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Datenklau - Sturm im Wasserglas

Alfred Rodorf
Januar 2019

Am 04.01.2019 ist nur eine Meldung in den Medien wirklich von Bedeutung: Der unverschämte Hackerangriff aus Ärger über Politiker und Prominente.

Den Ärger über Politiker kann ich nachvollziehen, den Hackerangriff nicht, denn das tut man nicht.

Dennoch:

Wenn Politiker, deren erklärtes Ziel ist, die digitale (deutsche) Zukunft zu gestalten, selbst nicht dazu in der Lage sind, ihre digitalen High-Tech-Produkte mit brauchbaren Passwörtern gegen Missbrauch und Datenklau zu schützen, dann stellt sich wirklich die Frage: Kann man so viel Digitalkompetenz wirklich noch vertrauen, zumal es tatsächlich wichtigere Fragen zu diskutieren gibt als den Angriff eines begabten 20-jährigen Autodidakten auf das angeblich höchste Grundrecht unserer Zeit, die personenbezogenen Daten von Politikern, Schauspielern und Künstlern.

Der Angriff muss so schwerwiegend gewesen sein, dass die Dimension der erkannten Gefahr, die ja nicht neu ist, von Politikern sofort mit realen Geldforderungen verbunden wurde, um das möglichst schnell sicher zu machen, was sich nicht sicher machen lässt: das Internet.

Wie dem auch immer sei.

»Aus Sicht von Unionsfraktionsvize Thorsten Frei zeigt der Vorfall, wie sehr das Thema Datensicherheit unterschätzt wird. Die USA hätten 2017 für Cyber-Sicherheit rund 20 Milliarden Euro ausgegeben, das BSI müsse mit rund 110 Millionen Euro auskommen, sagte er der Stuttgarter Zeitung. »Das steht in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr.« [En01]1

Wie wahr.

So viel Knauserigkeit beim Umgang mit Steuermitteln ist wirklich unverantwortlich, möchte man hinzufügen. Dabei ist die Lösung des Problems sozusagen zum Nulltarif zu haben, wie das Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), ebenfalls ein Geschädigter des unverschämten Datenklaus, oder war es wirklich schon ein Datenskandal?, unter Beweis gestellt hat, indem er sich von Twitter und Facebook verabschiedete. Nun denn, das wäre früher möglich gewesen, denn Jaron Lanier, einer der Tech-Gurus und Vordenker des Internets, hat immerhin in seinem Buch mit dem Titel »Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst«, das bereits 2018 bei Hoffmann und Campe erschien, eindringlich dazu aufgefordert, das Undenkbare zu tun: Schluss zu machen mit Twitter und Co.

Und auch auf der CEBIT 2018 forderte Lanier, bereits im Juni 2018, mit eindringlichen Worten seine Zuhörer dazu auf, Social Media den Rücken zuzukehren, es zumindest aber mit einer Fastenkur oder einer längeren Zeit der Askese zu versuchen. Und, für den Fall, dass das nicht gelingen sollte, hatte Lanier auch sofort die passende Antwort parat:

Um die Kontrolle über die Daten zurückzugewinnen, sollten die Nutzer, so sein Vorschlag, künftig für das Angebot zahlen.

So sieht Scheinheiligkeit heute aus.

Aber wer hört schon auf einen Paulus, der noch vor ein paar Jahren ein Saulus war?

Und übrigens:

Solch ein Aufruf klingt heute doch irgendwie nach Häresie, nein, sogar nach Ketzerei und Robert Habeck muss beim konsequenten Befolgen seiner selbstgewählten neuen Religion - die Twitter und Co. für Teufelswerk hält - möglicherweise schon bald damit rechnen, dass der Pakt mit dem Teufel doch irgendwie besser ist, als die Rolle eines abgehobenen Säulenheiligen, der einfach nicht mehr dazu in der Lage ist, mit 140 Zeichen pro Tweed die öffentliche Meinung formen und gestalten zu können, weil in der schwindelerregenden Höhe seiner Säule, auf der er er sich dem Zugriff von Hackern entzogen hat, der nächste Funkmasten einfach zu weit entfernt ist, um vielleicht doch noch Zugang zum Netz zu bekommen. Entschuldigung: Seit November 2018 wurde das Zeichenlimit von bis dahin 140 auf nunmehr 280 mögliche Zeichen erhöht, also mehr als genug Zeichen, sich wirklich ernsthaft und ausführlich zu wichtigen Themen unserer Zeit äußern zu können.

Die Wirklichkeit ist ja wirklich so einfach, dass 280 Zeichen schon wie ein Roman erscheinen.

