkt:
Dort
heißt es:
ZeroHedge:
Netzwerke dieser Art existieren nur, wenn sie durch einen tiefen
institutionellen Schutz unterstützt werden. Es gibt keine
rituelle Pädophilie, keinen Menschenhandel auf transnationaler
Ebene, keine systematische Produktion von Extremmaterial – ohne
politische, polizeiliche, gerichtliche und mediale Deckung. Das
ist die Logik der Macht.
Link zur Quelle
Alastair Crooke:
Westliche
Gesellschaften stehen jetzt vor einem Dilemma, das nicht durch
Wahlen, Parlamentskommissionen oder Reden gelöst werden kann.
Wie kann man weiterhin die Autorität der Institutionen
akzeptieren, die diese Ebene des Schreckens abgeschirmt haben?
Wie kann
Respekt für Gesetze aufrechterhalten werden, die selektiv von
Menschen angewendet werden, die über ihnen leben?
Wenn der
Protest keine Auswirkungen auf die Änderung des Status quo hat
und die Wahlen zwischen den
Tweedle-Dee-
und
Dum-Parteien
des bestehenden Ordens bestehen bleiben, werden die Jugendlichen
zu dem Schluss kommen, dass „niemand kommen wird, um uns zu
retten“ – und sie können in ihrer Verzweiflung schlussfolgern,
dass die Zukunft nur auf den Straßen entschieden werden kann.
Link zur Quelle
Alastair Crooke
ist ein ehemaliger britischer Diplomat, Gründer und Direktor des
in Beirut ansässigen
Conflicts
Forum.
Hinweis:
Tweedledum
und
Tweedledee
sind Figuren aus einem englischen Kinderreim und aus Lewis
Carrolls 1871 erschienenem Buch „Alice hinter den Spiegeln“.
Diese Namen stehen für zwei Personen oder Dinge, die nominell
verschieden, aber praktisch gleich sind; ein nahezu identisches
Paar. Gemeint sind in den USA die Republikaner und die
Demokraten. In Deutschland gibt es mehrere Parteien, aber auch
hier lässt sich ein Zweiparteienstaat erkennen. Das ist die
Koalition der Willigen und deren gemeinsamer Gegner. Das ist die
AfD, die diese Koalition der Willigen nicht will und jegliche
Zusammenarbeit mit ihr ablehnt.
10 Die Bedeutung von „Bedeutung“ des Wortes
„Eliten“
TOP
Die
Überschrift macht schon deutlich, dass die Suche nach der
Bedeutung des Wortes „Eliten“ in Anlehnung an Hilary Putnam
(1926 bis 2016) erfolgen soll, einer US-amerikanischen Schlüsselfigur der
Sprachphilosophie und der Philosophie des Geistes im 20.
Jahrhundert. Hilary Putnam ging davon aus, dass die Wirklichkeit
nicht Teil des menschlichen Geistes, sondern vielmehr der
menschliche Geist Teil der Wirklichkeit sei, denn Wahrheit oder Falschheit
ließe sich durch den Gebrauch von Stereotypen nicht erklären. Diesbezüglich heißt es bei Putnam:
Eine
verzwickte Frage ist: Inwieweit lässt sich der Begriff des
Stereotyps „operational definieren“? Hier heißt es, äußerst
vorsichtig sein.
Warum?
Im
üblichen Sprachgebrauch ist ein Stereotyp eine konventional
verwurzelte (häufig übelmeinende und möglicherweise völlig aus
der Luft gegriffene) Meinung darüber, wie ein X [im hier zu
erörternden Sachzusammenhang sollen das die „Eliten“ sein]
aussehe oder was es tue oder sei.
Hilary
Putnam. Die Bedeutung von „Bedeutung“ Rote Reihe Klostermann,
2021, Seite 77 und 75
Ergänzend zur Wortbedeutung von Synonymen sei hier angemerkt,
dass dazu auch überkommende Vorurteile und angeblich
feststehende Begriffe gehören, die zumindest nicht nach Schema F
erklärt werden können.
