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Demokratie heute: Teil 1 - Neben Rechten sitzen müssen...

Alfred Rodorf
November 2017

01 Einführung in das Thema
01.1 Was ist Wahrheit, was ist Wirklichkeit?
02 Allgemeines zu Rasse, Volk und Leitkultur
02.1 Rasse
02.2 Volk
02.3 Rassismus
02.4 Faschismus
03 Rasse, Volk und Leitkultur im GG und in den Parteiwahlprogrammen
03.1 Das Grundgesetz zu Rasse, Volk und Christenheit
03.2 CDU-Wahlprogramm 2017
03.3 SPD-Wahlprogramm 2017
03.4 AfD-Wahlprogramm 2017
03.5 FDP-Wahlprogramm 2017
03.6 DIE LINKE-Wahlprogramm 2017
03.7 DIE GRÜNEN-Wahlprogramm 2017
04 100 Jahre Rasse, Volk und Leitkultur im Überblick
04.1 1918: Oswald Sprengler
04.2 1922: Gustave Le Bon
04.3 1923: Möller van den Bruck
04.4 1924: Adolf Hitler
04.5 1949: Deutsche Nachkriegszeit
04.6 1975: Jean Raspail
04.7 1994: Rolf Peter Sieferle - Epochenwechsel
04.8 2013: Philippe Descola
04.9 2015: Michel Houellebecq
04.10 2017: Rolf Peter Sieferle - Finis Germania
04.11 Jan Assmann und das kulturelle Gedächtnis
04.12 2017: Björn Höcke
04.13 Die Sicht der Päpste
05 Wir sind nie modern gewesen
06 Erste Sitzung des 19. Deutschen Bundestages am 24.10.2017
07 Quellen

01 Einführung in das Thema

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Beim Umgang mit »Rechten im 19. Deutschen Bundestag«, wurde schon vor der ersten konstituierenden Sitzung deutlich, wie schwer es den demokratischen Parteien fallen wird, sich für Dauer der anstehenden Legislaturperiode mit der Existenz einer populistischen und rechtslastigen Partei abfinden zu müssen.

Zwei Probleme scheinen in diesem Zusammenhang besonders wichtig zu sein.

  • 1. die Sitzordnung und

  • 2. darf man mit denen überhaupt reden?  

Die erste Frage wurde bereits beantwortet: Die FDP hat sich damit abzufinden, links neben den Rechten sitzen zu müssen.

Bei so viel »Rechts« und »Links« stellt sich dann aber auch zugleich die Frage, was »Rechts« ist und wodurch sich »Rechts« nicht nur von »Links«, sondern auch von der »Mitte« und von anderen politischen Nuancierungen unterscheidet.

Festzustellen ist, dass die Frage, was eine rechtsradikale Gesinnung ist, schnell beantwortet werden kann. Rechtsradikal sind Personen, die zum Beispiel anlässlich von Versammlungen

  • Heil Hitler rufen

  • Hakenkreuze an ihrer Kleidung tragen oder

  • Nazi-Symbole sichtbar auf Armen, Beinen oder gar auf dem Kopf eintätowiert haben

  • Nazifahnen hissen oder

  • Nazilieder singen.

Es kann aber davon ausgegangen werden, dass solche Personen nicht als Abgeordnete in den 19. Deutschen Bundestag eingezogen sind.

Was bleibt, ist somit weiterhin die Frage:

»Was ist rechts?«

Wie heißt es doch so schön in der Ballade »Lenore« von Gottfried August Bürger (1747 - 1794):

Wie flogen rechts, wie flogen links,
Gebirge, Bäume und Hecken!
Wie flogen links, und rechts, und links
Die Dörfer, Städte und Flecken!

Und in der Mitte da befindet sich der Reiter, der links und rechts benötigt, um beschreiben zu können, was er wo sieht und wohin er gerade schaut.

In der Politik stehen die Bezeichnungen »rechts« und »links« für unterschiedliche politische Richtungen. Im 19. Deutschen Bundestag sitzt die AfD ganz rechts vom Parlamentspräsidenten, die CDU ganz links.

Wie dem auch immer sei.

»Die Unterscheidung [links und rechts] soll auf die Sitzordnung in der französischen Abgeordnetenkammer von 1814 zurückgehen. Dort saßen - vom Präsidenten aus gesehen - auf der rechten Seite diejenigen Abgeordneten, die für den Erhalt der gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse eintraten. Auf der linken Seite saßen die anderen, die eine Änderung der politischen und sozialen Verhältnisse anstrebten.« [En01] 1

Eine politische Mitte gab es in der französischen Abgeordnetenkammer nicht. Parteiliche Vielfalt, die eine »Mitte« erforderlich gemacht hätte, um politische Ausrichtungen zuordnen zu können, brauchten noch einige Jahrzehnte des Werdens und Wachsens.

[Erster deutscher Reichstag 1871:] Im ersten deutschen Reichstag verteilten sich die dort zu besetzenden Abgeordnetensitze wie folgt:

  • 57 Konservative

  • 37 Freikonservative

  • 125 Nationalliberale

  • 46 Fortschrittspartei

  • 63 Zentrum

  • 2 Sozialdemokraten

  • 21 Minderheiten

  • 31 Sonstige

Welche von diesen Parteien zur »Rechten« oder zur »Linken« gehörten, das kann der Website des Deutschen Bundestages entnommen werden.

Dort heißt es:

»Im Einzelnen bestand es [das Parlament] aus den Deutschkonservativen und der Deutschen Reichspartei, dem Zentrum als Vertreterin des politischen Katholizismus, ferner der Nationalliberalen Partei auf dem rechten, und mehreren Parteien - unter anderem der Deutschen Fortschrittspartei, der Deutschen Freisinnigen Partei, der Freisinnigen Volkspartei und der Fortschrittlichen Volkspartei - auf dem linken Flügel des Liberalismus, sowie der Sozialistischen Arbeiterpartei (1890 umbenannt in Sozialdemokratische Partei Deutschlands). [En02] 2

Eine demokratische Mitte gabes damals noch nicht.

Wie dem auch immer sei.

Politik zu verstehen war noch nie einfach. Auch heute noch sind politische Überzeugungen eher Glaubensangelegenheiten als Wissensangelegenheiten, sowohl bei denen, die Politik machen, als auch bei denen, die Politiker wählen.

01.1 Was ist Wahrheit, was ist Wirklichkeit?

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Die Bibelstelle, in der Jesus von Pilatus verhört und verurteilt wird, gehört nach meiner Lesart der Bibel zu den tiefsinnigsten Stellen im Neuen Testament.

Als Pilatus Jesus fragt: Was ist Wahrheit?, konfrontiert ihn Jesus mit der Wirklichkeit, indem er antwortet: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier (Joh. 18,36).

Für Pilatus bedeutete diese Antwort, dass ihm nichts anderes übrig bleiben wird, als so vorzugehen, wie das die Juden im besetzten Jerusalem von einem Römer erwarten konnten.

Vielleicht ist es ja Blasphemie, dieses Bibelzitat im hier zu erörternden Sachzusammenhang zu verwenden, aber Tatsache ist, dass auf die Frage des Pilatus: »Was ist Wahrheit?« auch heute noch niemand im Kern eine andere Antwort gegeben hat, als die des Jesus, denn auch politische Glaubensbekenntnisse sind nicht von dieser Welt, vielmehr handelt es sich dabei um konstruierte Ideen, deren Wahrheitsgehalt unbewiesen ist, die aber dennoch zur Anwendung kommen, um die Wirklichkeit gestalten zu können.

Kurzum:

Auch bei politischen Ideologien handelt es sich nicht um Grundwahrheiten.

Dort, wo der Versuch unternommen wird, die Wirklichkeit so zu gestalten, wie der Parteienglaube das für unwiderlegbar richtig hält, folgt - und das lehrt die Geschichte seit Jahrtausenden - auf die Experimentierphase des Anfangs die Euphorie des Fortschritts und Ausbaus, der sich dann aber, wenn der Wellenkamm der aufgebauten Zivilisation erreicht ist, die Phase des Verfalls anschließt.

Was diese Feststellung für das Thema dieses Aufsatzes bedeutet, wird an anderer Stelle erörtert.

[Zusammenfassung:] Dieser Aufsatz erhebt nicht den Anspruch auf Wahrheit, wohl aber den Anspruch auf eine mögliche, zumindest aber denkbare Art der Zustandsbeschreibung der bundesdeutschen Wirklichkeit.

Da sich die Beschreibung dieser Wirklichkeit - die Wiederbelebung rechten Gedankengutes im 19. Deutschen Bundestag - ausschließlich mit Argumenten befasst, die als »rechte Positionen« gewertet werden können, darf daraus nicht geschlossen werden, dass der Autor dieser Zeilen genauso denkt, wie das die verwendeten Zitate möglicherweise suggerieren.

Das würde nicht der Wahrheit entsprechen.

Tatsache ist, dass eine eigene politische Überzeugung nach meiner Überzeugung voraussetzt, auch die Positionen Andersdenkender zu kennen. Nur in Kenntnis der Vielfalt möglicher politischer Wirklichkeiten ist es Menschen möglich, tatsächlich eine eigene Meinung bilden und vertreten zu können.

Wer auf diese Form der Suche nach der eigenen Wahrheit nur die Argumente anderer nachplappert, besitzt keine eigene politische Überzeugung.

02 Allgemeines zu Rasse, Volk und Leitkultur

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Diese drei Wörter halten viele Intellektuelle und Andersdenkende für die Grundübel rechten Gedankengutes. Vielen Intellektuellen (was auch immer darunter zu verstehen sein mag) fällt es bereits beim Hören und Lesen dieser Wörter schwer, die sich in ihren Hirnen spontan einstellende Assoziation »Nazi« zu unterdrücken.

Grund dafür ist nicht nur das Wort »Rasse«, das in Deutschland durch den Holocaust an den Juden zu einem Unwort geworden ist, sondern gleichermaßen auch das Wort »Volk«, das sofort völkische Assoziationen auslöst.

Auch das Wort Leitkultur wird als Schlagwort der Nazizeit verstanden, obwohl diese Metapher eher auf den deutsch-nationalen Dichter Franz Emanuel August Geibel (1815 - 1884) zurückgeht, der mit seinem Vers: »Und es mag am deutschen Wesen einmal noch die Welt genesen« lediglich seinen geliebten Kaiser Wilhelm II. (1888 - 1941) ehren und huldigen wollte.

Erst bei O. Mußgiller heißt es 1933:

»Wir werden ihn stets bewahren
den echten, den deutsche Geist« [En03] 3

Wie dem auch immer sei.

Die Frage, die sich zuerst einmal stellt, lautet: Wie konnte es passieren, dass die Worte »Rasse« und »Volk« dennoch Worte von Verfassungsrang werden konnten.

Dazu gleich mehr.

Zuerst soll festgestellt werden, dass die beiden Reizworte in der o.g. Reihenfolge erörtert werden:

  • zuerst die Rasse

  • dann das Volk.

Da im Zusammenhang mit Rasse in der politischen Auseinandersetzung oftmals im gleichen Atemzug auch der Vorwurf von »Rassismus« und oftmals auch der von »Faschismus« erhoben wird, um als »rechts« erkannte Positionen sozusagen ins »rechte Licht« zu rücken, werden auch die Begriffe

  • Rassismus und

  • Faschismus

mit in die Erörterungen einbezogen.

Mit anderen Worten:

Die Reizworte Rasse, Volk, Rassismus und Faschismus gehören zu den Grundübeln rechtslastigen Gedankengutes.

02.1 Rasse

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Art. 3 Abs. 3 GG hat folgenden Wortlaut: Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Böse Zungen könnten behaupten, dass der Geist des Dritten Reiches immr noch in den Köpfen des 61 Männer und der 4 Frauen umfassenden Parlamentarischen Rates präsent gewesen sein muss, als sie sich für diese Formulierung entschieden, denn das Wort Rasse wird von den Politikern von heute gemieden wie die Pest im Mittelalter.

[Rasse:] Seit den 1990iger Jahren distanzieren sich sogar Anthropologen von dem bis dahin vertretenen populationsgenetischen Rassenbegriff beim Menschen. Am liebsten würden auch sie das Wort Rasse ganz aus ihrem Wortschatz streichen.

In einem von Prof. Dr. Ulrich Kattmann verfassten Aufsatz über den UNESCO-Workshop zur Rassenfrage 1996 heißt es:

»Rassen« des Menschen werden traditionell als genetisch einheitlich, aber untereinander verschieden angesehen. Neue auf den Methoden der molekularen Genetik und mathematischen Modellen der Populationsgenetik beruhende Fortschritte zeigen jedoch, dass diese Definition völlig unangemessen ist.«

An anderer Stelle heißt es:

»Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, den Begriff »Rasse« weiterhin zu verwenden.« [En04] 4

Auch in einem vielzitierten Aufsatz des Harvard-Genetikers Richard C. Lewontin zum Thema »Die Verteilung der menschlichen Vielfalt« aus dem Jahr 1972 heißt es:

»Menschliche Rassenklassifikationen haben keinen gesellschaftlichen Wert und sind für die sozialen und menschlichen Beziehungen schädlich. Da eine solche rassische Einstufung von keiner genetischen oder taxonomischen Bedeutung ist, kann keine Rechtfertigung für ihre Fortdauer angeboten werden.« [En05] 5

Mit anderen Worten:

Die Einteilung der Menschen in Rassen hat keine biologische Grundlage.

Leider stimmt das so nicht.

Im Juli 2003 veröffentlichte A.W.F. Edwards, ein britischer Genetiker und Evolutionsbiologe einen Aufsatz zum Thema: »Menschliche genetische Vielfalt: Lewontins Irrtum«.

Dort heißt es Bezug nehmend auf R.C. Lewontin 1972 sinngemäß, dass die genetischen Unterschiede zwischen den menschlichen Populationen oftmals heruntergespielt werden. Oft wird gesagt, dass etwa 85% der gesamten genetischen Variation auf individuelle Unterschiede innerhalb der Populationen und nur 15% auf Unterschiede zwischen Populationen oder ethnischen Gruppen zurückzuführen sind.

Es wurde daher von Lewontin vorgeschlagen, dass die Aufteilung von Homo sapiens in diese Gruppen durch die genetischen Daten nicht gerechtfertigt ist.

An anderer Stelle heißt es:

Diese Schlussfolgerung, aufgrund von R.C. Lewontin 1972, ist nicht zuzustimmen, weil seine Argumente die Tatsache ignoriert, dass die meisten Informationen, die die Populationen unterscheiden, in der Korrelationsstruktur der Daten und nicht einfach in der Variation der einzelnen Faktoren versteckt ist. [En06] 6

[Neueste Forschungsergebnisse:] Heute weiß man, dass die Wirklichkeit noch viel komplizierter ist, als das die »reine« Genetik schon vor Jahren andeutete.

Heute heißt es:

Vergesst die Gene! Vergesst die Umwelt! Nicht das einzelne Gen bestimmt, ob wir eine Volkskrankheit bekommen oder früh altern. Maßgeblich ist vielmehr das hochkomplexe, teils genetisch, teils von den Erfahrungen der letzten Jahre und Jahrzehnte gesteuerte Genregulationsmuster in unseren unzähligen Zellen.

Und das ist noch nicht alles:

Hinzu kommen sehr wahrscheinlich die Erfahrungen und Gewohnheiten der vorangegangenen Generationen.

Mit anderen Worten:

Heute spricht vieles dafür, dass nicht nur Charaktereigenschaften der Eltern, sondern auch im Mutterleib gemachte traumatisierte Erfahrungen an die Nachfolgegeneration weitervererbt werden können.

Kurzum:

Das, was die Wissenschaft heute über den Menschen weiß, lässt den Schluss zu, dass wir uns alle - auch genetisch - voneinander unterscheiden. Und wer in Kenntnis dieses Wissens daran festhält, dass wir Menschen genetisch alle gleich sind, der irrt.

Gleichheit kann es nur vor dem Gesetz geben.

02.2 Volk

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Auch das Wort »Volk« benutzen Politiker heute sehr ungern, hängt ihm doch der Geschmack des »Völkischen« an.

Auch hier stellt sich die Frage, die da lautet:

Kennen die Politiker und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages das Grundgesetz nicht?

In der Präambel heißt es:

Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.

Die Deutschen in den Ländern ---- haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.

Ach ja, das Grundgesetz spricht ja auch noch von Volksschulen, Volksvertretungen und von der Staatsgewalt, die vom Volke ausgeht.

Ich will mich kurzfassen.

Das Wort »Volk«, auch in Verbindung mit anderen Wörtern wie z.B. Volksvertretung wird im Grundgesetz häufig verwendet.

Mehr dazu an anderer Stelle in diesem Aufsatz.

02.3 Rassismus

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Rassismus ist nicht nur eine Erfindung des 20. Jahrhunderts.

Die Wurzeln des Rassismus sind viel älter. Die folgenden Ausführungen gehören aber alle zur Geschichte des 20. Jahrhunderts, dessen menschenverachtende Einstellung gegenüber anderen Kulturen und Rassen auch noch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges andauerte und auch heute noch existiert.

[Rassismus der Nazis.] Das, was Adolf Hitler über Rassen schrieb, waren Überzeugungen, die auch in anderen Nationalstaaten Europas bereits vor dem Ersten Weltkrieg weit verbreitete waren.

Das ändert aber nichts daran, dass der von Hitler in seinem Buch »Mein Kampf« beschriebene und in die Tat umgesetzte Rassismus alle Maßstäbe sprengen sollte.

Im 1. Band von »Mein Kampf«, geschrieben 1924 in der Justizanstalt Landsberg, schrieb Adolf Hitler:

[Seite 439:] Das Deutsche Reich soll als Staat alle Deutschen umschließen mit der Aufgabe, aus diesem Volke die wertvollsten Bestände an rassischen Urelementen nicht nur zu sammeln und zu erhalten, sondern langsam und sicher zur beherrschenden Stellung empor zu führen.

[Seite 444:] Nein, es gibt nur ein heiligstes Menschenrecht, und dieses Recht ist zugleich die heiligste Verpflichtung, nämlich: dafür zu sorgen, dass das Blut rein erhalten bleibt, um durch die Bewahrung des besten Menschentums die Möglichkeit einer edleren Entwicklung dieser Wesen zu geben.

Ein völkischer Staat wird damit in erster Linie die Ehe aus dem Niveau einer dauernden Rassenschande herauszuheben haben, um ihr die Weihe jener Institution zu geben, die berufen ist, Ebenbilder des Herrn zu zeugen und nicht Missgeburten zwischen Mensch und Affe.

[Seite 446:] Der völkische Staat hat die Rasse in den Mittelpunkt des allgemeinen Lebens zu setzen. Er hat für ihre Reinhaltung zu sorgen.