Zurück zum Datenklau.

Schrecklich. Ungeheuerlich. Und doch so einfach.

Sogar 20-jährigen Autodidakten ist es möglich, modernste Technik nicht nur in ihre Grenzen zu verweisen, nein, sogar auszuhebeln. Wie ist das nur möglich?, denn Deutschland befindet sich ja gerade auf dem Weg, sich in Sachen künstlicher Intelligenz Zugang zur Weltspitze zu verschaffen. Wahrscheinlich ein mühseliger und langer Weg, zumal dafür erst einmal gut 100 Lehrstühle mit Professoren besetzt werden müssten, von denen man zumindest glaubt, dass die wissen, was künstliche Intelligenz ist und die es auf dem deutschen Markt zurzeit nicht gibt (weder die 100 Professoren noch die künstliche Intelligenz).

Vielleicht sollte man sich deshalb vorab doch ersatzweise zuerst einmal den Rat des 20-jährigen Autodidakten und erfolgreichen Hackers einholen, um zumindest die Fehler zu erkennen, die er gefunden hat und für die normale Intelligenz ausreichte, vorhandene Sicherheitsstandards auszuhebeln, um als Folge davon nicht nur Politiker in blanke Panik geraten zu lassen.

Dieser Rat kann eingeholt werden, denn der 20-Jährige befindet sich wieder auf freiem Fuß.

Mit anderen Worten:

Seine Tat war dann doch wohl nicht so ein schwerwiegender Angriff auf den Rechtsstaat, dass der Täter in Untersuchungshaft genommen werden musste. Zumindest handelte es sich nicht um eine schwere staatsgefährdende Straftat im Sinne von § 89a StGB.

Gott sei Dank.

Übrigens:

Die Bundesregierung prüft, sozusagen als Sofortreaktion auf den Datenklau, so Justizministerin Katarina Barley (SPD), strengere Sicherheitsvorgaben für Software-Hersteller und Betreiber von Internet-Plattformen. »Wir prüfen, inwieweit hier schärfere gesetzliche Vorgaben sinnvoll und erforderlich sind«, sagte sie der »Welt am Sonntag«. Hersteller und Plattformbetreiber müssten hohe Sicherheitsstandards und regelmäßige Updates gewährleisten. Innenstaatssekretär Günter Krings (CDU) sagte der »Rheinischen Post«: »Wir müssen auch prüfen, ob wir zur Rückverfolgung der Täter technische und gesetzliche Ermittlungsmöglichkeiten stärken müssen.« [En02] 2

Hätte mich auch wirklich gewundert, wenn eine Forderung nach schärferen Gesetzen nicht erhoben worden wäre.

Nun gut, am Tag darauf schlug Justizministerin Barley (SPD) dann auch noch vor, eine Beratungsstelle einzurichten, an die sich Geschädigte wenden können, wenn ihnen ihre persönlichen Daten abhandengekommen sind.

Dass aber persönlichen Daten täglich im schier unvorstellbar großen Ausmaß von Google, Facebook, Twitter und Co. abgeschöpft und gewinnbringend vermarktet werden, weil diese personenbezogenen Daten von Milliarden von Nutzern den professionellen Datenklauern sogar freiwillig zur Verfügung gestellt werden, das ist so selbstverständlich, dass darüber kein Wort verloren werden muss.

Warum auch?

Geldverdienen ist ja schließlich kein Verbrechen.

Und wenn man mit Daten, die einem nicht gehören, sogar unvorstellbar viel Geld verdienen kann? Was soll´s, ist doch eine clevere Geschäftsidee.

Nun denn:

Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass Private mit unseren Daten viel, sehr viel Geld verdienen können, das dann - auch logisch und nachvollziehbar - schnell außer Landes gebracht werden muss, denn Steuern zahlen für den Gewinn aus abgeschöpften persönlichen Daten: Nein! Das geht gar nicht.

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Quellen

Endnote_01
Stuttgarter-Zeitung.de vom 05.01.2019
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.nach-hackerangriff
-informationen-schon-im-dezember-bundesamt
-rudert-zurueck.425674d7-dd98-4511-ad30-c89cf9c9a8a0.html
Aufgerufen am 20.01.2019
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Endnote_02
Regierung prüft strengere Sicherheitsvorgaben für Anbieter
Stand: 05.01.2019 https://www.welt.de/politik/deutschland/
article186588132/Nach-Datendiebstahl-Regierung-
prueft-strengere-Sicherheitsvorgaben-fuer-Anbieter.html
Aufgerufen am 20.01.2019
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