In
Anlehnung an das Zwei-Erden-Modell von Hilary Putnam, das
dadurch gekennzeichnet ist, dass gleiche Begriffe in der von ihm
fiktiv gedachten Erde 1 einen völlig anderen Bedeutungsinhalt
haben können, als das auf der Erde 2 der Fall ist, wird hier der Versuch unternommen. Das Wort Eliten
ebenfalls in zwei verschiedenen fiktiven Welten näher zu
betrachten:
Die Eliten in der Demokratie 1:
In dieser Welt handelt es sich bei den Eliten um die Besten, die
sowohl über nachgewiesene charakterliche Eigenschaften als auch
über nachgewiesene Kompetenzen verfügen müssen, um überhaupt in
verantwortliche Stellungen gelangen zu können.
Kurzum:
Eliten in der Demokratie 1 müssen über einen Habitus verfügen,
die es dem Wahlvolk erlaubt,
solchermaßen gebildete Menschen „guten Gewissens“ für eine
beschränkte Zeit an die Spitze der Gesellschaft setzen zu
können, um dort im Sinne des Allgemeinwohls sowohl die Gegenwart
zu gestalten, als auch zukunftsweisende Entscheidungen zu
treffen.
Mit
Habitus ist im hier zu erörternden Sachzusammenhang nicht eine
spezielle Körperhaltung, sondern ein System verinnerlichter
Werte zu verstehen, die es den Eliten in der Demokratie 1
ermöglichen, alle typischen Gedanken, Wahrnehmungen und
Handlungen einer Kultur zu erzeugen und zu berücksichtigen, die
dem Allgemeinwohl dienen – und nur diese.
Mit anderen Worten:
Die Eliten in der Demokratie 1 verfügen über Tugenden, die es
ihnen erlaubt, Verantwortung zu übernehmen, ohne sie
missbrauchen zu wollen. Zu den unverzichtbaren Tugenden
gehören: Klugheit, Mut, Tapferkeit, die Fähigkeit zum Maßhalten
und ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Da es eine solche
Demokratie aber bedauerlicherweise nicht gibt, dürften solchermaßen mit Kompetenzen
ausgerüstete Menschen sozusagen der Lebensraum fehlen.
Eliten in der Demokratie 2:
Diese Demokratie ist durch den Wettbewerb gekennzeichnet, was dazu
führt, dass Menschen sozusagen von Kindheit an darauf
konditioniert werden, besser sein zu wollen und auch sein zu müssen,
als ihre Mitstreiter und erforderlichenfalls auch dazu bereit
sein müssen, die Ellenbogen einzusetzen, um auf der
Karriereleiter hinaufsteigen zu können.
Das sind
die harmlosen, normalen Eliten, die es in jede Behörde und auch
in jedem Unternehmen in der Demokratie 2 gibt.
Von
Machteliten kann in der Demokratie 2 erst dann gesprochen werden, wenn Menschen in
exponierte Stellungen gelangen oder über so viel Einfluss
verfügen, dass nachgeordnete Eliten sozusagen im vorauseilenden
Gehorsam das gern, bereitwillig und meist auch widerspruchslos
in die Tat umzusetzen, was sich die wirklichen Machteliten
in der Demokratie 2 wünschen.
Anders ausgedrückt:
In der Demokratie 2 entwickelt sich die Macht
zuerst einmal von unten nach oben, bis eine Kluft erreicht ist,
die wirklich nur noch von ganz wenigen übersprungen werden kann.
Das sind die Superreichen aber auch andere, die in exponierte
Stellungen gelangen. Wer dort angekommen ist, oder in sie
hineingeboren wurde, hat zumindest
verinnerlicht, dass Macht etwas ist, was sozusagen zu seiner DNA
gehört.
Mit anderen Worten:
Dieser neue Mensch, gemeint sind die Eliten in Demokratie 2,
werden kaum noch dazu in der Lage sein, sich in
die Lebenswirklichkeit derjenigen hineinversetzen zu können, die
diesem erlauchten Kreis nicht angehören. Diese Eliten leben in einer
ganz besonderen Welt, die es ihnen sogar erlaubt, Netzwerke
zu organisieren bzw. organisieren zu lassen, wie das Jeffrey
Edward Epstein (1953 bis 2019) offensichtlich gelungen ist.
Hier
schließt sich auch wieder der Kreis zu dem Stereotyp „Elite“ im
Sinne von Hilary Putnam, der in seinem Essay „Die Bedeutung von
„Bedeutung“ geschrieben hat:
Hilary Putnam:
Im üblichen
Sprachgebrauch ist ein Stereotyp eine konventional verwurzelte
(häufig übelmeinende und möglicherweise völlig aus der Luft
gegriffene) Meinung.