[Seite 448:] Es ist im Übrigen die Aufgabe eines völkischen Staates, dafür zu sorgen, dass endlich eine Weltgeschichte geschrieben wird, in der die Rassenfrage zur dominierenden Stellung erhoben wird. [En07] 7

[Rassismus des Faschismus:] Auch die faschistischen Bewegungen und Regime im 20. Jahrhundert waren rassistisch und erklärten die »ethnische Reinigung« ihres Volkskörpers zu ihrem Hauptziel. Emilio Gentile, ein italienischer Historiker und Pionier der Faschismusforschung, skizziert in seinem Aufsatz zum Thema: »Der neue Mensch des Faschismus« diesen »neuen Menschen« wie folgt:

»Mussolini und die Faschisten betrachteten sich als die Avantgarde eines neuen Italien. Sie wollten eine antropologische Revolution ins Werk setzen, die eine neue Rasse von Herrschern, Eroberern und Zivilisationsstiftern hervorbringen sollte. Der Mythos des »neuen Italieners« spielte eine zentrale Rolle in der Kultur, der Politik und den Fernzielen des faschistischen Regimes« [En08] 8

An anderer Stelle heißt es sinngemäß:

Im faschistischen italienischen Projekt spielte die ehrgeizige Idee einer nationalen Wiedergeburt eine wichtige Rolle. Es sei nicht der Geist, sondern der Charakter, der das Überleben der Nation sichere.

[Fazit:] Rassismus ist, in Anlehnung an die Erkenntnisse der Faschismusforschung, auch der Motor des internationalen Faschismus.

[Rassismus im französischen Kolonialismus:] Frantz Fanon (1925 - 1961), ein auf der Insel Martinique geborener Franzose mit dunkelhäutigen Eltern, der 1953 nach Algerien ging, um dort eine Stelle als Chefarzt in einem psychiatrischen Krankenhaus anzutreten, kam dort schon bald mit der algerischen Revolution in Kontakt, die im November 1954 begann und mit der Unabhängigkeit im Juli 1962 endete.

Sein Buch mit dem Titel »Im fünften Jahr der algerischen Revolution« wurde in Frankreich sofort nach seinem Erscheinen verboten. Zu deutlich beschreibt Fanon in diesem Essay das Recht der unterdrückten Algerier, sich vom Rassismus des Kolonialismus unter Anwendung von Gewalt befreien zu dürfen, nein befreien zu müssen.

Wie dem auch immer sei.

»Die Verdammten der Erde«, sein Hauptwerk, erschien 1961. Im Vorwort, das Jean-Paul Sartre schrieb, heißt es unter anderem: »Die Kolonialisierten, also die Bewohner der annektierten Territorien [Algeriens] wurden von den weißen Machthabern »auf die Stufe eines höheren Affen hinabgedrückt, um dem Kolonialherrn die Rechtfertigung dafür zu geben, dass er sie wie Arbeitstiere behandeln konnte. Die koloniale Gewalt hat nicht nur den Zweck, diesen unterdrückten Menschen Respekt einzujagen, sie versucht sie zu entmenschlichen. Mit nichts wird gespart, um ihre Traditionen zu vernichten, um ihre Sprache durch unsere zu ersetzen, um ihre Kultur zu zerstören, ohne ihnen die unsere zu geben; sie werden durch Erschöpfung abgestumpft« (Seite 14).

Frantz Fanon selbst drückt das wie folgt aus:

»Der Kolonisierte entdeckt also, dass sein Leben, sein Atem, seine Herzschläge die gleichen sind wie die des Kolonialherrn. Er entdeckt, dass die Haut eines Kolonialherrn nicht mehr wert ist als die Haut eines Eingeborenen. [...]. Wenn nämlich mein Leben das gleiche Gewicht hat wie das des Kolonialherrn, dann schmettert mich sein Blick nicht mehr nieder, lässt mich nicht mehr erstarren, seine Stimme versteinert mich nicht mehr. Ich bin nicht mehr verwirrt in seiner Gegenwart«. [En09] 9

Mit anderen Worten:

Wer wirklich wissen will, wie Rassismus und Faschismus im Rahmen menschenmöglicher Empathie durch Lesen erfahren werden kann, der sollte Frantz Fanon studieren. Dazu aber gehört nicht nur Zeit, sondern auch Mut, denn Rassismus und Faschismus beschämen.

02.4 Faschismus

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Am Anfang des Faschismus war Mussolini.

Mit anderen Worten:

Die Faschismusforschung ist so alt wie die Geschichte des italienischen Faschismus, die mit der Gründung der Fasci di combattimento im März 1919 ihren Anfang nahm.

Außerhalb dieses italienischen Faschismus ist es sehr schwierig, den Nachweis zu erbringen, dass es sich bei dem jeweils ins Auge gefassten Staat tatsächlich um ein faschistisches System handelt, dennoch wurde »Faschismus« als Sammelbegriff in die Faschismusforschung eingeführt.

Bei Roger Griffin, einem britischen Professor für Zeitgeschichte und einer der beachtetsten Faschismusforscher, heißt es in einem Aufsatz zum Thema »Palingenetischer Ultranationalismus - Die Geburtswehen einer neuen Faschismusdeutung« u.a., dass der persönliche Habitus und die Überzeugungen der Faschisten sowie die faschistische Herrschaftsform und Politik nicht zu verstehen sind, wenn der Faschismus nicht zuerst als Ideologie begriffen wird. »Außerdem«, so Griffin, besteht die emotionale Antriebskraft dieser Ideologie, ihr »mythischer Kern«, in der Vorstellung«, dass sich die Nation, in der sich der Faschismus ausbreitet, sich in einem Zustand der Dekadenz oder des Verfalls befindet, aus dem die Nation nur durch revolutionäres Handeln erlöst werden kann. Faschismus ist somit als eine Bewegung zu verstehen, die einen Prozess der Wiedergeburt, der Erneuerung und der Regeneration mit revolutionären Mitteln erzwingen will. (Seite 18).

An anderer Stelle heißt es:

»Das faschistische und das nationalsozialistische Regime waren offensichtlich sehr verschieden, und unter den Experten herrschte wenig Übereinstimmung darüber, ob es gemeinsame Nenner gab, die auf eine unter der Oberfläche vorhandene Verwandtschaft deuten könnte« (Seite 20).

Noch deutlicher:

»Der Faschismus an der Macht [...] ist die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals« (Seite 23).

Darüber hinausgehend hat die Faschismusforschung herausgefunden, dass der Faschismus durchaus auch als eine Ersatz- oder Pseudoreligion angesehen werden kann.

Im Übrigen begreifen sich Faschisten als Tatmenschen, deren Willensstärke als Ausdruck ihrer Geisteshaltung und ihrer rassischen Zugehörigkeit angesehen werden kann.

Im Übrigen ist Faschismus ohne Führerkult undenkbar. [En10] 10

[Persönliche Anmerkungen:] Es spricht nicht gerade für die politische Bildung derjenigen Personen in Deutschland, die ihren Protest gegen die AfD öffentlich kundtun, indem diese politische Bewegung wie folgt etikettiert wird:

  • AfD: Die neuen Faschisten?

  • AfD und Pegida – Die neuen Faschisten?

  • Faschismus in der AfD?

Auch das verwendete Fragezeichen vermag fehlendes Wissen darüber, was Faschismus wirklich ist, nicht zu übertünchen.

Gleiches gilt auch für den Gebrauch der oben skizzierten Sprache im Internet und in den Medien. Wer politisch Andersdenkende so etikettiert, der darf sich nicht wundern, wenn solch ein Kommunikationsverhalten gerade das Gegenteil von dem erzeugt, was verhindert werden soll und muss.

Nicht Parolen sind es, die skandiert werden müssen, um der AfD den Wind aus den Segeln zu nehmen. Solch ein Erfolg ist nur dann zu erwarten, wenn die Auseinandersetzung mit der AfD argumentativ und substantiell geführt wird.

Populismus, den man bei der AfD beklagt, lässt sich mit gleichen Mitteln aus dem Mund der sogenannten »rechten Demokraten« nicht aus der Welt schaffen.

03 Rasse, Volk und Leitkultur im GG und in den Wahlprogrammen

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In den folgenden Randnummern wird der Versuch unternommen, aufzuzeigen, warum die in der Überschrift aufgeführten Begriflichkeiten im politischen Diskurs in Deutschland bisher weitgehend vermieden werden, indem man sie entweder nicht gebraucht, bzw. nur dann gebraucht, um »Rechte« in die jeweils passende Schublade einordnen zu können:

  • Rasse

  • Volk

  • Leitkultur.

Diese drei Worte sollten bei der Auseinandersetzung mit »Rechts«, um folgende Worte ergänzt werden.

  • Gott

  • Religion

  • Kirche
    und

  • Islam.

Aber entscheiden Sie selbst.

03.1 Das Grundgesetz zu Rasse, Volk und Christenheit

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Wie bereits schon an anderer Stelle festgestellt, wird das Wort »Rasse« im GG nur einmal verwendet. Dennoch erhält dieses Wort dadurch den Rang verfassungsrechtlicher Bedeutung, denn es ist Bestandteil von Art. 3 GG.

[Gott:] Einem Liberalen, dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss (FDP), ist es übrigens zu verdanken, dass das Wort Gott, das einzige Wort, das sozusagen symbolhaft für den zentralsten Wert abendländischen Denkens steht, in die Präambel aufgenommen wurde.

»Er [Theodor Heuss = AR] warnte vor der Gefahr einer nur »historisch-leitartikelmäßigen Darstellung«, die der Präambel etwas von der Würde des Bleibenden, Überzeitlichen raube, und fuhr fort: »In der Theologie gibt es das Wort von dem »Numinosen«, von dem, was das Geheimnisvolle, das Zeichenhafte ist. Und etwas Numinoses muss in der Präambel drin sein; um Gottes willen nicht in der ganzen Verfassung, denn dann verunklart es die Rechtsdinge, aber gehobene Sprache, feierlicher Duktus der Worte, Kadenz der Sätze. Die Präambel muss eine gewisse Magie des Wortes besitzen. Man könnte auch von einer profanen Liturgie sprechen, die in einem solchen Staatsgrundgesetz ihren Platz finden will. Das Numinos flieht aber vor einer Ortsbezeichnung wie Bonn, vor einer Datumsbezeichnung wie dem 1. September 1948 [erste Sitzung des Parlamentarischen Rates = AR] und vor der Bezeichnung »Parlamentarischer Rat«. Parlamentarischer Rat ist eine ganz nette Bezeichnung; aber sie ist doch eigentlich eine historische Notiz und markiert nur die geschichtliche Situation. Das alles ist ohne das Sakrale zu wenig.« [En11] 11

So kam Gott doch noch ins Grundgesetz.

Wiederholt wird das Wort »Gott« nur noch einmal im Zusammenhang mit der Vereidigung des Bundespräsidenten. Im Art. 56 GG heißt es: Der Bundespräsident leistet bei seinem Amtsantritt vor den versammelten Mitgliedern des Bundestages und des Bundesrates folgenden Eid:

»Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe

Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden.

[Christ:] Dieses aus 6 Buchstaben bestehende Wort kennt das Grundgesetz nicht, obwohl ohne diese sechs Buchstaben die abendländische Kultur, so wie wir sie heute kennen, nicht beschrieben und verstanden werden kann - und das gilt auch für die Entstehung der Grund- und Menschenrechte.

[Volk:] Mit dem Wort »Volk« geht das Grundgesetz geradezu verschwenderisch um. Die Wortkombination das »Deutsche Volk« wird viermal verwendet, das Wort »Volk/Volke/Volkes« siebzehnmal und in Kombination mit anderen Worten, wie zum Beispiel Volkssouveränität, Volksvertretung, Volksschule, Volksentscheid und Volksbefragung macht das GG an vielen anderen Stellen deutlich, dass das Volk im Grundgesetz eine zentrale Rolle einnimmt.

Mit anderen Worten:

Man könnte fast meinen, dass es sich bei dem Grundgesetz um ein reaktionäres Pamphlet handelt, weil es sich einer Sprache bedient, die heute geflissentlich überlesen und deshalb auch nicht mehr gesprochen wird.

Dennoch:

Wir sind das Volk.

So zumindest die Sprechchöre Tausender von Menschen anlässlich von Montagsdemonstrationen in Leipzig und in anderen Städten in der ehemaligen DDR, die mit dazu beitrugen, dass 1989 die Mauer zum Einsturz gebracht werden konnte.

Heute werden die gleichen Worte skandiert, um anlässlich öffentlicher Versammlungen gegen eine multikulturelle Gesellschaft zu demonstrieren.

Was bleibt, ist eine offene Frage.

Wer ist »Wir«?

Nicht ganz unbedeutende Beiträge bei der Suche auf Antworten auf die Frage, wer ist »Wir« lassen sich in den Wahlprogrammen der Parteien finden, deren Vertreter am 24. September 2017 vom Volk als Abgeordnete des 19. Deutschen Bundestages gewählt wurden.

Die Reihenfolge von Zitaten aus diesen Wahlprogrammen orientiert sich an der Anzahl der Abgeordneten, durch die die jeweiligen Parteien im Deutschen Bundestag vertreten sind, also an der Fraktionsstärke.

03.2 CDU-Wahlprogramm  2017

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Das Wort »Volk« wird im Wahlprogramm der CDU/CSU nur im Zusammenhang mit Volkskrankheiten, Volksparteien und Volkswirtschaft verwendet.

Zu den christlichen Wurzeln heißt es im Wahlprogramm, Zitat: »Die Aufklärung und unser christlich-jüdisches Erbe prägen Deutschland bis heute und sind und bleiben ein wichtiges Fundament. Die christlichen Kirchen leisten seit Jahrzehnten einen unverzichtbaren Beitrag zum geistigen Leben in Deutschland und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Und:

»Die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation haben uns noch einmal eindringlich vor Augen geführt, wie eng unsere Geschichte und unsere Kultur mit den christlichen Kirchen verbunden sind.«

Zur Leitkultur heißt es, Zitat: »Darüber hinaus ist jedes Land angewiesen auf ein einigendes Band in Form von innerem Zusammenhalt und Identität. Dies ist unsere freiheitliche Leitkultur, die wir bewahren und stärken: für die Gegenwart und für die Zukunft. Die Leitkultur ist eine ungeschriebene Voraussetzung für ein gutes Zusammenleben in Deutschland. Deshalb treten Staat, Politik und Gesellschaft, für sie ein und fördern sie:
Wir wollen helfen, dass sich der friedliche und integrationsbereite Islam in Deutschland auf dem Boden des Grundgesetzes so organisiert, dass er Verhandlungs- und Dialogpartner von Staat und Gesellschaft sein kann. Den Missbrauch des Islam für Hass, Gewalt, Terrorismus und Unterdrückung lehnen wir gemeinsam mit allen friedlichen Muslimen ab und akzeptieren ihn nicht.«

[Hinweis:] Im Gegensatz zum ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU), der in seiner Eigenschaft als Bundespräsident 2010 gesagt hatte »Der Islam gehört zu Deutschland!« wird diese Aussage im Wahlprogramm nicht wiederholt, obwohl die Bundeskanzlerin im Januar 2015, anlässlich des Besuchs des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu in Berlin sagte:

»Unserer früherer Bundespräsident Christian Wulff hat gesagt, der Islam gehört zu Deutschland. Das ist so. Dieser Meinung bin ich auch.« [En12] 12

Wahlprogramm CDU

03.3 SPD-Wahlprogramm 2017

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Das Wort »Volk« wird nur im Zusammenhang mit Volkswirtschaft und Volkshochschulen und im Rahmen der Verbesserung der Lebensverhältnisse von Volksgruppen, verwendet.

Zitat: »Der interreligiöse Dialog und das Wissen über Religionen und Kulturen sind wichtig für ein friedliches Miteinander und gegenseitigen Respekt. Wer ein aufgeklärtes Wissen über die eigene und über andere Religionen hat, ist oft weniger anfällig für Extremismus. Wir wollen daher allen Kindern Religions- und Ethikunterricht ermöglichen. Wir unterstützen den islamischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen und in deutscher Sprache auch aus präventiven Gründen. Dabei verfolgen wir das Ziel, dass islamische Religionslehrerinnen und -lehrer sowie Imame an deutschen Lehrstühlen ausgebildet werden.

Muslime und der Islam sind Teil unseres Landes.

Wir wollen ein modernes und weltoffenes Deutschland – mit einer Gesellschaft, die zusammenhält, und in der wir in Frieden und Freiheit zusammenleben – über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg.«

Erinnerungskultur – Gedenken und Erinnern:

Zitat: »Erinnern und Gedenken sind zentrale Aufgaben einer offenen und modernen Gesellschaft. Für uns ist Zukunft an das Bewusstsein für unsere Geschichte und unsere Verantwortung geknüpft. Das Gedenken an die NS-Terrorherrschaft muss weiterhin eine herausgehobene Stellung in der Erinnerungskultur einnehmen. Die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen sind singulär in der Menschheitsgeschichte.

Das Gedenken an die beiden deutschen Diktaturen darf nicht mit Verweis auf die jeweils andere zu einer Relativierung der NS-Terrorherrschaft führen, noch zu einer Bagatellisierung des SED-Unrechts.

Die Erinnerung an den systematischen Völkermord an den europäischen Juden bleibt für die Sozialdemokratie von außerordentlicher Bedeutung.«

Wahlprogramm SPD

03.4 AfD-Wahlprogramm 2017

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Das deutsche Volk nimmt einen besonderen Stellenwert im Wahlprogramm der AfD ein.

Die AfD fordert:

  • Volksabstimmungen nach Schweizer Modell

  • Das Volk muss wieder zum Souverän werden

  • Wir wollen dem Volk das Recht geben, den Abgeordneten auf die Finger zu schauen und vom Parlament beschlossene Gesetze zu ändern oder abzulehnen.

  • Ohne Zustimmung des Volkes darf das Grundgesetz nicht geändert und kein bedeutsamer völkerrechtlicher Vertrag geschlossen werden.

  • Der Bundespräsident soll direkt durch das Volk gewählt werden.

[Christen und Islam:] Zitat: »Das Minarett lehnt die AfD als islamisches Herrschaftszeichen ebenso ab wie den Muezzin-Ruf, nach dem es außer dem islamischen Allah keinen Gott gibt. Es handelt sich hierbei um religiösen Imperialismus.

Minarett und Muezzin-Ruf stehen im Widerspruch zu einem toleranten Nebeneinander der Religionen, das die christlichen Kirchen, jüdischen Gemeinden und andere religiöse Gemeinschaften in der Moderne praktizieren.

Deutsche Leitkultur statt »Multikulturalismus«

Die AfD bekennt sich zur deutschen Leitkultur. Diese fußt auf den Werten des Christentums, der Antike, des Humanismus und der Aufklärung. Sie umfasst neben der deutschen Sprache auch unsere Bräuche und Traditionen, Geistes- und Kulturgeschichte. Unser liberaler Rechtsstaat, unsere Wertschätzung von Bildung, Kunst und Wissenschaft und der sozialen Marktwirtschaft als Ausdruck menschlicher Kreativität und Schaffenskraft sind damit engstens verbunden.

Die Ideologie des »Multikulturalismus« gefährdet alle diese kulturellen Errungenschaften. Die AfD wird nicht zulassen, dass Deutschland aus falsch verstandener Toleranz sein kulturelles Gesicht verliert.

Die deutsche Sprache ist Zentrum unserer Identität.

Und zum Islam heißt es, Zitat: »Der in Europa bereits stattfindende Kulturkampf zwischen Abendland und dem Islam als Heilslehre und Träger von nicht integrierbaren kulturellen Traditionen und Rechtsgeboten kann nur abgewendet werden durch ein Bündel von defensiven und restriktiven Maßnahmen, die eine weitere Zerstörung der europäischen Werte des Zusammenlebens aufgeklärter Bürger verhindern.«

Zitat: »Der Islam gehört nicht zu Deutschland. In der Ausbreitung des Islam und der Präsenz von über 5 Millionen Muslimen, deren Zahl ständig wächst, sieht die AfD eine große Gefahr für unseren Staat, unsere Gesellschaft und unsere Werteordnung.«

Wahlprogramm AfD

03.5 FDP-Wahlprogramm 2017

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Das Parteiprogramm der FDP enthält das Wort »Volk« nur in Verbindung mit den Wörtern »Volkswirtschaft« oder »volkswirtschaftlich«.

Das Wort »Religion« wird als Sammelbegriff verwendet, etwa in dem Sinne, dass jeder eigenverantwortlich darüber entscheidet, ob er einer Religionsgemeinschaft angehört oder nicht.

Zitat: »In unserer Republik hat gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wie Antisemitismus und Islamfeindlichkeit keinen Platz. Im Rahmen dieser Ordnung muss es jedem Menschen freigestellt sein, so zu leben, wie er es für richtig hält; auch wenn dies den Traditionen der Mehrheitsgesellschaft widersprechen mag.«

Die Bekämpfung islamistischer Terrorgruppierungen und die Bekämpfung des radikalen Salafismus nehmen im Wahlprogramm dennoch einen bedeutenden Platz ein.

Die Wörter »Christ« oder »christlich« kommen im Wahlprogramm nicht vor.

Zitat: »Wir Freie Demokraten wollen eine Kultur des Gründergeistes und der Risikobereitschaft fördern.«

Zur Leitkultur (das Wort steht nicht im Wahlprogramm), heißt es:

»Im Rahmen dieser Ordnung muss es jedem Menschen freigestellt sein, so zu leben, wie er es für richtig hält; auch wenn dies den Traditionen der Mehrheitsgesellschaft zu widersprechen vermag. Denn wir lehnen es prinzipiell ab, wenn eine Mehrheit versucht, dem einzelnen Individuum ihre Kultur aufzuzwingen, sondern respektieren jeden Menschen so, wie er ist.«

Wahlprogramm FDP

03.6 DIE LINKE-Wahlprogramm 2017

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Das Wahlprogramm DIE LINKE enthält das Wort »Volk« nur im Zusammenhang mit: Volksentscheid, Volkshochschulen, Volksbegehren, Volksinitiativen.

Zitat: »DIE LINKE setzt sich für die Förderung des Dialogs mit dem Ziele der Verständigung und der Bekämpfung von Vorurteilen ein. Dies betrifft auch den Diskurs mit christlichen Kirchen, jüdischen Gemeinden und nicht jüdisch-christlichen Glaubensgemeinschaften. Insbesondere von einem Dialog mit den vielfältigen muslimischen Gemeinschaften erhoffen wir uns emanzipatorische Fortschritte auf beiden Seiten sowie ein konfliktärmeres Zusammenleben.

Mit anderen Worten:

Wir müssen voneinander lernen wollen.«

Im Wahlprogramm heißt es weiter:

»Wir verteidigen die Freiheit zur und von der Religion und die Trennung von Staat und Kirche.

Eine interkulturelle Öffnung der Verwaltungen und Unternehmen ist erforderlich.

Wir verteidigen die Freiheit der Gedanken, des Gewissens und Glaubens. Gegen einen vermeintlichen »Kampf der Kulturen« unterstützen wir den Einsatz von Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen und Religionen für globale soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden.« 

Wahlprogramm DIE LINKE

03.7 DIE GRÜNEN-Wahlprogramm 2017

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Das Wort »Volk« wird im Zusammenhang mit Volkswirtschaft, jüdisches Volk, Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid verwendet.

Die historischen Staatsleistungen [gemeint ist die Kirchensteuer = AR] an die beiden großen christlichen Kirchen wollen wir endlich ablösen. Die Kirchenfinanzen sollen transparenter werden und den aktuellen Kirchensteuereinzug wollen wir so reformieren, dass Gleichbehandlung und Datenschutz gewährleistet sind.

In der Kultur darf es keine Grenzen geben, die im Namen einer angeblichen »kulturellen Identität« darüber bestimmen, wer dazugehört und wer nicht. Eine demokratische Gesellschaft lebt vom lebendigen Austausch der Kulturen – und sie eröffnet und schützt künstlerische Freiräume. Kultur ist gemeinsames Gut.

Für uns GRÜNE gehört auch der Islam zu Deutschland, wie alle anderen Religionen und Weltanschauungen. Islamistischer Terrorismus ist eine der größten Bedrohungen unserer Zeit.

Wahlprogramm DIE GRÜNEN

04 100 Jahre Rasse, Volk und Leitkultur im Überblick

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Im Folgenden wird der Versuch unternommen, aufzuzeigen, wie sich im Laufe der vergangenen hundert Jahre die Vorstellungen von Rasse, Volk und Leitkultur aus der Sicht wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt haben.

Dass die in dieser Randnummer verwendeten Zitate aus Hitlers »Mein Kampf« nicht als wissenschaftliche Erkenntnisse angesehen werden können, dürfte offenkundig sein. Sie deshalb nicht zu gebrauchen, wäre aber nicht nur unvollständig, sondern auch - in Bezug auf das hier zu erörternde Thema - unverzeihlich.

Auch die aus Romanen zitierten Textstellen, die nach 1975 veröffentlicht wurden, erheben keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Dennoch ist es Künstlern - auch Schriftsteller sind Künstler - oftmals möglich, Vorstellungen und Meinungen in den Köpfen von Menschen zu bilden, die die die Wissenschaft nicht erzeugen kann, weil sie mit »Kunst« als »Produkt ihrer Arbeit« in der Regel nichts anzufangen weiß.

Wichtiger Hinweis:

Es wurden nur solche Quellenzitate ausgewählt, die nach heute üblichen Einteilungen der Kategorie »Rechts« zugeordnet werden können.

04.1 1918: Oswald Sprengler

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Oswald Sprenglers (1880 - 1936) zweibändiges Werk »Der Untergang des Abendlandes« erschien erstmalig 1918. Die Ausgabe des Anaconda-Verlags, aus der im Folgenden zitiert wird, umfasst 1432 Seiten. Sprengler begann seine Arbeit an diesem monumentalen Werk 1911 und schloss sie 1917 ab.

Spenglers Arbeit, die auch heute noch kontrovers diskutiert wird, lehnt in diesem Geschichtswerk eine lineare Geschichtsschreibung, welche die »Geschichte der Menschheit als Geschichte des Fortschritts« erzählt, kategorisch ab.

Stattdessen vertritt er eine Zyklentheorie, nach der immer wieder neue Kulturen entstehen, die, nachdem sie eine Blütezeit durchlaufen haben, sich langsam zersetzen, bevor sie untergehen.

Den Verfall von Kulturen sieht Sprengler im nachlassenden Glauben an gemeinsame Wertvorstellungen, insbesondere im Verlust gemeinsamer religiöser Überzeugungen.

Wer an nichts mehr glaubt, so Sprengler, was ein Volk zur »Volksgemeinschaft« werden lässt, der ist sozusagen Zeuge seines Verfalls.

Schon der Titel des Werkes »Kultur des Abendlandes« suggeriert aus heutiger Sicht, dass der Untergang des Abendlandes in Bälde zu erwarten ist, weil es - so die Sichtweise der AfD - bald von Flüchtlingen überschwemmt sein wird.

Dieser Gedanke lag Oswald Sprengler fern. Für ihn sind die Gründe für den Untergang des Abendlandes selbstverschuldet.

Entscheiden Sie selbst, welchem politischen Spektrum die folgenden Zitate aus Sprenglers Werk zuzuordnen sind:

  • Die Menschheit? Das ist ein Abstraktum. Es hat von jeher nur Menschen gegeben und wird nur Menschen geben. Der Geschichte des höheren Menschentums gegenüber herrscht ein zügelloser, alle historische [...] Erfahrung verachtender Optimismus in Bezug auf den Gang der Zukunft vor, nicht weil sie wissenschaftlich bewiesen ist, sondern weil er [der Optimismus] sie wünscht (S. 53).

  • Die Zivilisation ist das unausweichliche Schicksal einer Kultur. Hier ist der Gipfel erreicht [...]. Zivilisationen sind die äußersten und künstlichsten Zustände, deren eine höhere Art von Menschen fähig ist (S. 70).

  • Zivilisierte Politik von morgen ist der Gegensatz zur kultivierten von gestern. Im Abendland [wird diese Politik] durch die Macht des Geldes repräsentiert (S. 76).

  • Der westeuropäische Mensch steht [...] unter dem Einfluss einer ungeheueren optischen Täuschung, jeder ohne Ausnahme. Alle fordern etwas von den anderen. [...]. Der Glaube daran und an das Recht dazu ist unerschütterlich (S. 543).

  • Es gibt so viele Morallehren, wie es Kulturen gibt, nicht mehr und nicht weniger. Niemand hat hier eine freie Wahl. Jede Kultur hat dafür ihren eigenen Maßstab, dessen Gültigkeit mit ihr beginnt und endet. Es gibt keine allgemein menschliche Moral (S. 549).

  • Wissenschaftliche Welten sind oberflächliche Welten, praktische, seelenlose, rein extensive Welten (S. 563).

  • Für mich ist Volk eine Einheit der Seele. [...]. Einen anderen Inhalt des Wortes Volk gibt es nicht (S. 917).

  • Völker im Stil einer Kultur nenne ich Nationen und unterscheide sie schon durch das Wort von den Gebilden vorher und nachher. Es ist nicht nur ein starkes Gefühl des »Wir«, das diese bedeutsamsten aller großen Verbände innerlich zusammenschließt. Der Nation liegt eine Idee zugrunde (S. 925).

  • Nationen verstehen sich so wenig wie einzelne Menschen. Jede versteht nur ein selbstgeschaffenes Bild des anderen (S. 927).

  • In der geschichtlichen Wirklichkeit gibt es keine Ideale; es gibt nur Tatsachen. Es gibt keine Wahrheiten; es gibt nur Tatsachen. Es gibt keine Gründe, keine Gerechtigkeit, keinen Ausgleich, kein Endziel; es gibt nur Tatsachen (S. 1220).

  • Je selbstverständlicher das alles ist, je weniger man darüber redet oder gar streitet, desto vollkommener ist ein Staat, desto höher ist der Rang, die geschichtliche Leistungsfähigkeit und damit das Schicksal einer Nation. [...]. Aus diesem Grunde ist in jedem gesunden Staat der Buchstabe der geschriebenen Verfassung von geringerer Bedeutung gegenüber dem Brauch der lebendigen »Verfassung« [...], die sich aus Erfahrungen der Zeit, der Lage und vor allem aus den Rasse-Eigenschaften der Nation ganz von selbst und unbemerkt entwickelt hat (S. 1221).

  • Politische Begabung einer Menge ist nichts als Vertrauen auf die Führung. Aber sie will erworben werden; sie will langsam reifen, durch Erfolge bewährt und zur Tradition geworden sein. Mangel an Führungseigenschaften in der herrschenden Schicht ist es, was als mangelndes Gefühl der Sicherheit bei den Beherrschten zum Vorschein kommt, und das Volk sozusagen außer Form geraten lässt (S. 1333).

  • Was ist Wahrheit? Für die Menge das, was man ständig liest und hört. Mag ein armer Tropf irgendwo sitzen und Gründe sammeln, um die »Wahrheit« festzustellen - es bleibt seine Wahrheit. Die andere, die öffentliche des Augenblicks, auf die es in der Tatsachenwelt der Wirkungen und Erfolge allein ankommt, ist heute ein Produkt der Presse (S. 1366).

  • Durch das Geld vernichtet die Demokratie sich selbst, nachdem das Geld den Geist vernichtet hat (S. 1370).

  • Wir haben nicht die Freiheit, dies oder jenes zu erreichen, aber die, das Notwendige zu tun oder nichts. Und eine Aufgabe, welche die Notwendigkeit der Geschichte gestellt hat, wird gelöst, mit dem Einzelnen oder gegen ihn (letzter Satz auf Seite 1432).

04.2 1922: Gustave Le Bon

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Gustave Le Bon (1841 - 1931) war ein französischer Sozialpsychologe. Er gilt als Begründer der Massenpsychologie. Sein Buch »Psychologie der Massen« kann auch heute noch als ein Standardwerk der Soziologie angesehen werden. Im Gegensatz dazu ist sein Essay zum Thema: »Psychologische Grundgesetze in der Völkerentwicklung aus dem Jahr 1894«, das 1922 ins Deutsche übersetzt, und im Verlag von G. Hirzel in Leipzig verlegt wurde, weitgehend in Vergessenheit geraten.

Dennoch enthält es für die Fragestellung dieses Aufsatzes bedeutsame Inhalte.

Die folgende Auswahl von Zitaten macht deutlich, warum das so ist.

Bereits in der Vorrede heißt es:

  • Die Kenntnis der Rassenseele ermöglicht die Entzifferung der Hieroglyphen der Geschichte. Sie erklärt uns die Ursachen von Größe und Niedergang und lehrt uns zu verstehen, warum gewisse Völker sich vermischen, während andere es nie tun. Die Rasse ist der Pfeiler, auf dem das Gleichgewicht der Völker ruht.

  • Der Mensch ist also, was er auch immer tun möge, immer und vor allem der Vertreter seiner Rasse (S. 10).

  • Wir müssen also die Rasse als ein von der Zeit losgelöstes Dauerwesen betrachten (S. 10).

  • Die Entwicklung eines Volkes in der Geschichte [...] wird durch seinen Charakter, nicht durch seine Verstandesanlagen geprägt (S. 24).

  • Der Einfluss des Charakters herrscht im Leben der Völker vor, während der der Verstandesfähigkeiten im Vergleich dazu oft sehr schwach ist (S. 24).

  • Soll eine Nation sich bilden und von Dauer sein, so muss sie sich langsam gebildet haben [...] der Einwirkung derselben Umwelt unterliegen und die gleichen Einrichtungen und Glaubenslehren haben (S. 40).

  • Die religiösen Glaubenslehren waren immer das ursprüngliche Element des Lebens der Völker und daher ihrer Geschichte (S. 117).

  • Wenn eine Gesellschaft lange Zeit bestehen will, so muss sie vor allem einen Geisteszustand zu schaffen suchen, der den Menschen glücklich macht. [...]. Einer der großen Irrtümer der modernen Zeit ist der Glaube, nur die äußeren Dinge enthielten das Glück. Das Glück wohnt, geschaffen von uns selbst, in uns und fast niemals außerhalb. Nachdem wir die Ideale der alten Zeit zerbrochen haben, stellen wir heute fest, dass es recht schwer ist, ohne sie zu leben, und dass wir zur Vermeidung unseres Untergangs das Geheimnis finden müssen, sie zu ersetzen (S. 118).

  • Grenzenlose Geldsucht entwickelt sich überall. Der Einzelne kennt schließlich keine andere Sorge mehr als die um sich selbst. Das Gewissen gibt den Kampf auf, die allgemeine Sittlichkeit sinkt und entschwindet nach und nach ganz. Der Mensch verliert jede Herrschaft über sich selbst, und wer sich nicht zu beherrschen weiß, ist dazu verurteilt, bald von anderen beherrscht zu werden (S. 134).

04.3 1923: Möller van den Bruck

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Arthur Ernst Wilhelm Victor Moeller van den Bruck (1876 - 1925) war ein deutscher Kulturhistoriker, Staatstheoretiker und völkisch-nationalistischer Publizist. Er gehörte zu den herausragenden Vertretern der sogenannten »Konservativen Revolution« in den 1920er-Jahren. Sein 1923 erschienenes Hauptwerk trägt den Titel »Das Dritte Reich«. Moeller trug damit zur Verbreitung der von Dietrich Eckart geprägten Bezeichnung »Drittes Reich« bei.

Dietrich Eckart (1868 - 1923) war ein Publizist, Verleger und ein früher Anhänger des Nationalsozialismus und Ideengeber Adolf Hitlers. [En13] 13

Was in dem Buch von Möller van den Bruck steht, lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Sozialistisch
    Jedes Volk hat seinen eigenen Sozialismus

  • Liberal
    Am Liberalismus gehen die Völker zugrunde
    Er hat Religionen vernichtet
    Er hat Vaterländer zerstört
    Er war und ist die Selbstauflösung der Menschheit
    Naturvölker kennen keinen Liberalismus
    Aber Gesellschaftsvölker, Nationen, die aufgehört haben, Volk zu sein, haben dem Liberalismus den Raum gegeben, den er für sich beansprucht.

  • Demokratie
    Demokratie ist Anteilnahme eines Volkes an seinem Schicksal
    Nicht die Staatsform macht die Demokratie aus, sondern die Anteilnahme des Volkes am Staate
    Völker wie Menschen machen ihr Schicksal selbst, aber für Unmündige wird es gemacht.
    Auf Seite 152 heißt es sinngemäß:
    Wir haben gesagt, was wir unter Demokratie verstehen: die Anteilnahme eines Volkes an seinem Schicksal. Jetzt gibt es für dieses Volk nur eine Rettung, ihr Wille zur Veränderung.
    Und wörtlich heißt es auf Seite 153:
    »Dieser Wille ist jetzt unsere einzige Gewissheit, und völlig gleichgültig scheint uns zu sein, ob wir diesen Willen, wenn das Volk in ihm durchhält, dann noch einen demokratischen Willen nennen. Aber alles hängt davon ab, ob er ein nationalisierter Wille ist: der Wille einer Nation, welche weiß, was sie will, und welche tut, was sie muss, um wieder frei zu werden.«

  • Reaktionär
    Politik lässt sich rückgängig machen, Geschichte nicht.
    Auf Seite 237 heißt es:
    Der liberale Mensch hat einen relativen Standpunkt. Er ist jederzeit bereit, ihn aufzugeben und einen anderen einzunehmen, wenn die allgemeine Konjunktur und eine ihr entsprechende Nützlichkeitserwägung dies nahelegen, und sich ein Schlagwort findet, mit dem sich der Standpunktwechsel nur eben rechtfertigen lässt.
    Der reaktionäre Mensch hat einen absoluten Standpunkt, auf den er sich versteift. Charakter wird Eigensinn, das Leben erstarrt als Staat, es stockt um ihn her und es stockt in ihm.
    Und auf Seite 239 heißt es:
    Der reaktionäre Mensch ist eine Gefahr für die Nation. Er ist nicht eingestellt in die Richtung, die ihre Vorbestimmung ihr weist. Er ist quergestellt und empfindet sich nicht innerlich eins mit ihrem Willen und ihrem Wachstum.