Diese
übelmeinende Bedeutung des Wortes „Elite“ dürfte sich durch die
Veröffentlichung der Epstein-Files nunmehr verstärkt haben.
Ergänzt werden sollen hier, der Fairness halber, die Demokratie
1 und 2 durch die real existierende Demokratie 3, bei der es
sich sozusagen um eine Mischform der beiden oben kurz
erläuterten Demokratien handelt, zumindest genannt werden. Im
Hinblick auf die Wortbedeutung "Elite" hat das in der Demokratie
3 zur Folge, dass es sowohl charakterstarke Eliten als auch
charakterlose Eliten in dieser Demokratie gibt.
Wie dem auch immer sei: In der Demokratie 3 -
also in der Demokratie von heute - dürfte als Ursache für ihren
Verfall, an dem die Eliten einen großen Anteil haben, die
letzten Sätze hilfreich sein, mit denen Professor
Stanislav Menshikov (1927-2014)
russischer Ökonom und ehemaliger sowjetischer Diplomat sein 1969
erstmalig erschienenes Buch: "Millionaires and Managers -
Structure of U.S. Financial Oligarchy." abschlossen hat, die
sich durchaus auch dazu eignen, die Misere von heute zumindest
nachvollziehen zu können.
Stanislav Menshikov:
Das Streben der Finanzoligarchie nach direkter Staatsführung ist
eine der charakteristischsten Tendenzen des amerikanischen
Imperialismus der letzten Jahrzehnte. Dass die Multimillionäre,
die Washington einst als „Stadt zweiter Klasse“ betrachteten,
nun nach politischer Macht gieren, dass Mitglieder der
Geldaristokratie bereitwillig vom Unternehmensanwalt oder
Investmentbanker zum Regierungsmitglied oder Präsidentenberater
aufsteigen, ist vor allem eine Folge der Entwicklung des
staatsmonopolistischen Kapitalismus.
Doch das ist nicht alles. Sie werden
von der Aussicht gelockt, über das Schicksal von Millionen
Menschen zu entscheiden, anderen Ländern ihren Willen
aufzuzwingen, von der Möglichkeit, Atomwaffen zu kontrollieren;
sie werden auch von der Sorge um die Zukunft des
Gesellschaftssystems angetrieben, das ihnen Reichtum und einen
Platz unter den Mächtigen sichert. Dies ist die logische
Konsequenz der historischen Entwicklung der Kapitalisten in
einem Zeitalter, in dem das System des Privateigentums und der
Ausbeutung durch seine allgemeine Krise zunehmend untergraben
wird.
S. Menshikov: Millionaires and
Managers - Structure of U.S. Financial Oligarchy. Progress
Publishers 1969, Seite 327 aufrufbar:
https://www.marxists.org/subject/economy/authors/menshikov/1969/millionaires-and-managers.pdf
Dass sich dieses Bedürfnis nach Macht in einer Zeit, die sich -
gut 50 Jahre nach dem Erscheinen dieses Buches - perfektioniert
hat, das liegt allein an der Vokabel des Wortes Fortschritt,
dessen Bedeutungsinhalt nicht nur mehrdeutig ist, sondern durch
das Wort Wachstum ergänzt werden muss, denn Fortschritt ohne
Wachstum, das ist in der Demokratie von heute nicht denkbar.
11 Demokratie statt Eliteversagen
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Was
dringend einer Zeitenwende bedarf, das lässt sich in wenigen
Worten zusammenfassen:
Die
Entfremdung zwischen den Eliten der herrschenden Klasse und der
Bevölkerung ist in den Krisen der letzten Jahre deutlich geworden.
Das, was
darüber bisher geschrieben wurde, reicht aus, „um Bibliotheken
zu füllen“.
In
diesem Sinne wird es zum Erhalt der Demokratie unvermeidlich
sein, dass die Macht in einer Demokratie an die Bürger
zurückgegeben wird.
Gelingt
das nicht, dann werden Demokratien scheitern.
Eine andere Staatsform wird dann an ihre Stelle treten, die, in
Anlehnung an Putnam, dann vielleicht als Erde 3 zu bezeichnen
wäre, in der Demokratie wiederum ganz anders, als das in Erde 1
und Erde 2 der Fall ist, mit ganz anderen Bedeutungsinhalten
erklärt werden muss
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