  • Konservativ
    Konservativismus hat die Ewigkeit für sich
    Auf Seite 243 heißt es:
    (Der konservative Mensch) sagt sich, dass unser Leben nicht ausreicht, um die Dinge zu schaffen, die sich der Geist, der Wille, die Entschlusskraft eines Menschen vornimmt. Er sieht, dass wir als Menschen, die in eine bestimmte Zeit geboren werden, immer nur fortsetzen, was andere begonnen haben, und dass wiederum dort, wo wir abbrechen, andere abermals aufnehmen. Er sieht den einzelnen Menschen vergehen, aber das Ganze seiner Verhältnisse bestehen bleiben. Er sieht lange Geschlechterfolgen im überlieferten Dienste eines einzigen Gedankens. Und er sieht Nationen am Bau ihrer Geschichte.
    An anderer Stelle heißt es:
    Der liberale Mensch ist anderer Meinung, als der konservative Mensch. Für den liberalen Menschen ist das Leben ein Selbstzweck. Er fordert die Freiheit als Mittel, um es ausgiebig genießen zu können, und als sicherste Gewähr, um den Menschen, wie er sagt, das größtmögliche Glück zu verschaffen. Wenn nur ein genießendes Geschlecht auf das andere folgen kann, dann ist, meint er, die menschliche Wohlfahrt sichergestellt - und jedenfalls die eigene Wohlfahrt, auf die es ihm vor allem ankommt (S. 243/244).

  • Das Dritte Reich
    Nur das Bewusstsein weiß, was Bestimmung einer Nation ist. Nur das Bewusstsein erkennt den Zusammenhang der Werte einer Nation. Nur das Bewusstsein kann der Nation sagen, dass Zugehörigkeit zu ihr diejenige zu einer Wertungsgemeinschaft bedeutet. Der demokratische Mensch, der noch immer zu kosmopolitischen Gesichtspunkten neigt, und erst recht der proletarische Mensch, der noch immer internationalistischen Gedankengängen nachhängt, spielen gern mit der Vorstellung, dass es überhalb von Sprache und Land einen vermischenden Bereich geben soll, in dem die Unterschiede zwischen den Werten des einen Volkes und denen des anderen Volkes verschwinden.
    Der nationalistische Mensch geht umgekehrt von den Werten als dem Eigentümlichsten aus, das eine Nation besitzt, als dem Atem ihres Wesens, das darin zur Gestalt wird und das, wie alles Wesentliche, auf einem Gewicht beruht, das keine Verlagerung verträgt (S. 308).
    Sinngemäß heißt es weiter, dass trotz alles Rätselhaften, Bruchstückhaften, Unbegreiflichen und Irrationalen in der Geschichte einer Nation, wir die Kraft haben müssen, mit diesen Gegensätzen zu leben.
    Auf Seite 320 heißt es:
    Der deutsche Nationalismus ist Streiter für das Endreich. Es ist immer verheißen. Und es wird niemals erfüllt. Es ist das Vollkommene, das nur im Unvollkommenen erreicht werden kann.
    Der letzte Satz des Buches lautet:
    »Das Tier im Menschen kriecht heran. Afrika dunkelt in Europa herauf. Wir haben die Wächter zu sein an der Schwelle der Werte.«

Nur um Missverständnissen vorzubeugen:

Das Buch wurde 1923 veröffentlicht, 10 Jahre vor der Machtergreifung durch Adolf Hitler. Ursprünglich sollte das Buch den Titel »Die dritte Partei« führen, denn der Autor verstand sein Werk als eine radikale Kritik an der Parteiherrschaft der Weimarer Republik, auf die er das Elend seiner Zeit zurückführte und das nur von einer dritten Partei wieder ins Lot gebracht werden konnte, die sich aus den Konservativen des neuen Geistes zusammensetzte, um das neue Dritte Reich zu gründen.

[Hinweis:] Das Heilige Römische Reich deutscher Nation (962 - 1806) wurde von Otto I. gegründet.

  • Das 1. Deutsches Reich bestand von 1870/71 bis 1919 (10.12.1870: der Norddeutsche Bund wird zum „Deutschen Reich“)

  • Das 2. Deutsches Reich, 1919 - 1933 (Weimarer Republik) ist das so genannte Zwischenreich

  • Das 3. Reich sollte nach den Vorstellungen von Möller van den Bruck ein zu schaffendes konservatives und zukunftsfähiges Drittes Reich sein.

    Heute steht das 3. Deutsche Reich für die Zeit des Naziregimes (1933 - 1945). Die Metapher »Drittes Deutsches Reich« wurde nämlich von den Nazis aufgegriffen, um kundzutun, dass sie der Tradition der großen deutschen Reiche stehen. Als aber politische Gegner mit dem Vierten Reich das Ende des Dritten Reiches ankündigten, wurde der Begriff offiziell nicht mehr verwendet.

04.4 1924: Adolf Hitler

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Adolf Hitler (1889 - 1945) war von 1933 bis 1945 Reichskanzler und Diktator des Deutschen Reiches. Sein Buch »Mein Kampf« enthält die antisemitische und rassistische Ideologie des Nationalsozialismus. Den ersten Band schrieb Hitler 1924 in seiner Haftzelle in Landsberg, den zweiten Band verfasste Hitler später.

Die Bücher waren aus heutiger Sicht »Bestseller«.

Bis 1944 wurden 10,9 Millionen publiziert und verkauft.

  • Wer sein Volk liebt, beweist es einzig durch die Opfer, die er für dieses zu bringen bereit ist. Nationalgefühl, das nur auf Gewinn ausgeht, gibt es nicht. Nationalismus, der nur Klassen umschließt, gibt es ebenso wenig. Hurraschreien bezeugt nichts und gibt kein Recht, sich national zu nennen, wenn dahinter nicht die große lebende Sorge für die Erhaltung eines allgemeinen, gesunden Volkstums steht (S. 474).

  • Ein Grund zum Stolz auf sein Volk ist erst dann vorhanden, wenn man sich keines Standes mehr zu schämen braucht. Ein Volk aber, von dem die eine Hälfte elend und abgehärmt oder gar verkommen ist, gibt ein so schlechtes Bild, dass niemand Stolz darüber empfinden soll. Erst wenn ein Volkstum in allen seinen Gliedern, an Leib und Seele gesund ist, kann sich die Freude, ihm anzugehören, bei allen mit Recht zu jenem hohen Gefühl steigern, das wir mit Nationalstolz bezeichnen. Diesen höchsten Stolz aber wird auch nur der empfinden, der eben die Größe seines Volkstums kennt (S. 474).

  • Der völkische Staat teilt seine Bewohner in drei Klassen: in Staatsbürger, Staatsangehörige und Ausländer.
    Der junge Staatsangehörige deutscher Nationalität ist verpflichtet, die jedem Deutschen vorgeschriebene Schulbildung durchzumachen. Er unterwirft sich damit der Erziehung zum rassen- und nationalbewussten Volksgenossen. Er hat später den vom Staate vorgeschriebenen weiteren körperlichen Übungen zu genügen und tritt endlich in das Heer ein. Die Ausbildung im Heer ist eine allgemeine; sie hat jeden einzelnen Deutschen zu erfassen und für den seiner körperlichen und geistigen Fähigkeit nach möglichen militärischen Verwendungsbereich zu erziehen (S. 490).

  • Dem unbescholtenen gesunden jungen Mann wird daraufhin nach Vollendung seiner Heerespflicht in feierlichster Weise das Staatsbürgerrecht verliehen. Es ist die wertvollste Urkunde für sein ganzes irdisches Leben. Er tritt damit ein in alle Rechte des Staatsbürgers und nimmt teil an allen Vorzügen desselben. Denn der Staat muss einen scharfen Unterschied zwischen denen machen, die als Volksgenossen Ursache und Träger seines Daseins und seiner Größe sind, und solchen, die nur als »verdienende« Elemente innerhalb eines Staates ihren Aufenthalt nehmen (S. 4919.

  • Die Verleihung der Staatsbürgerurkunde ist zu verbinden mit einer weihevollen Vereidigung auf die Volksgemeinschaft und auf den Staat. In dieser Urkunde muss ein alle sonstigen Klüfte überbrückendes gemeinsam umschlingendes Band liegen. Es muss eine größere Ehre sein, als Straßenfeger Bürger dieses Reiches zu sein, als König in einem fremden Staate. Der Staatsbürger ist gegenüber dem Ausländer bevorrechtigt. Er ist der Herr des Reiches (S. 491). [En14] 14

04.5 1945: Deutsche Nachkriegszeit

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Gemeint ist die Zeit von 1945 bis zum Vollzug der Wiedervereinigung im Jahre 1991.

Festzustellen ist, dass in beiden deutschen Verfassungen das Wort »Rasse« nur jeweils einmal verwendet wird, siehe Art. 3 GG und Art. 6 in der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 7. Oktober 1949.

Tatsache ist auch, dass zumindest in Westdeutschland in der Nachkriegszeit und auch nach der Wiedervereinigung bis zum Beginn der Flüchtlingsströme im Jahr 2015, über Rasse und Volk nur ungern geschrieben und öffentlich gesprochen wurde.

Im Vordergrund standen immer die Vorzüge, die eine offene Gesellschaft mit sich bringt und die man sich im Übrigen auch nur als eine multikulturelle Gesellschaft vorstellen konnte, zumal mit Beginn der 1970er Jahre Zuwanderer und ihre Nachfahren die Gesellschaft Deutschlands bereits vor der Wiedervereinigung nachhaltig verändert hatten: Millionen, die als »Gastarbeiter« in die Bundesrepublik kamen, blieben für immer; auch Flüchtlinge und Spätaussiedler ließen sich in Westdeutschland nieder.

Zur politischen Kehrtwende kam es erst, als Bundeskanzlerin Merkel anlässlich des CDU-Parteitages im Dezember 2015 Folgendes sagte:

»Wer bei uns Schutz sucht, muss unsere Gesetze und Traditionen achten und er muss deutsch lernen«, sagte die Kanzlerin. »Multikulti führt in Parallelgesellschaften und Multikulti bleibt damit eine Lebenslüge [En15] 15

Diese Erkenntnis hat im wiedervereinigten Deutschland mit dazu beigetragen, darüber nachzudenken, was von der Willkommenskultur des Volkes, das so viele Flüchtlinge aufgenommen hat, übrig bleibt, wenn dadurch Deutschland und das dort lebende Volk sich überfordert fühlt, insbesondere in den ostdeutschen Ländern war und ist dies der Fall.

Wie dem auch immer sei.

Ursache für die Ablehnung von Flüchtlingen in den ostdeutschen Ländern, verbunden mit der hohen Akzeptanz der AfD, lässt sich auch darauf zurückzuführen, dass nicht nur 1989 sondern auch heute noch, unter Wiedervereinigung nicht nur romantische nationale Wiedervereinigungsgefühle sondern auch handfeste wirtschaftliche Interessen verstanden  werden müssen, denn in der Endphase der DDR gab es nicht nur die bekannte Parole: "Wir sind das Volk!", gerufen wurde auch:

Kommt die D-Mark, bleiben wir,
Kommt sie nicht, gehen wir.

Unbestreitbare Tatsache ist auch, dass nach der Wiedervereinigung viele junge Leute ihre Heimat im Osten in Scharen verließen, um im Westen des wiedervereinigten Deutschland ihr Glück zu suchen. Diese Abwanderung nahm Ausmaße an, die ganze Regionen im Osten sozusagen bis auf die Alten entvölkerte.

Irgendwie erinnert das - wenn man den Gedanken überhaupt zulassen will - zumindest im Kleinen an die Motive von Flüchtlingen, die in West-Europa ihr Glück suchen.

Mit anderen Worten:

Den Zustand der Normalität den gab es wohl noch nie und den wird es auch wohl nie geben, es sei denn, dass als normal angesehen wird, was zur politischen Wirklichkeit in dem Raum gehörte, in dem Erfahrungen gemacht werden konnten.

Dort - zumindest trifft das auf Deutschland zu - werden zurzeit Erfahrungen gemacht, die, bezugnehmend auf die letzte Bundestagswahl im September 2017 - sozusagen einen Politikwechsel einfordern.

Die Frage, die sich stellt, lautet somit:

Sind die im Osten Deutschlands gemachten Erfahrungen die gleichen, die im Westen der Republik gemacht werden?

Tatsache ist, dass sich auch heute noch große Teile der Wohnbevölkerung in den Bundesländern im Osten Deutschlands im direkten Vergleich zur Wohnbevölkerung im Westen, benachteiligt fühlen.

Aber nicht nur bestehende Ungleichheiten in wirtschaftlichen Bereichen, die zwischenzeitlich auch im Westen Deutschlands gleichermaßen Anlass zur Sorge geben, befördern die Vorstellung, dass die Zukunft nur dadurch erträglich gestaltet werden kann, indem eine Nation wieder näher zusammenrückt, sozusagen Solidarität als Gemeinschaftsschicksal in Angriff nimmt, indem zum Beispiel Grenzen geschlossen, soziale Gerechtigkeit im Innern verwirklicht und Großkonzerne endlich dazu verpflichtet werden, ihre Gewinne in Deutschland zu versteuern.

Die Situation von heute lässt sich in einem Satz zusammenfassen.

Vom erlebten Jammertal zum niemals endenden Streben nach Glück als einem einklagbaren Menschenrecht.

Und das, bezogen auf die Zeit nach der Wiedervereinigung, im Osten möglichst innerhalb von drei Generationen und im Westen sowieso.

Um es in einem Satz von Georg Kreisler auf den Punkt zu bringen:

»Keiner will die Zukunft wie sie war!«, und dennoch wünscht man sich ein Deutschland, in dem nationale Interessen wieder im Vordergrund zu stehen haben, sozusagen Germany first. Rechter geht es nicht mehr.

Mit anderen Worten:

Die politische Gemengelage ist zurzeit in Deutschland so komplex und unübersichtlich geworden, dass es nicht zu verwundern vermag, wenn bei der Suche nach Alternativen wieder politische Vorstellungen aktiviert werden, die im Wiedererstakren der Deutschen Nation die einzige Lösung sehen, die Zukunft national und sozialistisch gestalten zu können.

Dabei handelt es sich um politische Vorstellungen, die zum Markenkern der AfD gehören.

Ein kurzer Blick über den Zaun:

In Frankreich formierte sich die politische Rechte bereits zu einer Zeit, da war das Kürzel AfD noch unbekannt.

1972 wurde in Frankreich von Jean-Marie Le Pen der Front National gegründet, eine Partei, die am äußersten rechten Ende des politischen Spektrums in Frankreich anzusiedeln ist.

Grund: Versagem der etablierten demokratischen Parteien.

Warum die demokratischen Parteien in Frankreich die politischen Probleme der Zukunft nicht mehr lösen können, dass schilderte  ein Jahr später Jean Raspail in seinem 1973 erschienenen Roman »Das Heerlager der Heiligen« auf eindringliche und visionäre Art und Weise.

Mehr dazu in der folgenden Randnummer.

04.6 1975: Jean Raspail

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1973 wurde in Frankreich erstmalig der Roman von Jean Raspail »Das Heerlager der Heiligen« publiziert, 2015 erfolgte die Erstveröffentlichung in deutscher Sprache. Aus der dritten Auflage dieses Romans aus dem Jahr 2016 werden im Folgenden einige Stellen zitiert.

Der Roman wird oft als literarische Antizipation der Flüchtlingskrise in Europa ab 2015 und ihres möglichen katastrophalen Ausgangs angesehen, den Jean Raspail mehr als 40 Jahre vor den »Flüchtlingsströmen nach Europa« vorausgesehen hat.

Zur Handlung des Romans.

Geschildert wird der Exitus von gut einer Million Menschen, die sich auf baufälligen Schiffen in Kalkutta auf den Weg in eine bessere Zukunft machen. Je näher sich diese friedliche Armada der Hoffnungslosigkeit und Armut dem christlichen Abendland nähert, um so mehr hofft man dort, dass ungünstige Winde auf dem Meer dieser unerträglichen Armada der Armut ein vorzeitiges Ende bereiten könnte. Vorsichtshalber werden alle seefahrenden Kapitäne angewiesen, den Bereich der kaum seefähigen Armada weiträumig zu umfahren, damit für den Fall der Fälle keine Hilfe möglich. Der Wettergott aber meint es sehr gut mit dem Heer der Armen und je jäher sich der Zug dem alten Europa nähert, um so intensiver bereitet man sich dort - hoffend darauf, das der Zielort nicht das eigene Land sein wird - auf den Empfang dieses Heeres der Armut vor.

Zitat:

»Es sind keine Bettler, die da kommen, sondern Menschen.«

»Dreißig Nobelpreisträger setzten sich für die Armada der Armen ein« und, so heißt es in der Berichterstattung im französischen Fernsehen, »zehntausend Intellektuelle haben eine Petition für soziale Gerechtigkeit unterzeichnet. Das Komitee zur Förderung der Einwanderung vom Ganges teilt mit, dass es mehr als zwei Millionen Unterschriften gesammelt hat« und »der Erzbischof von Aix bietet den Flüchtlingen Schulgebäude an, die er extra für diesen Anlass räumen lassen will« und »die UNO stimmt einstimmig für die Abschaffung des Rassenbegriffs« und in Genf kommt es zum Hungerstreik des Gründers der Organisation »Bruderschaft der Menschheit« (S. 254).

Soviel zur intellektuellen Vorbereitung auf ein Ereignis, das, als die Armada die Straße von Gibraltar durchfährt, den Franzosen nur noch die Hoffnung lässt, das Spanien der Zielort dieser Flut von Armut ist.

Diese Illusion zerfällt aber, als die Armada an einem Karsamstag die Küste der Côte d’Azur erreicht und die Schiffe dort ihren Bug in den sonnenverwöhnten Strand bohren. Dass sich die politische Lage in der Zeit bis zu diesem Ereignis gewandelt hat, macht der Autor deutlich, indem er den schwierigen Weg akribisch beschreibt, der dazu führt, dass die Staatsmacht  kurz vor der Landung der Armada letztendlich doch noch dazu zu bewegt werden kann, alles was ihr an Militär  zum Schutz des Staates vor der drohenden friedlichen Invasion zu mobilisieren, an die Küste der Côte d’Azur zu verlegen.

In den Wochen zuvor wäre das - wegen der medial geförderten Willkommenskultur - politisch noch nicht möglich gewesen. Folglich konnte erst im letzten Moment vor der erwarteten Landung dem Militär der Befehl erteilt werden, Frankreich zu schützen.

Bereits vor dem Eintreffen des Militärs hatte es die Wohnbevölkerung aber vorgezogen, in Scharen in Richtung Norden zu fliehen.

Wie dem auch immer sei.

Alle Franzosen warteten gespannt auf die Erklärung ihres Staatspräsidenten.

Wenige Stunden vor der Landung der Armada der Hilflosen und Armen ist es dann so weit.

Die Wortwahl des Präsidenten ist unmissverständlich und klar.

»In fünf Stunden, in der Morgendämmerung dieses Ostermontags, wird sich zeigen, ob unser Land seinen seit mehr als tausend Jahren überlieferten Bestand verloren oder bewahrt hat. Wir haben die furchtbare Ehre, als Testfall, Beispiel und Symbol unserer Zeit zu dienen, denn andere westliche Länder, die vom gleichen Phänomen bedroht sind, zögern wie wir, sich aufzulehnen« (S. 287).

Im letzten Augenblick hat unser Land mit Widerwillen und Abscheu reagiert, mit genau jenem instinktiven Erschrecken, das sich seit eh und je einstellt, wenn fremde Rassen miteinander konfrontiert werden (S. 288).

Das verstehe ich und dennoch erkläre ich vehement:

Feigheit vor den Schwachen ist die subtilste, aber virulenteste und tödlichste Form der Feigheit.

Alle sind geflohen, weil sie hofften, dass wenigstens die Armee keine Skrupel haben und sie retten wird. [...]. Ich habe unserer Armee den Befehl erteilt, sich der Landung der Einwandererflotte mit Waffengewalt zu widersetzen« (S. 289).

Im weiteren Verlauf des Romans stellt sich aber heraus, dass eine verweichlichte Armee, die nicht mehr weiß, wozu sie da ist, sich einem solchen Befehl verweigert, indem sie sich schlichtweg selbst auflöst.

Als die Armada der Armen und Hilflosen an Land geht, kann die Landnahme beginnen. Nur 12 tapfere Militärs ziehen es vor, sich zu wehren und dabei unterzugehen.

Der Autor beschreibt, dass im Anschluss an diese Landnahme sich auch aus anderen Ländern die Armen und Hilflosen in schier unüberschaubarer Anzahl auf den Weg nach Europa machen. Letztendlich kann sich auch die neutrale Schweiz nicht dem Zugriff der Armen dieser Welt entziehen. Als auch die Schweiz ihre Grenzen für die Armen öffnet, heißt es im letzten Satz dieses Romans, wohl bezugnehmend auf die Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 durch die Osmanen lakonisch:

»Der Fall von Konstantinopel ist ein persönliches Unglück, das uns erst letzte Woche wiederfahren ist.«

[Persönliche Anmerkung:] Es kann kein Zufall sein, dass Jean Raspail im letzten Satz seines Romans an den Untergang von Konstantinopel erinnert, das den Untergang des Byzantinischen Reiches einläutete. Möglicherweise kannte der Autor ja auch die dazu passende historische Miniatur, die Stefan Zweig in seinem Werk »Sternstunden der Menschheit« im Kapitel »Die Eroberung von Byzanz« mit großer Sprachgewalt geschildert hat, als das Heer von Sultan Murad am 29. Mai 1453 das Bollwerk der Christenheit im Osten eroberte und schliff.

Am Tag zuvor, so heißt es bei Stefan Zweig, »versammelte sich das ganze Volk, Orthodoxe und Katholiken, Priester und Laien, Kinder und Greise, zu einer einzigen Prozession. [...]. Dann beginnt die letzte Szene, eine der ergreifendsten Europas, eine unvergessliche Ekstase des Untergangs. In Hagia Sophia, der damals noch herrlichsten Kathedrale der Welt, [...] versammelten sich die Todgeweihten. [...] Die letzte, die Totenmesse des Oströmischen Reiches hat begonnen.«

Und dann beginnt die Eroberung der Stadt, die letztendlich dadurch möglich wird, dass vergessen wurde, in der Festungsmauer eine Pforte zu schließen. Durch diese Kerkaporta, durch diese vergessene Tür, gelangen die Eroberer ins Zentrum von Konstantinopel und richten dort ein Blutbad an.

Nach der Eroberung steigt der Eroberer Sultan Murad  vom Pferd und betritt dann die Hagia Sophia. »Sofort lässt er«, so schildert Stefan Zweig die Situation, »einen Imam holen, der die Kanzel besteigt und von dort das mohammedanische Bekenntnis verkündet.«

»Am nächsten Tag erhalten die Werkleute den Auftrag, alle Zeichen des früheren Glaubens zu entfernen; weggerissen werden die Altäre, übertücht werden die frommen Mosaiken, und das hocherhobene Kreuz der Hagia Sophia, das tausend Jahre seine Arme entbreitete, um alles Leid der Erde zu umfassen, stürzt dumpf polternd zu Boden.«

Bis heute ist die Hagia Sophia die »Heilige Weisheit des Islam«, die nicht nur wegen ihrer Schönheit als 8. Weltwunder bezeichnet wird. Obwohl sie heute überwiegend als Museum genutzt wird, wurde die Hagia Sophia im Juni 2016 anlässlich des Fastenmonats Ramadan wieder als Moschee genutzt, was reflexartig zu einer Kontroverse zwischen der Türkei und Griechenland führte.

Wie dem auch immer sei.

In einem Artikel der Neuen Züricher Zeitung (NZZ.ch) vom 09.06.2017 heißt es:

Die Nutzung des Istanbuler Wahrzeichens während des Fastenmonats Ramadan erregt in Griechenland die Gemüter.

An anderer Stelle heißt es:

Am 563. Jahrestag der Eroberung Konstantinopels versammelten sich Ende Mai Tausende vor der Hagia Sophia, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Ob die fromme Regierung dem Drängen nachgeben wird, ist ungewiss. Doch einen Trost hat sie bereit: Noch in diesem Jahr soll auf dem Camlica-Hügel, hoch über Istanbul, eine Moschee für 37 500 Gläubige eingeweiht werden – das grösste islamische Gotteshaus Kleinasiens. [En17] 17

Zurück zu Jean Raspail:

Sein Roman ist, so wie ich ihn gelesen habe, eine wortgewaltige Zeitkritik der ganz besonderen Art. Der Sprachwitz und die Ironie, die Beschreibung der Dekadenz unserer Zeit und die damit verbundene Scheinheiligkeit politischer Argumentationen ist nicht nur lesenswert, sie zwingt sozusagen zum Nachdenken über sich selbst, die Rolle der Massenmedien und über den Zustand der »Political Correctnes« sowie über den so genannten »Common Sense« im [noch] christlichen Abendland.

04.7 Rolf Peter Sieferle - Epochenwechsel

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Rolf Peter Sieferle (1949 - 2016) war ein deutscher Historiker. In seinem Buch »Epochenwechsel«, das erstmalig 1994 im Verlag Propyläen erschien, äußerte er sich zur Zukunft der Deutschen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Die folgenden Zitate wurden der Neuauflage des Werkes, das im Oktober 2017 im Landverlag Berlin erschienen ist, entnommen.

Seite 137
Der Untergang Deutschlands [Bedingungslose Kapitulation am 7. Mai 1945 in Reims = AR] ist historisch an einem Ort lokalisiert, an dem die gesamte Welt des moralischen und politischen Ancien Régimes prinzipiell untergegangen ist, mit ihren spezifischen Tugenden des Krieges, der Ehre, des Opfers oder der Gemeinschaft. Daher erscheint das rebellierende, einen eigenen Herrschaftsanspruch anmeldende Deutschland heute nur mehr im Licht seiner Überwinder.

Seite 138

Das, wofür Deutschland einmal stand, ist der Gegenwart fremder geworden als jede andere Vergangenheit.

An anderer Stelle heißt es:

Seite 139
In Deutschland war tatsächlich zu beobachten, dass die Besiegten bereit waren, die Prinzipien der Sieger vollständig zu übernehmen.

Seite 143
»Auschwitz« oder »Hitler« stehen für die totale, historisch real gewordene Negation der Menschenwürde. Als Holocaust steht der nationalsozialistische Völkermord für einen fundamentalen und extremen Verstoß gegen das Prinzip des humanitären Universums.

[Persönliche Anmerkung:] Was die Deutschen zu leisten haben, bzw. die Siegermächte vom deutschen Volk in den Nachkriegsjahren erwarten, lässt sich nach meiner Lesart des Buches von Rolf Peter Sieferle in einem Wort zusammenfassen: Vergangenheitsbewältigung.

Bei Siefert heißt es diesbezüglich:

Seite 160
Es wäre jedoch falsch, wollte man übersehen, dass der Mythos [der Holocaust = AR] selbst dem Leben diente und keineswegs auf seine Zerstörung zielte. Gerade die totale Mystifikiation der Vergangenheit im Namen ihrer Bewältigung hatte die Bundesrepublik Deutschland von der Last ihrer Tradition befreit.

[Persönliche Anmerkung:] Diese Lossagung an überholte Werte hatte zur Folge,  sich nüchtern dem zu stellen, was die Zeit einforderte.

Beispiele:

  • Nie Wieder Krieg

  • Nie wieder Völkermord

  • Nie wieder Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Möglicherweise waren diese Überzugungen Anlass dafür, 2015 mehr als 1,1 Millionen Flüchtlinge in die Bundesrepublik Deutschland einreisen zu lassen, die, als sie kamen, an den Grenzen willkommen geheißen wurden.

Bei den später ankommenden Flüchtlingen, rund 500 000 bis 2017, waren von dieser Willkommenskultur nur noch Reste übrig geblieben.

Wie dem auch immer sei.

Die Flüchtlingsströme veränderten das politische Klima in Deutschland.

  • Die gemäßigte Fassung heißt:
    Wir müssen unsere Grenzen schützen.

  • Die radikalste Form der Empörung fordert mehr:
    Ausländer raus.

Diese Entwicklung konnte Siefers nicht voraussehen. Dennoch ist seine Analyse richtig, wenn er schreibt:

Seite 161
Im Grunde kann man ja aus der Geschichte überhaupt nichts lernen. Bestenfalls wird man nach ihrem Studium, wie Jacob Burckhard einmal bemerkte, nicht klüger für ein anderes Mal, sondern weise für immer. Jedes Ereignis ist so unvergleichbar und singulär, dass sich keine Konstellation je wiederholen wird.

Mit anderen Worten:

Die Probleme des 21. Jahrhunderts werden nicht die des 20. Jahrhunderts sein.

Rolf Peter Sieferle ist auch zuzustimmen, wenn er schreibt, dass in den neuen Gewaltexzessen (Siefers kann nur die Gewaltexzesse meinen, die sich in dem Zeitraum von 1945 bis zum Erscheinungsjahr seines Buches (1994) in Deutschland ereigneten, und derer gab es viele) nicht der »Faschismus« wieder aufersteht, sondern der Liberalismus in ihnen vollendet wird und dadurch seinem Ende näher kommt.

Es würde zu weit führen, an dieser Stelle die Gewaltexzesse auch nur aufzulisten, auf die Siefers sich beziehen konnte. Es kann davon ausgegangen werden, dass er damit die Gewaltexzesse anlässlich des Schahbesuchs genauso meint, wie die Gewaltexzesse der RAF und die vielen gewaltsam verlaufenen Protestaktionen anlässlich von Hausbesetzungen, sowie die vielen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und aufgebrachten Demonstranten im Zusammenhang mit dem Bau der  Startbahn West in Frankfurt sowie den Bau von Kernkraftwerken an unterschiedlichsten Orten in Westdeutschland. Ganz zu schweigen von den Gewaltexzessen nach 1994, aber von denen konnte Sieferle ja noch gar nichts wissen: Brennende Flüchtlingsunterkünfte, sprunghafter Anstieg rechtsradikaler Gewalttaten, Ausschreitungen anlässlich des  G8 und des G20-Gipfels in Heiligendamm und in Hamburg etc.

[Persönliche Anmerkung:] 22 Jahre später scheint es dennoch so zu sein, als seien - in Gestalt von Pegida und AfD - alte deutsch-nationale Tugenden wieder wie Phönix aus der Asche gestiegen.

Nach der hier vertretenen Auffassung wäre es dennoch viel zu einfach und auch zu »platt«, die AfD und ihre Wähler mit den Etiketten des »Faschisten« bzw. dem des »Nazis« zu diskreditieren.

Wer das tut, der drückt auch all den Personen die oben genannten Etiketten auf, die ihre Stimme der AfD gegeben haben:

  • 1,2 Millionen Nichtwähler

  • 980.000 ehemalige CDU-Wähler

  • 470.000 ehemalige SPD-Wähler

  • 400.000 vormalige Linke-Wähler

  • 690.000 Wähler kamen aus dem Lager der Sonstigen.

Diese Art der Polemik ändert nichts, im Gegenteil, sie dokumentiert lediglich die persönliche Betroffenheit und Hilflosigkeit derjenigen, die es immer noch nicht glauben können, dass solch eine Partei ins Heiligtum der bundesdeutschen Demokratie - dem Deutschen Bundestag - tatsächlich als drittstärkste Kraft einziehen konnte und ihr dort 94 Parlamentsstühlen zur Verfügung stehen.

Was bedeutet das für »Rechts« und »Links« und für die »MItte« der so genannten etablierten demokratischen Parteien?

Je schneller alle Abgeordneten im 19. Deutschen Bundestag zu der Einsicht kommen, dass man die Meinung Andersdenkender zumindest zu tolerieren hat, um so schneller wird man über Sachfragen miteinander streiten können.

Insoweit ist dem frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) zuzustimmen, der am 24.10.2017 anlässlich der ersten Sitzung des 19. Deutschen Bundestages sagte:

»Ich kann nur raten, dass der Bundestag sich nicht auf die AfD fixieren lässt und nicht über jedes Stöckchen springt, das sie hinhält.«

Schön wärs.

04.8 2013: Philippe Descola

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Philippe Descola, ein französischer Anthropologe, Professor für Anthropologie der Natur am Collège de France in Paris und Autor des Buches »Jenseits von Natur und Kultur«, das 2005 erstmalig in Frankreich und 2013 erstmalig in Deutschland erschien, entwarf in diesem Werk sozusagen das intellektuelle Programm der kommenden Jahre, indem er schonungslos die Borniertheit westlichen Denkens beschrieb und nachvollziehbar aufzeigte, dass die Aufteilung in die Gesetze der Natur, in die »Welt der Tiere und der Dinge« und auf der anderen Seite in die »Menschenwelt und ihre kulturelle Vielfalt« ins Reich der Märchen gehört.

Aus dem 584 Seiten umfassenden Buch können hier nur wenige Stellen zitiert werden:

Bezugnehmend auf Edward B. Tylor (1832 - 1917) einem britischen Anthropologen, heißt es: »Kultur oder Zivilisation [...] ist jenes komplexe Ganze, das Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Recht, Sitte, Brauch und alle anderen Fähigkeiten und Gewohnheiten umfasst, die der Mensch als Mitglied einer Gesellschaft erworben hat« (S. 121).

Descola geht davon aus, dass jedes Volk eine einmalige und kohärente Konfiguration materieller und intellektueller Vorstellungen verkörpert, die typisch für eine bestimmte Lebensweise sind. Die Prägungen werden durch die jeweilige Sprache ausgelöst, woraus sich die Eigentümlichkeit der individuellen und kollektiven Verhaltensweisen ihrer Mitglieder ableiten lässt.

»Folge dieser Erkenntnisse ist, dass die Abstufung der Völker - je nach ihrer Nähe zum modernen Abendland - durch ein synchronisches Bild ersetzt wird, in dem alle Kulturen gleichwertig sind« (S. 122).

[Hinweis:] Wie sehr Völker von den Fragen nach den Grundlagen des eigenen Charakters umgetrieben wurden und auch heute immer noch werden, inwiefern dieser Wille stark genug ist, sich zu einer Nation zusammenfinden zu können, indem bestehende Unterschiede zu anderen Völkern und Nationen nicht nur erkannt, sondern auch akzeptiert werden, das sind Fragen, die auch heute dringend einer Klärung bedürfen.

Den Appell von Philipp Descola an seine Leserinnen und Leser möchte ich Ihnen nicht vorenthalten,.

»Es ist die Sache eines jeden von uns, wo immer er sich befindet, die Arten des Ausgleichs und des Drucks zu erfinden und voranzutreiben, die geeignet sind, zu einer neuen Universalität zu führen, die für alle Bestandteile der Welt offen ist [...] in der Hoffnung, den fernen Tag abzuwenden, an dem der Friede der Passivität auf andere Weise bezahlt werden müsste, nämlich mit der Auslöschung unser eigenen Spezies« (S. 584).

Dem ist nur hinzuzufügen, dass bei der Beantwortung der für die Menschheit wirklich bedeutsamen  Fragen die Kategorie »Rechts« genauso unbedeutend sein wird, wie die Zuordnung zu »Links« oder zur »Mitte«.

Mit anderen Worten:

Nicht politische Glaubensbekenntnisse werden benötigt, um die Probleme dieser Welt zu lösen, sondern im Rahmen des menschlich Möglichen ein Optimum an Vernunft.

Die Aussichten für so viel Optimismus scheinen jedoch eher menschlichem Wunschdenken zu entsprechen, denn Dummheit ist eine Erfolgsgeschichte.

04.9 2015: Michel Houellebecq

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2015 erschien der Roman »Unterwerfung« von Michel Houellebecq zeitgleich sowohl in Frankreich als auch in Deutschland (Dumont Verlag). Bei dem Titel des Romans handelt es sich um die Übersetzung des Wortes »Islam« ins Deutsche.

Der Autor schildert den Anpassungsprozess eines Universitätsprofessors, der im Anschluss an die Wahl eines muslimischen französischen Staatspräsidenten und der damit verbundenen Machtübernahme durch den Islam in Frankreich vor die Frage gestellt wird, wie er sich seine Zukunft vorstellt: als arbeitsloser Universitätsprofessor oder als gut bezahlter Professor muslimischen Glaubens.

Aus Zweckmäßigkeitsgründen und weil es wohl nicht anders geht, entschließt sich die Hauptfigur des Romans dazu, zum Islam zu konvertieren.

Warum es dazu kam, machen folgende Zitate deutlich:

»Die Anfänge der von Mohammed Ben Abbes eingesetzten Regierung der nationalen Einheit wurden einhellig als Erfolg begrüßt. Alle Kommentatoren waren sich darin einig, dass nie zuvor ein neu gewählter Präsident der Republik einen vergleichbaren »Stand der Gnade« genossen hatte« (S. 175).

Einige Zeilen weiter heißt es:

»Die unmittelbarste Folge seiner Wahl war die Absenkung der Kriminalitätsrate, und das in einem mehr als deutlich spürbaren Maße. In den problematischen Vierteln war sie, sage und schreibe, um das Zehnfache gesunken. Einen weiteren unmittelbar spürbaren Erfolg gab es bei der Arbeitslosigkeit, deren Quote sich im freien Fall befand. Dies war zweifellos auf den massiven Ausstieg der Frauen aus dem Arbeitsmarkt zurückzuführen, der wiederum im Zusammenhang mit der beträchtlichen Erhöhung der Familienzulagen stand, der allerersten Maßnahme, die die neue Regierung exemplarisch vorgestellt hatte« (S. 175/176).

An anderer Stelle heißt es, Bezug nehmend auf identitärer Freunde der Hauptfigur des Romans, dass die nunmehr aufzubauende organische Kultur nicht mehr im Namen des Christentums, sondern im Namen des Islam zu führen sei.

»Wegen des schändlichen Gehabes, der Scheinheiligkeit und der Heuchelei [...] sei die katholische Kirche nicht mehr in der Lage, sich dem Sittenverfall entgegenzustellen. Die Homo-Ehe, der Schwangerschaftsabbruch oder die Frauenarbeit seien unmissverständlich und entschieden abzulehnen. [...]. Gott habe es so entschieden« (S. 248/249).

Und um zu vermeiden, dass er als Universitätsprofessor im neuen Staat nicht mehr Verwendung finden kann, akzeptiert die Hauptfigur des Romans schließlich die Tatsache, dass es für ihn besser ist, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, als seine Existenz zu verlieren, so dass es schließlich zum entscheidenden Gespräch mit dem bereits konvertierten Rektor seiner Universität kommt:

»Wie hoch wird mein Gehalt sein?«
»Wie viel Frauen darf ich haben?«

[Persönliche Anmerkung:] Solche Fragen müssen vor wichtigen Entscheidungen von der Hauptfigur einfach gestellt werden. Die Antworten, die er von seinem Rektor erhält, sollten die Hauptfigur des Romans zufriedenstellen.

Sie lautet:

»Beim Gehalt habe ich schon eine ungefähre Vorstellung.
Nun, die Anzahl der Frauen ergibt sich mehr oder weniger daraus.
Das islamische Gesetz verlangt, dass die Ehefrauen gleichbehandelt werden. [...].

Was Sie betrifft, so denke ich, dass Sie ohne große Probleme drei Frauen haben könnten - aber natürlich sind Sie dazu keineswegs verpflichtet«
(S. 264).

Der Showdown des Romans verlegt die noch zu vollziehende Unterwerfung in die nahe Zukunft, indem die Hauptfigur des Romans folgende Szene imaginiert:

»Nachdem er sich gründlich gereinigt und neue Kleider angezogen hätte, würde er nur die phonetisch bereits auswendig gelernte Konvertierungsformel sprechen müssen.«

Diese lautet:

»Ashhadu alla ilaha illallah wa ashhadu anna Muhammadar rasulullah.«

Was übersetzt bedeutet:

»Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist sein Gesandter. Und das wäre schon alles, fortan wäre ich ein Muslim« (S. 270).

Der Schlusssatz des Romans hat folgenden Wortlaut:

Ich hätte nichts zu bereuen.

04.10 2017: Rolf Peter Sieferle - Finis Germania

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Der am 17.09.2016 durch selbstbestimmten Freitod aus dem Leben geschiedene Professor für allgemeine Geschichte an der Universität St. Gallen, Rolf Peter Sieferle, löste durch sein postum veröffentlichtes Buch »Finis Germania« 2017 einen Skandal aus, denn bei dem veröffentlichten 99 Seiten umfassendes Essay handelt es sich nach »Überzeugung der Fachwelt« um eine antisemitische Publikation.

Dennoch hatte vor dieser Erkenntnis ein Spiegel-Kritiker diese Arbeit auf die Auswahlliste für den NDR-Sachbuchpreis gesetzt.

Dadurch wurde das Essay erst richtig bekannt, so dass es bei Amazon auf Platz 1 und auf Platz 6 der Spiegel-Bestsellerliste landete: Bereich Sachbuch.

Dem öffentlichen Druck, ein antisemitisches Buch ausgezeichnet zu haben, hielt der Spiegel nicht lange stand. Er nahm das Essay von der Liste und untersagte dem Verlag mit Verweis auf die Spiegel-Bestsellerliste diese Publikation weiter zu bewerben.

Dadurch löste der Spiegel einen journalistischen Skandal aus.

Am 26.07.2017 bezeichnete der Literaturkritiker Denis Scheck im Kulturgespräch des SWR »Finis Germania« als »in der Tat anstößig«.

Denis Scheck sagte aber auch, dass, »wenn man sich dazu entscheidet, eine Bestsellerliste abzudrucken, man mit der Wahrheit des Marktes leben muss. Man muss sich Meinungen, die einem nicht in den Krempel passen, natürlich stellen, und man darf sie nicht einfach verschweigen und damit unter den Tisch fallen lassen. [En18] 18

Dem ist zuzustimmen.

Inwieweit die Inhalte des Essays »Finis Germania« tatsächlich anstößig sind und von einigen Kritikern sogar mit dem Etikett des »Antisemitismus« versehen wurden,  sollten Sie selbst entscheiden.

Nach meiner Lesart sind die nachfolgend zitierten Stellen - von denen ich meine - dass andere Augen diese Sätze für »anstößig« gehalten haben müssen, denn »anstößigere« Sätze habe ich wirkich trotz mehrfachen Lesens in dem Essay wirklich nicht finden können, lässt die Vermutung zu, das »unangenehme Wahrheiten« ohne darüber nachzudenken sofort diskreditiert werden müssen, um deren unterstellte destruktive Wirkung im Keim zu ersticken.

Wie dem auch immer sei.

Auf Seite 36 stellt der Autor folgende Frage:

»Was geschieht aber, wenn der Fortschrittsglaube selbst schwindet, wenn die Zeit gar unter Nieder- und Untergangsverdacht gestellt wird?«

Eine seiner Antworten lautet:

»Wir erleben heute nicht mehr das Verschwinden des »Menschen«, sondern wir haben es bereits hinter uns. Der »Mensch« im alten Sinn ist bereits verschwunden, und er hat die Räume mitgenommen, in denen er gelebt hatte und die auf seine individuelle-familiären Dimensionen zugeschnitten waren«.

[Persönliche Anmerkung:] Der Autor meint damit die hohe Stellung von Ehe, Familie und Mutterschaft im Hitler-Deutschland, von der heute nur noch Reste übriggeblieben sind.

Ein paar Zeilen weiter heißt es:

»Der letzte Heros dieser Art war der unzeitgemäße Bösewicht Adolf Hitler« (S. 53).

Auf Seite 56 heißt es dann:

»Die Auflösung der Familie, deren Abschluss wir in diesem Jahrhundert erleben, schneidet das Individuum von seinen Ahnen, von der Geisterwelt, vom Absoluten ab. Es verbleibt ein Elementarteilchen in einem endlosen kalten und finsteren Raum.«

»Älterwerden bedeutet dann, in eine Zone persönlichen Hoffnungsschwund zu geraten. [...]. Vielleicht bleibt danach nur noch die Illusion des Niedergangs übrig« (S. 57).

[Persönliche Anmerkung:] Soweit zur Bedeutung des Raumes, in dem nach der Überzeugung von Rolf Peter Sieferle Identifikationen stattfinden, die heute - so seine Aussage - bedauerlicherweise verloren gegangen sind.

Nach meiner Lesart des Essays sieht der verstorbene Autor einen Grund des Verlustes von gemeinschaftsbildender Identifikation mit seinem Volk darin, dass sich der Betreffende schämt, dem deutschen Volk anzugehören.

Möglicherweise liegt der Verlustschmerz aber auch darin, dass niemand mehr weiß, was das deutsche Volk ist.

Wie dem auch immer sei.

Dieses konturenlose Volk soll dennoch an seiner menschenverachtende Vergangenheit glauben.

Folgende Textstellen sollen das verdeutlichen.

»Das erste Gebot lautet: Du sollst keinen Holocaust neben mir haben. Das Ritual der Vergangenheitsbewältigung besitzt Züge einer veritablen Staatsreligion« (S. 70).

Weiter heißt es:

»Dieses sündenbeladene Volk, das sich dieser Schuld niemals entledigen kann, »die Vergangenheit nicht entsorgen darf«, fällt nun, wie zu erwarten, in die Hände der Priester. Ihre Aufgabe ist es zu mahnen, zu erinnern und den Mythos wachzuhalten. Aus dem Dogma entspringt ein Auftrag, eine Sendung: die totale ethische Beweihräucherung und Missionierung der Welt, was zwar die Sünde nicht tilgen, aber doch Entlastung bringen kann« (S. 70/71).

»Auschwitz« und »die Nazis« stehen innerhalb dieser ideologischen Figur für die totale Negation des »Menschen«. Mit Hitler und seinen Komparsen sind der säkularisierte Teufel und das Personal der Hölle leibhaftig auf der Erde erschienen«. (S. 81).

Was daraus folgt?

»Die sich zurzeit formende neue Religion der Menschheit (deren rationale Begründung seit der Aufklärungszeit niemals gelungen ist) kann sich auf ein festes Fundament historischer Tatsachen stellen und daraus direkte politische Konsequenzen ableiten. Eine wichtige programmatische Forderung zielt auf die »multikulturelle Gesellschaft« (S. 83).

»In beiden Fällen ist der Gegner des Programms der Multikulturalität das indigene Volk der Industrieländer, dessen Widerstand gegen Immigration und Überfremdung durch eine programmatische Identifikation mit »Faschismus - Rassismus - Rechtsradikalismus« gebrochen werden soll«.

»Hitlers Versuch, im Namen einer völkisch-rassischen Partikularität eine andere Partikularität zu vernichten«, wird somit - so zumindest verstehe ich den Autor - zum Referenzobjekt sämtlicher Versuche, die Singularität des Holocaust so hoch zu stellen, dass kein Platz mehr zur Verfügung steht die Besonderheiten anderer Völker (Juden, Kurden, Palestinenser) kritisieren zu können« (S. 84).

»Hitler hat im Namen der Deutschen die Juden vernichtet, d.h. er hat aus der abstrakten, undifferenzierten »Menschheit« zwei Völker herausgehoben, die sich dadurch vom profanen Rest der Menschheit unterscheiden [...]. Sie sind absolute Täter und absolute Opfer« (S. 85).

Wozu das führt, enthält Siefert seinen Lesern nicht vor.

Auf Seite 95 heißt es:

»Am Ausgang des 20. Jahrhunderts steht eine verwüstete, kahle, verseuchte Welt, in der man die Opfer bejammert, von Verantwortung und Betroffenheit schwatzt und daran geht, die letzten kulturellen Bestände zu verjubeln.«

[Persönliche Anmerkung:] Natürlich können die wenigen ausgewählten Zitate nur einen Eindruck darüber vermitteln, weshalb dieses Essay die Weltordnung des Establishments (Politik, Intellektuelle, Kulturkritiker jeglicher Couleur) in Wut und Rage versetzt hat.

Ob so viel Zorn aber angemessen ist, um ein posthum erschienenes Werk auf die oben geschilderte Art und Weise zu diskreditieren, kann und muss hinterfragt werden.

Besser wäre es, sich mit den Argumenten des Autors auseinanderzusetzen, die im Übrigen schon in seinem Werk Epochenwechsel (erstmals 1994 erschienen) dort weitaus intensiver und deutlicher herausgearbeitet wurden, als das in dem 99 Seiten umfassenden kleinen Essay mit dem Titel Finis Germania der Fall gewesen ist.

Dass 1994 die Welle der Erregung ausblieb, wird wohl daran gelegen haben, dass der Umfang von »Epochenwechsel« (481 Seiten) wohl die Lesezeit der meisten Kritiker und insbesondere die der eingefleischten Antifaschisten übersteigen dürfte.

Wie dem auch immer sei.

Die Frage, die sich in Bezug auf die oben zitierten Textstellen stellt, lautet:

Ist das, was Rolf Peter Sieferle im sich wandelnden kulturellen Gedächtnis der Deutschen zu erkennen glaubt, von den Glaubenshütern aber kategorisch als Angriff auf die Vergessenskultur zurückgewiesen wird, falsch oder richtig?

Was unter einem sich verändernden kulturellen Gedächtnis zu verstehen ist, das wird in der folgenden Randnummer kurz skizziert.

04.11 Jan Assmann und das kulturelle Gedächtnis

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Der Begriff des »kollektiven Gedächtnisses« (mémoire collective) wurde von Maurice Halbwachs in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erstmalig in die Wissenschaft eingeführt. Halbwachs war davon überzeugt, dass die Rede vom »kollektiven Gedächtnis« nicht metaphorisch zu verstehen sei. Zwar »haben«, so Halbwachs, Kollektive kein Gedächtnis, aber sie bestimmen das Gedächtnis ihrer Glieder.

In seiner zentralen Schrift »Das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen« von 1925 stellt er die These auf, dass »das gesellschaftliche Denken wesentlich ein Gedächtnis ist, und dass dessen ganzer Inhalt nur aus kollektiven Erinnerungen besteht, dass aber nur diejenigen von ihnen und nur das an ihnen bleibt, was die Gesellschaft in jeder Epoche mit ihrem gegenwärtigen Bezugsrahmen rekonstruieren kann, denn:

  • 1. Die Geschichte wird von Epoche zu Epoche neu retuschiert, um sie den aktuellen Denkweisen der Menschen und ihren Vorstellungen von Vergangenheit anzupassen.

  • 2. Die verschiedenen Gruppen der Gesellschaft, wie Familie, Religionsgemeinschaften oder Klassen, haben jeweils ihr eigenes kollektives Gedächtnis. Das Individuum braucht diese sozialen Rahmen, um sich erinnern zu können und macht sich den Standpunkt der Gruppe zu eigen.

  • 3. Zerbricht eine Gruppe, verschwinden die mit ihr verbundenen Erinnerungen. Verändern sich die sozialen Rahmen, passt sich die Konstruktion der Erinnerungen an«. [En19] 19

[Hinweis:] Weiterentwickelt wurden die Vorstellungen über das »kollektive Gedächtnis« von Jan Assmann, Professor für Ägyptologie an der Universität in Heidelberg und Professor für Kulturwissenschaft an der Universität Konstanz.

Bei J. Assmann heißt es:

»Wenn wir sind, was wir erinnern, dann sind wir die Geschichten, die wir über uns zu erzählen vermögen. Wir haben, jeder von uns, eine life-story, eine innere Erzählung - deren Kontinuität, deren Sinn, unser Leben ausmacht. Man kann sagen, dass jeder von uns eine Erzählung konstruiert und lebt und dass diese Erzählung uns, unsere Identität bildet. Dasselbe Konzept einer narrativen Organisation eines Gedächtnisses und der Selbstkonstruktion gilt auch auf der kollektiven Ebene. Hier heißen die life-stories »Mythen«. Dies sind die Geschichten, von und in denen eine Gruppe, eine Gesellschaft, eine Kultur lebt.« [En20] 20

An anderer Stelle heißt es sinngemäß:

Mythen im Sinne traditioneller Erzählungen spielen somit immer eine entscheidende Rolle in der Ausbildung ethnischer Identitäten. Die Dynamik gewinnen diese Erinnerungen aus Erzählungen. In Völkern, die über eine Schrift verfügen wird Erzählungen aufgeschrieben, um daraus einen narrativen Text zu machen.

Im kollektiven Gedächtnis der Völker nehmen Mythen einen besonderen Stellenwert ein.

Ein Mythos ist etwas Ewiges, Zeitloses, dessen Schicksal es ist, alle Veränderungen der Zeit zu überdauern, mit denen sich das kollektive Denken nach und nach bekleidet und möglicherweise auch verfeinert bzw. verändert.

Bedeutung erlangt das kulturelle Gedächtnis insbesondere in Krisenzeiten, weniger in Zeiten allgemeinen Wohlstandes. In der Krise erinnern sich die Menschen gerne an die gute alte Zeit zurück.

Die Frage, die sich im hier zu erörternden Sachzusammenhang stellt, lautet somit, kann auch der Holocaust ein Mythos sein, bzw. kann dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit sich wirklich zu einem Mythos entwickeln?

Die Antwort darauf findet sich ebenfalls bei Jan Assmann. I  n seinem Buch, »Das kollektive Gedächtnis«, weist Assman darauf hin, dass es sich bei dem Erinnerungsraum, der noch nicht zum kulturellen Gedächtnis gehört, um die Zeit handelt, der noch von Zeitzeugen erinnert wird. Sobald aber Zeitzeugen nicht mehr zur Verfügung stehen oder nur noch wenige Überlebende sich erinnern können, beginnt sich erzählte Geschichte ganz allmählich die Form eines Mythos einzunehmen.

Auf Seite 36 heißt es:

Nach 40 Jahren treten die Zeitzeugen, die ein bestimmtes Ereignis als Erwachsene erlebt haben, aus dem eher zukunftsbezogenen Berufsleben heraus und in das Alter ein, in dem die Erinnerung wächst und mit ihr der Wunsch nach Fixierung und Weitergabe. In dieser Situation kommt seit ungefähr 10 Jahren jene Generation, für die Hitlers Judenverfolgung und -vernichtung Gegenstand persönlich traumatischer Erfahrung gewesen ist, ist zu Wort.«

Das heißt, dass nunmehr, mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust, nur noch ganz wenige Zeitzeugen leben und über ihre Erfahrungen berichten können.

Welche Folgen damit verbunden sind, kann einem Interview mit Hagen Markwardt, wissenschaftlicher Referent an der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein bei Dresden, entnommen werden, dass im April 2017 geführt wurde und über den folgenden Link aufgerufen werden kann.

Was bedeutet der Tod der Zeitzeugen für die Erinnerung an den Holocaust?

Aber zurück zu Jan Assmann, der dem »kollektiven Gedächtnis« ein »kommunikatives Gedächtnis« hinzufügt.

In seinem Buch »Das kulturelle Gedächtnis« (Becksche Reihe - 7. Auflage 2013) heißt es zum Beispiel auf Seite 51:

»Das kommunikative Gedächtnis umfasst Erinnerungen, die sich auf die rezente, (noch lebende, zeitgenössische, aktuelle = AR) Vergangenheit bezieht. Es sind dies Erinnerungen, die der Mensch mit seinen Zeitgenossen teilt. Dieser unmittelbare Erfahrungshorizont bildet neuerdings den Gegenstand der »Oral History« eines Zweiges der Geschichtsforschung, die nicht auf den üblichen Schriftzeugnissen des Historikers beruht, sondern ausschließlich auf Erinnerungen, die in mündlichen Befragungen erhoben wurden. Das Geschichtsbild, das sich in diesen Erinnerungen und Erzählungen konstituiert, ist eine »Geschichte des Alltags« eine »Geschichte von unten«. Alle Untersuchungen der »Oral History« bestätigen, dass auch in literalen Gesellschaften die lebendig Erinnerung nicht weiter als 80 Jahre zurückreicht« (S. 51).

[Literale Gesellschaft:] Fähigkeit einer Kultur, Vergangenes durch Schreiben und Lesen sowohl auszudrücken als auch anderen zugänglich zu machen.

Mit anderen Worten:

  • Alles, was im Nachhinein aufgeschrieben wird, kann selbst gemachte Erfahrungen niemals ersetzen.

  • Erfahrungen die 80 Jahre und länger zurückliegen, unterliegen einer Veränderung im Sinne einer sich verändernden Zeit und einer sich verändernden Erinnerungskultur.

Diesbezüglich heißt es bei Assmann:

Für das kulturelle Gedächtnis zählt nicht faktische, sondern nur erinnerte Geschichte. Man könnte auch sagen, dass im kulturellen Gedächtnis faktische Geschichte in erinnerte und damit in Mythos transformiert wird.

Mythos ist eine fundierende Geschichte, eine Geschichte, die erzählt wird, um eine Gegenwart vom Ursprung her zu erhellen (S. 52).

Assmann geht darüber hinausgehend davon aus, dass das kulturelle Gedächtnis immer seine speziellen Träger hat und Feste im Rahmen des kulturellen Gedächtnisses deshalb bedeutsam sind, weil sie in der Regel Anlässe zur Freude geben.

Kollektive Tage der »Erinnerung an begangene Schandtaten«, so könnte man aus der Analyse von Assmann schließen, stören dieses kulturelle Gedächtnis, denn solche Erinnerungen lösen nicht nur Depressionen und Schuldgefühle aus, sondern verhindern zugleich auch die Entwicklung positiver Kräfte.

[Persönliche Anmerkungen:] In diesem Zusammenhang sei an die Rede von Bundestagspräsident Philipp Jenninger (CDU) erinnert, die dieser am 10. November 1988 im Deutschen Bundestag zum 50. Jahresgedenken der Novemberpogrome im Jahr 1938 gehalten hat und die dazu führte, dass er am Tag darauf sein Amt niederlegen musste.

Wer die Zeit finden sollte, diese Rede zu lesen, dem sollte bewusst sein, dass diese Rede auch heute noch zu den wenigen Höhepunkten parlamentarischer Redefreiheit im Deutschen Bundestag gehört.

Sie kam nur zur falschen Zeit.

Jenninger-Rede

Zurück zu Rolf Peter Sieferle:

Der Autor von »Finis Germania« hat recht, wenn er schreibt, dass kein Volk in den Köpfen der lebenden Menschen eine geschichtliche Erfahrung dauerhaft in dem Sinne lebensfähig erhalten kann und wird, dem der Makel anhaftet, verantwortlich für das größte Verbrechen wieder die Menschheit zu sein.

Das ist mehr als ein Festhalten am Mythos der Erbsünde, von dem heute viele gar nicht mehr wissen, wann und wie die Erbsünde zum Dogma der katholischen Kirche wurde.

Nach meinem Kenntnisstand war es Augustinus von Hippo, (354-430), der große Theologe der Westkirche, der als geistiger Vater der Erbsündenlehre anzusehen ist.

Wie dem auch immer sei.

Jan Assmann geht von der Annahme aus, dass das kulturelle Gedächtnis an Festen anhaftet. Außerdem heißt es bei Assmann, dass »im kommunikativen Gedächtnis Erinnerungen naturgemäß nur begrenzt haltbar sind. Das hat niemand deutlicher gezeigt als Maurice Halbwachs, dessen Gedächtnistheorie ja den unschätzbaren Vorzug hat, zugleich auch eine Vergessenstheorie zu sein« (S. 64).

Mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust bedeutet das, dass organisierte Erinnerungsarbeit notwendig ist, um die Erinnerung an die Schoah lebendig zu erhalten, weil lebende Zeitzeugen kaum noch zur Verfügung stehen.

Mit anderen Worten:

Die Erinnerungen an den Holocaust sind nicht mehr heiß, sondern werden spürbar kälter.

»Kälte« im von Assmann gebrauchten Sinne ist nicht ein Fehlen von Erinnerung, sondern eine positive Leistung, die einer besonderen »Weisheit« bedarf.

Kälte im hier zu erörternden Sachzusammenhang ist somit nicht der »Unschuldszustand einer Kultur«, denn einen solchen Zustand gibt es nicht. Kälte muss vielmehr erzeugt werden, um eine Gesellschaft zukunftsfähig zu machen und zu erhalten.

»Kalte Kulturen leben nicht in der Vergessenheit von etwas, was »heiße« Kulturen erinnern, sondern in einer anderen Erinnerung. Und um dieser Erinnerung willen muss das Eindringen von Geschichte verhindert werden. Dazu dient die Technik der »kalten« Erinnerung« (S. 68).

Auf Seite 69 heißt es:

»Es gibt Gesellschaften, die zivilisiert, literal und staatlich organisiert und trotzdem kalt sind in dem Sinne, dass sie »dem Eindringen der Geschichte verzweifelt Widerstand leisten«.

Die Folge zugelassener Kälte führt, so Assmann, unweigerlich zur »strukturellen Amnesie«.

Mit anderen Worten:

Ereignisse sowie Eindrücke von Kontingenz lassen sich nicht eliminieren, aber es lässt sich verhindern, dass sie sich zur Geschichte verdichten.

Im schlimmsten Fall hat man es dann mit einer »Gegengeschichte« zu tun.

[Persönliche Anmerkung:] Dem oben skizzierten Bedürfnis der Erzeugung von Kälte, bzw. der Förderung einer »strukturierten Amnesie« scheint möglicherweise einem Gesellschaftsbedürfnis zu entsprechen, das zum Beispiel die AfD erkannt hat und das sie benutzt, um Menschen für ihre Politik zu gewinnen.

Diese Strategie der Förderung »strukturierten Amnesie« entspricht somit möglicherweise dem Bedürfnis ihrer Wähler, u.a. von der Schuld der Vergangenheit zumindest im Rahmen des rechtlich Möglichen befreit zu werden.

Möglicherweise erlaubt es die oben skizzierte »strukturellen Amnesie« der AfD auch, Ideen wiederzubeleben, die bisher für »tot und undenkbar« gehalten wurden aber dennoch in den Köpfen derjenigen wiederbelebt werden können, die keine persönlichen Erinnerungen mehr an die Zeit der Hitlerdiktatur haben.

Was kann dagegen getan werden?

Nichts. Geduld und Vertrauen darauf, dass sich vergangene Verbrechen niemals wiederholen.

Eine solche Politik bzw. »Vergessenheitskultur« zu unterbinden, indem Schriften aus dem Verkehr gezogen werden, die Gedanken enthalten, weshalb kein Volk dauerhaft in Sünde und Schande existieren kann, ist nicht der richtige Weg gegen das Vergessen vorzugehen.

Zusehr erinnert diese Art von Rakation an Formen der Bücherverbrennung vergangener Jahrhunderte, insbesondere an die Bücherverbrennungen, die auch noch zur Zeit der Aufklärung im deutsschprachigen Raum zum ganz normalen Alltag gehörten.

Damals wurden die Autoren ungeliebter Texte zum Tode verurteilt und aufgefordert, das jeweilige Fürstentum sofort zu verlassen, um der Vollstreckung des Urteils zu entgehen. Hatten die verurteilten Autoren das Fürstentum verlassen, wurde dann das Todesurteil an ihren Schriften vollzogen, die der »geflohene« Autor hinterlassen hatte, indem diese verbrannt wurden.

Die Folge davon war, dass diese verbrannten Texte, bzw. die Texte, die der Autor auf seiner Flucht in anderen Fürstentümern mitnahm, dort um so begieriger gelesen und weiter verbreitet wurden.

Und was geschah mit dem geächteten Autor?

 Um sein Leben zu retten, verließ er das Fürstentum, das ihn und seine Art zu denken und zu schreiben nicht mehr ertragen konnte. Dort, wo der Autor hinging, wurde er mit offenen Armen empfangen und gefördert, denn schließlich war die Zeit der Aufklärung ja auch tolerant.

Besonders zahlreich waren die Bücherverbrennungen der römisch-katholischen Kirche in Europa im 17. und 18. Jahrhundert.

Wie dem auch immer sei.

Mich hat die Entfernung des kleinen Buches mit dem Titel »Finis Germania« von der Bestsellerliste des Spiegels erst dazu bewogen, dieses Buch zu kaufen und zu lesen.

Ich denke, dass es vielen anderen auch so ergangen ist, denn radikalisierte Aufklärung (niederschmetternde Kritik) wirkt immer in zwei Richtungen, meist in die falsche.

04.12 2017: Björn Höcke

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Björn Höcke, 1972 in Lünen (NRW) geboren, ist seit der Landtagswahl 2014 AfD-Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag. Politisch ist er am rechten Rand seiner Partei verortet und fällt medienwirksam durch so manche unangebrachte Aussage auf.

In einem Artikel über Björn Höcke auf Focus.de vom 24.01.2017 heißt es unter der Überschrift:

Acht Zitate zeigen, wie gefährlich der AfD-Rechtsaußen wirklich ist:

  • »Im 21. Jahrhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp.« (in einem Vortrag über Asylbewerber aus Afrika, 21. November 2015)

  • »Ich will, dass Deutschland nicht nur eine tausendjährige Vergangenheit hat. Ich will, dass Deutschland auch eine tausendjährige Zukunft hat.« (auf einer Kundgebung im Oktober 2015)

  • »Thüringer! Deutsche! 3.000 Jahre Europa. 1.000 Jahre Deutschland – ich gebe euch nicht her!« (auf einer Demonstration in Erfurt, September 2015)

  • »Der Syrer, der zu uns kommt, der hat noch sein Syrien. Der Afghane, der zu uns kommt, der hat noch sein Afghanistan. Und der Senegalese, der zu uns kommt, der hat noch seinen Senegal. Wenn wir unser Deutschland verloren haben, haben wir keine Heimat mehr!« (ebenfalls auf einer Demonstration in Erfurt, September 2015)

  • »Christentum und Judentum stellen einen Antagonismus dar. Darum kann ich mit dem Begriff des christlich-jüdischen Abendlands nichts anfangen.« (auf einer Veranstaltung der „Jungen Alternative Berlin“ am 26. September 2015)

  • »Sigmar Gabriel, dieser Volksverderber, anders kann ich ihn nicht nennen.« (auf einer Demo in Erfurt, März 2016. Den Begriff »Volksverderber« verwendete Adolf Hitler bereits in »Mein Kampf«)

  • »Unsere einst geachtete Armee ist von einem Instrument der Landesverteidigung zu einer durchgegenderten multikulturalisierten Eingreiftruppe im Dienste der USA verkommen.« (Dresden, 17. Januar 2017)

  • »Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.« (Dresden, 17. Januar 2017, über das Holocaust-Denkmal in Berlin)

[Fazit im Focusartikel:] Wenn ein Berufspolitiker wie Höcke so häufig antisemitische oder rassistische Anspielungen in seinen Reden verbaut, kann man kaum noch von einzelnen Ausrutschern sprechen. Man muss davon ausgehen, dass der AfD-Mann diese Provokationen gezielt verwendet. Auffällig sind auch die Begriffe aus der NS-Zeit (Volksverderber, tausendjähriges Deutschland), die einem Geschichtslehrer wohl nicht einfach nur herausrutschen. [En21] 21

04.13 Die Sicht der Päpste

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Der Besuch von Papst Franziskus auf den Philippinen im Januar 2015 war ein spektakulärer Erfolg: Bei der Abschlussmesse in der Hauptstadt Manila jubelten ihm rund 6 Millionen Menschen zu, so viele, wie nie zuvor.

»Insbesondere auf die Bedürfnisse von Kindern ging Papst Franziskus in seiner Ansprache ein. »Wir müssen jedes Kind als ein Geschenk ansehen, das wir willkommen heißen, schätzen und schützen sollten. Und wir müssen dafür sorgen, dass die jungen Menschen nicht ihrer Hoffnungen beraubt und zu einem Leben auf der Straße verdammt werden«, so das Kirchenoberhaupt.« [En22]22.

Zum Einsatz von Verhütungsmitteln äußerte sich der Papst mit keinem Wort:

Auf Zeit.de vom 20. Januar 2015 heißt es in einem Artikel unter der Überschrift: »Papst verteidigt Verbot von Pille und Kondomen«, wie folgt:

»Papst Franziskus wehrt sich gegen Kritik an der Position der katholischen Kirche in Verhütungsfragen. Die Ablehnung von Kondomen und der Antibabypille bedeutet nach Meinung des Kirchenoberhaupts nicht, sich unkontrolliert fortpflanzen zu müssen. [...]. Es gelte vielmehr das Prinzip der »verantwortungsbewussten Elternschaft«, Eltern könnten die Zahl ihrer Kinder planen. Es gebe viele von der Kirche erlaubte Methoden.« [En23] 23

Wie dem auch immer sei.

  • 1950 umfasste die Weltbevölkerung ca. 2,5 Milliarden Menschen

  • 2017 wird deren Anzahl auf 7,4 Milliarden Menschen geschätzt und

  • 2050 werden wahrscheinlich 9,1 Milliarden Menschen den Planeten Erde bewohnen und, weil sie in ihren Heimatländern wahrscheinlich verhungern werden, wenn sich die Welt bis dahin nicht grundlegend verändert hat, werden sich die Hungernden wohl eine neue Heimat suchen müssen.

»Seid fruchtbar und mehret euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan« (Genesis 91,-2) erzeugt im oben aufgezeigten Sinne wohl eher Furcht und Schrecken, als Hoffnungen auf eine humanere Welt.

[Unicef warnt vor Bevölkerungsexplosion in Afrika:] In einem Artikel vom 26.10.2017, veröffentliche auf Welt.de, heißt es sinngemäß, dass Unicef vor einer großen Fluchtbewegung aus Afrika warnt, weil sich bis 2050 die Zahl der in Afrika lebenden Menschen auf 2,5 Milliarden verdoppelt haben wird. Schon jetzt sind etwa 500 Millionen Afrikaner jünger als 25 Jahre. Unicef zufolge werden im Jahr 2030 rund 750 Millionen Afrikaner jünger als 18 Jahre sein, die sich dann, auf der Suche nach einem besseren Leben, genauso wie die vielen vor ihnen auf den Weg nach Europa machen werden.

An anderer Stelle heißt es:

Im Niger bekommen Frauen im Schnitt 7,2 Kinder.

Im Folgenden werden einige Positionen der katholischen Kirche, das Elend dieser Welt betreffend, kurz skizziert:

  • 1963: In der ENZYKLIKA PACEM IN TERRIS aus dem Jahr 1963 wird das Recht zur Auswanderung und Einwanderung garantiert.
    [12.] Jedem Menschen muss das Recht zugestanden werden, innerhalb der Grenzen seines Staates seinen Wohnsitz zu behalten oder zu ändern; ja, es muss ihm auch erlaubt sein, sofern gerechte Gründe dazu raten, in andere Staaten auszuwandern und dort seinen Wohnsitz aufzuschlagen (...). Auch dadurch, dass jemand Bürger eines bestimmten Staates ist, hört er in keiner Weise auf, Mitglied der Menschheitsfamilie und Bürger jener universalen Gesellschaft und jener Gemeinschaft aller Menschen zu sein. [En24] 24 

  • 2009: In der ENZYKLIKA CARITAS IN VERITATE aus dem Jahr 2009 heißt es:
    [7:] Man liebt den Nächsten um so wirkungsvoller, je mehr man sich für ein gemeinsames Gut einsetzt, das auch seinen realen Bedürfnissen entspricht. Jeder Christ ist zu dieser Nächstenliebe aufgerufen, in der Weise seiner Berufung und entsprechend seinen Einflussmöglichkeiten in der Polis. Das ist der institutionelle - wir können auch sagen politische - Weg der Nächstenliebe, der nicht weniger tauglich und wirksam ist als die Liebe, die dem Nächsten unmittelbar, außerhalb der institutionellen Vermittlungen der Polis entgegenkommt. Wenn der Einsatz für das Gemeinwohl von der Liebe beseelt ist, hat er eine höhere Wertigkeit als der nur weltliche, politische. Wie jeder Einsatz für die Gerechtigkeit gehört er zu jenem Zeugnis der göttlichen Liebe, das, während es in der Zeit wirkt, die Ewigkeit vorbereitet. Wenn das Handeln des Menschen auf Erden von der Liebe inspiriert und unterstützt wird, trägt es zum Aufbau jener universellen Stadt Gottes bei, auf die sich die Geschichte der Menschheitsfamilie zubewegt. In einer Gesellschaft auf dem Weg zur Globalisierung müssen das Gemeinwohl und der Einsatz dafür unweigerlich die Dimensionen der gesamten Menschheitsfamilie, also der Gemeinschaft der Völker und der Nationen, annehmen, so dass sie der Stadt des Menschen die Gestalt der Einheit und des Friedens verleihen und sie gewissermaßen zu einer vorausdeutenden Antizipation der grenzenlosen Stadt Gottes machen. [En25] 25  

  • 2011: Anlässlich des Welttages 2011 sprach Benedikt XVI. von einer »einzigen Familie von Brüdern und Schwestern in Gesellschaften, die immer multiethnischer und interkultureller werden, womit der Papst aber wohl nur die westlichen Staaten meinte, denn nur die werden zunehmend multikultureller.  

  • 2012: Auf dem 99. Kirchentag im Oktober 2012 äußerte sich Papst Benedikt XVI. zur Position der katholischen Kirche zur Einwanderungsfrage in westliche Länder unter Bezugnahme auf seine ENZYKLIKA CARITAS IN VERITATE:
    [62:] Kein Land kann sich allein dazu imstande sehen, den Migrationsproblemen unserer Zeit zu begegnen. Wir alle sind Zeugen der Last an Leid, Entbehrung und Hoffnung, die mit den Migrationsströmen einhergeht. Das Phänomen zu steuern ist bekanntermaßen komplex; dennoch steht fest, dass die Fremdarbeiter trotz der Schwierigkeiten im Zusammenhang mit ihrer Integration durch ihre Arbeit einen bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des Gastlandes leisten und darüber hinaus dank der Geldsendungen auch einen Beitrag zur Entwicklung ihrer Herkunftsländer erbringen. Offensichtlich können diese Arbeitnehmer nicht als Ware oder reine Arbeitskraft angesehen werden. Sie dürfen folglich nicht wie irgendein anderer Produktionsfaktor behandelt werden. Jeder Migrant ist eine menschliche Person, die als solche unveräußerliche Grundrechte besitzt, die von allen und in jeder Situation respektiert werden müssen.
    [67:] Um die Weltwirtschaft zu steuern, die von der Krise betroffenen Wirtschaften zu sanieren, einer Verschlimmerung der Krise und sich daraus ergebenden Ungleichgewichten vorzubeugen, um eine geeignete vollständige Abrüstung zu verwirklichen, sowie Ernährungssicherheit und Frieden zu verwirklichen, den Umweltschutz zu gewährleisten und die Migrationsströme zu regulieren, ist das Vorhandensein einer echten politischen Weltautorität [...] dringend nötig. [En26] 26

Die Frage, die sich hier stellt, lautet: Gehören die oben mitgeteilten Zitate eher zum konservativen (rechten) Denken, oder doch eher zum sozialistischen (linken) Denken.

Die Vorstellungen eines Weltstaates lassen zumindest den Gedanken zu, dass dadurch die Internationale sozialistischer Glaubensvorstellungen eines Weltstaates gemeint sein könnte. Anderseits suggeriert die Vorstellung eines »Weltstaates unter einer echten politischen Weltautorität«, auch einen Staat, der nur funktionieren kann, wenn er über einen starken Führer und viel Macht verfügt.

Wer soll das sein?

Ein »Rechter« oder ein »Linker« oder gar der »Papst«?

Wie dem auch immer sei.

Solange Menschen existieren, die den Namen Menschen verdienen, werden sie darüber streiten, was in konkreten Lagen gut und was eher böse ist.

Festzustellen ist, dass die AfD nicht nur in den neuen Bundesländern, in denen es nur wenige kirchlich gebundene Menschen gibt, sondern auch im katholischen Bayern politische Vorstellungen in den Köpfen der Wähler zum Leben erwecken konnte, die mit den oben zitierten päpstlichen Vorstellungen nicht einmal korrelierbar sind.

Grund dafür mag die Überschrift in der folgenden Randnummer sein.

05 Wir sind nie modern gewesen

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Bruno Latour, Professor am Siences Politiques in Paris, geht in seinem Essay zum Thema: »Wir sind nie modern gewesen«, von der Vorstellung aus, dass auf der Grundlage der Verfassungen von gestern (gemeint sind die bestehenden Verfassungstexte in den westlichen Staaten) die Probleme von heute nicht mehr gelöst werden können.

Auf die Frage: »Was heißt es modern zu sein?« schreibt Latour:

»Die Moderne kommt in so vielen Bedeutungen daher, wie es Denker oder Journalisten gibt. [...]. Mit dem Adjektiv »modern« bezeichnet man ein neues Regime, eine Beschleunigung, einen Bruch, eine Revolution der Zeit. Sobald die Worte »modern«, »Modernisierung«, »Moderne« auftauchen, definieren wir im Kontrast dazu eine archaische und stabile Vergangenheit« (S. 18).

An anderer Stelle heißt es:

»Sagen wir also, dass die Modernen kapituliert haben. Ihre Verfassung konnte ein paar [...] Ausnahmen verkraften, ja sie zehrte sogar davon. Sie vermag jedoch nichts mehr, wenn die Ausnahmen wuchern, wenn der dritte Stand der Dinge und die Dritte Welt sich vermengen und massenhaft in alle Versammlungen eindringen« (S. 68).

Dann aber, so Latour, springt einem die Krise der Moderne ungeschminkt ins Auge. »Die Vermehrung der Hybriden hat [nämlich] den konstitutionellen Rahmen der Moderne gesprengt« (S. 69).

Und auf Seite 168 heißt es:

»Wir sind nach dem Krieg geboren, hinter uns erst die braunen, dann die roten Lager, unter uns die Hungersnöte, über unseren Köpfen die nukleare Apokalypse und vor uns die Zerstörung des Planeten. Da fällt es in der Tat schwer [...] vorbehaltlos an die unvergleichlichen Tugenden politischer, medizinischer, wissenschaftlicher oder ökonomischer Revolutionen zu glauben.«

[Das Parlament der Dinge:] Zur Lösung der oben angedeuteten Probleme schlägt Bruno Latour vor, ein Parlament der Dinge einzuberufen, ein Parlament, in dem Menschen nicht nur ihre eigenen Interessen, sondern auch die von Elefanten, Löwen, Eisbären, Walen aber auch die von Spulwürmern, Insekten und auch die von Bäumen und Pflanzen vertreten. Die Welt ist alles, was in diesem Parlament zur Sprache und dabei nicht zu Fall gebracht werden darf.

[Persönliche Anmerkung:] Neueste Studien belegen, dass in Deutschland die Population der Insekten in den zurückliegenden 30 Jahren um etwa 75 Prozent zurückgegangen ist. Im Sinne von Latour wäre es also höchste Zeit, die Interessen der noch lebenden Populationen nachhaltig zu schützen, zumal auch unser Überleben vom Leben der Insekten abhängig ist.

Ob diese Erkenntnis ausreichen wird, das ausstehende Glyphosat-Verbot zu beschleunigen, darf hingegen bezweifelt werden.

Zu viele Landwirte sind dagegen.

Ob das »Rechts« oder »Links« ist, müssen Sie selbst entscheiden.

Übrigens:

Die in der oben skizzierten Studie benannten Einsichten sind nicht neu. Bereits 1982 wurden im C. H. Beck-Verlag unter dem Titel »Ketzereien« die schriftlichen Aufzeichnungen von Günther Anders publiziert, in denen dieser seine Beobachtungen über den Zustand der westlichen Welt in kurzen Notizen aufgeschrieben hatte. Seine jüdischen Wurzeln erlaubten es ihm, in seinen Ketzereien eine Überschrift zu wählen, die gegen Ende der 1950 Jahre, als die folgende Ketzerei geschrieben wurde, kein deutscher Schriftsteller in dieser Kombination gewagt hätte, aufs Papier zu bringen.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, siehe Sieferle.

Auschwitz der Tiere

»Vierzehn Tage bin ich auf Ferien gewesen. Habe keine einzige Fliege, Mücke, Biene und keinen Schmetterling gesehen. Und dabei haben früher die Schwärme von Insekten die Majorität der lebenden Wesen ausgemacht. Wir sind uns gar nicht bewusst, dass das Auschwitz der »lebensunwerten« Insekten bereits hinter uns liegt. War es das Ideal Hitlers gewesen, dass nur Arier übrigbleiben, so ist es das Ideal der heutigen Technokraten, nur Menschen übrig zu lassen.«

Wie dem auch immer sei.

Bruno Latour hat sicherlich Recht mit seiner Forderung nach einem Parlament der Dinge, verkennt aber die Tatsache, dass Menschen, wenn sie sich bedroht oder gefährdet fühlen, in der Regel Vernunft durch Regression ersetzen.

[Regression:] »Stellt sich dem Menschen in seinen Handlungen oder Lebensbestrebungen irgendein Hindernis entgegen, so gibt es rein theoretisch zwei Möglichkeiten:

Entweder überwindet er das Hindernis, oder er scheitert.

Die Psychoanalyse konnte den Nachweis erbringen, dass der Mensch im zweiten Fall in der Regel nicht einfach zur Tagesordnung übergeht, sondern als Antwort auf sein Frustrationserlebnis regrediert, d.h. eine Verhaltensweise äußert, die einer entwicklungsmäßig (genetisch) früheren Stufe entspricht.

Diese Regression ist insofern ein Abwehrmechanismus, als sie offenbar dazu dient, die mit dem Scheitern verbundenen Minderwertigkeits-, Schuld- und Angstgefühle nicht ins Bewusstsein kommen zu lassen. Die bewusste Auseinandersetzung mit diesen belastenden Inhalten wird gewissermaßen überkleistert durch eine kindische Ersatzhandlung« [En27] 27, die darin besteht, darauf zu vertrauen, das die Autorität der Eltern (oder die des Staates) ausreichen wird, das besorgte Kind (den besorgten Bürger) zu trösten und seine Wunden zu heilen.

06 Erste Sitzung des 19. Deutschen Bundestages am 24.10.2017

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Am 24.10.2017 trafen sich die Abgeordneten des 19. Deutschen Bundestages im Plenarsaal zur ersten konstituierenden Sitzung.

Bei der Wahl des Abgeordneten Albrecht Glaser (AfD) kam es wie erwartet zur ersten Kraftprobe mit der neu ins Parlament gewählten drittstärksten parlamentarischen Kraft.

Auch im dritten Wahlgang erhielt Albrecht Glaser nicht die notwendige Mehrheit, um das auch der Fraktion der AfD zustehende Amt des Vizepräsidenten des Bundestags einnehmen zu können.

Grund dafür war das nachfolgend wiedergegebene Zitat einer Rede, die Albrecht Glaser im April 2017 auf einer Parteiveranstaltung in Oestrich-Winkel im hessischen Rheingau-Taunus-Kreis gehalten hatte.

»Der Islam ist eine Konstruktion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kennt und die sie nicht respektiert. Und die da, wo sie das Sagen hat, jede Art von Religionsfreiheit im Keim erstickt. Und wer so mit einem Grundrecht umgeht, dem muss man das Grundrecht entziehen.»  [En28].

In der Neuen Züricher Zeitung vom 23.10.2017 heißt es im Hinblick auf das zu erwartende Ergebnis der Wahl oder Nichtwahl von Albrecht Graber wie folgt:

Für die AfD ist der Fall Glaser ein Geschenk.

  • Wird er gewählt: schön.

  • Wird er nicht gewählt: noch schöner.

Einmal mehr könnte die Partei dann demonstrieren, wie sie ausgeschlossen wird und sich die anderen mit Formalitäten – letztlich Kindereien – aufhalten, anstatt Politik zu machen. [En29].

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Dennoch:

Die in der parlamentarischen Tradition der Bundesrepublik Deutschland als Feierstunde vorgesehene 1. konstituierende Sitzung der Abgeordneten des Deutschen Bundestages, konnte kaum gründlicher misslingen.

Grund dafür ist auch die Wahl des Alterspräsidenten Otto Solms (FDP), die nur dadurch möglich wurde, weil noch gerade rechtzeitig die Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages neugefasst wurde, um die Wahl eines AfD-Abgeordneten verhindern zu können, der aufgrund seines hohen Alters dann unweigerlich Alterspräsident geworden wäre.

Mit anderen Worten:

Es ist wirklich nicht schwer, einen politischen Gegner durch ungeschicktes Verhalten aufzubauen und zu stärken.

Wie stark sich die AfD präsentieren kann, das bewies unmittelbar nach der ersten konstituierenden Sitzung des 19. Deutschen Bundestages die Fraktionsvorsitzende der AfD Alice Weidel in einem Interview mit dem ZDF, in dem sie sagte, dass Muslime ein Grundrecht auf Religionsausübung nur dann zustehe, wenn sie sich vorher von der Scharia lossagen. Das islamische Recht sei, so Seidel, nicht »Grundgesetzkompatibel«. »Islamverbänden müssten deshalb von Seiten des Staates aufgefordert werden, einen Eid beispielsweise auf unser Grundgesetz zu schwören.«

Das Interview in voller Länge kann über den folgenden Link aufgerufen werden.

Alice Weidel zur Religionsfreiheit des Islam in Deutschland

Über den Inhalt dieses Interviews lässt sich inhaltlich und sachlich treftig streiten.

Ein Palrament aber, dass eine offene Auseinandersetzung über die Postition der AfD in dieser Frage scheut, wird den Anforderungen nicht gerecht werden können, die die Wähler an die Abgeordneten des 19. Deutschen Bundestages stellen.

Die Auflistung weiterer klärungsbedürftiger Fragen würde diesen Aufsatz nur unnötig überfrachten.

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Demokratie heute: Teil 1 - Neben Rechten sitzen müssen...
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07 Quellen

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Die Quellen wurden am angegebenen Zeitpunkt aufgerufen und eingesehen. Über die weitere Verfügbarkeit der Inhalte entscheidet ausschließlich der jeweilige Anbieter.

Endnote_01
Rechts-Links-Schema
http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/pocket-politik/
16547/rechts-links-schema
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Endnote_02
Deutscher Bundestag
https://www.bundestag.de/parlament/geschichte/parlamentarismus/kaiserreich
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Endnote_03
Zitiert nach:
Schluß eines Gedichts von O.Mußgiller, Erlanger Tagblatt, 13.5.1933
http://www.gavagai.de/skandal/HHD0808.htm
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Endnote_04
Rassismus, Biologie und Rassenlehre
Geschrieben von: Ulrich Kattmann
Erstellt: 14. September 2004
Aktualisiert: 4. März 2017
http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/rassismus-biologie-und-rassenlehre/
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Endnote_05
The Appotionment of Human Diversity
Die Verteilung der menschlichen Vielfalt
R. C. Lewontin
University of Chicago
Originalzitat:
Human racial classifcations is of no social value and is positiely destructive of social and human relations. Since such racial classification is now seen to be of virtaully no genetic or taxonomic significance either, no justification can be offered for its continuance.
http://www.philbio.org/wp-content/uploads/2010/11/
Lewontin-The-Apportionment-of-Human-Diversity.pdf
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Endnote_06
Menschliche genetische Vielfalt: Lewontins Irrtum
Human genetic diversity: Lewontin’s fallacy
A.W.F. Edwards 18 July 2003
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/bies.10315/epdf?r3_
referer=wol&tracking_action=preview_click&show_checkout=1&purchase_
referrer=www.bing.com&purchase_site_license=
LICENSE_DENIED_NO_CUSTOMER
Zitat im Original:
In popular articles that play down the genetical differences among human populations, it is often stated that about 85% of the total genetical variation is due to individual differences within populations and only 15% to differences between populations or ethnic groups. It has therefore been proposed that the division of Homo sapiens into these groups is not justified by the genetic data. This conclusion, due to R.C. Lewontin in 1972, is unwarranted because the argument ignores the fact that most of the information that distinguishes populations is hidden in the correlation structure of the data and not simply in the variation of the individual factors. The underlying logic, which was discussed in the early years of the last century, is here discussed using a simple genetical example.
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Endnote_07
Adolf Hitler
Mein Kampf
Zwei Bände in einem Band
Ungekürzte Ausgabe
Zentralverlag der NSDAP., Frz. Eher Nachf., G.m.b.H., München
851.–855. Auflage 1943
Alle Rechte vorbehalten
Copyright Band I 1925, Band II 1927 by Verlag Franz Eher Nachf.,
G.m.b.H., München
Printed in Germany
Gesamtauflage sämtlicher Ausgaben 10 240 000 Exemplare
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Endnote_08
Wolfgang Schieder
Der italienische Faschismus
Emilio Gentile
Der neue Mensch des Faschismus
C.H.Beck Wissen 2010
Seite 89
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Endnote_09
Frantz Fanon
Die Verdammten dieser Erde
Suhrkamp 14. Auflage 2014
Seite 38
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Endnote_10
Wolfgang Schieder
Der italienische Faschismus
Roger Griffin
»Palingenetischer Ultranationalismus - Die Geburtswehen einer neuen Faschismusdeutung«
C.H.Beck Wissen 2010
Seiten 18, 20, 23
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Endnote_11
Parlamentarischer Rat
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Entwürfe, Bonn 1948/49
Seite 75
Zitiert nach:
Kurt Hübner
Das Nationale
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Endnote_12
Merkel zitiert Wulff
„Islam gehört zu Deutschland“
Welt.de vom 12.01.2015
https://www.welt.de/politik/deutschland/article136286414/
Merkel-zitiert-Wulff-Islam-gehoert-zu-Deutschland.html
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Endnote_13
Zitiert nach
https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Moeller_van_den_Bruck
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Endnote_14
Adolf Hitler
Mein Kampf
Zwei Bände in einem Band
Ungekürzte Ausgabe
Zentralverlag der NSDAP., Frz. Eher Nachf., G.m.b.H., München
851.–855. Auflage 1943
Alle Rechte vorbehalten
Copyright Band I 1925, Band II 1927 by Verlag Franz Eher Nachf.,
G.m.b.H., München
Printed in Germany
Gesamtauflage sämtlicher Ausgaben 10 240 000 Exemplare
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Endnote_15
Merkel zur Flüchtlingskrise »Multikulti bleibt eine Lebenslüge« Spiegel.de vom 14.12.2015
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fluechtlinge-angela-
merkel-spricht-von-historischer-bewaehrungsprobe-fuer-europa-a-1067685.html
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Endnote_16
Deutsche Rufe
Kommt die D-Mark, bleiben wir ..."
http://www.deutschlandfunkkultur.de/deutsche-rufe-7-8-kommt-die-d-mark-bleiben-wir.1001.de.html?dram:article_id=294872

Aufgerufen am 28.10.2017
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Endnote_17
Religiöse Versuchung im Ramadan
https://www.nzz.ch/international/aufgefallen/kontroverse-um-die-hagia-
sophia-religioese-versuchung-im-ramadan-ld.87632
Aufgerufen am 22.10.2017
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Endnote_18
Spiegel lässt »Finis Germania« von der Bestsellerliste verschwinden
»Ein journalistischer Skandal«
Kulturgespräch am 26.7.2017 mit Denis Scheck, Literaturkritiker
https://www.swr.de/swr2/kultur-info/spiegel-laesst-finis-germania-von-der-
bestsellerliste-verschwinden/-/id=9597116/did=
19975970/nid=9597116/1fcww1l/index.html
Aufgerufen am 22.10.2017
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Endnote_19
Halbwachs, Mauricé. Das Gedächtnis und seine sozialen Bindungen. Suhrkamp 2008, S. 360, zitiert nach: Nemo Klee: Kollektives Gedächtnis, Herrschaft und Befreiung, Theoretische und persönliche Überlegungen.
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Endnote_20
Assmann, Jan. Moses der Ägypter. Fischer. 7. Auflage 2011, S. 34.
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Endnote_21
Skandal in Dresden
AfD-Mann Höcke kritisiert Holocaust-Mahnmal als »Schande«
18.01.2017
http://www.focus.de/politik/deutschland/bjoern-hoecke-sieben-zitate
-zeigen-wie-gefaehrlich-der-afd-rechtsaussen-wirklich-ist_id_6536746.html
Aufgerufen am 22.10.2017
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Endnote_22
Zitiert nach:
Spiegel.de vom 18.01.2015
http://www.spiegel.de/panorama/papst-franziskus-millionen-
menschen-bei-messe-in-manila-a-1013559.html
Aufgerufen am 22.10.2017
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Endnote_23
Papst verteidigt Verbot von Pille und Kondom
Zeit.de vom 20.01.2015
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/
2015-01/papst-franziskus-verhuetung
Aufgerufen am 22.10.2017
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Endnote_24
ENZYKLIKA PACEM IN TERRIS
http://w2.vatican.va/content/john-xxiii/de/encyclicals/documents/
hf_j-xxiii_enc_11041963_pacem.html
Aufgerufen am 22.10.2017
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Endnote_25
ENZYKLIKA CARITAS IN VERITATE
http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/encyclicals/documents/
hf_benxvi_enc_20090629_caritas-in-veritate.html
Aufgerufen am 22.10.2017
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Endnote_26
2009
ENZYKLIKA CARITAS IN VERITATE
http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/encyclicals/documents/
hf_ben-xvi_enc_20090629_caritas-in-veritate.html
Aufgerufen am 22.10.2017
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Endnote_27
Verwendete Literatur
Stangl, W. (2017). Stichwort: ›Regression‹. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: http://lexikon.stangl.eu/263/regression/
Aufgerufen am 22.10.2017
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Endnote_28
Tagesspiegel. de vom 20.04.2017
AfD-Vize will Islam Grundrecht auf Religionsfreiheit entziehen
http://www.tagesspiegel.de/politik/rede-im-rheingau-afd-vize-will-islam-grundrecht-auf-religionsfreiheit-entziehen/19694826.html
Aufgerufen am 22.10.2017
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Endnote_29
Die AfD gewinnt im Fall Glaser so oder so
NZZ.ch vom 23.10.2017
https://www.nzz.ch/international/glaser-ein-gluecksfall-fuer-die-afd-ld.1323652#
Aufgerufen am 24.10.2017
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Demokratie heute: Teil 1 - Neben Rechten sitzen müssen...
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