PdvT- Die Partei der vier Tugenden
 Klugheit, Gerechtigkeit, Mut und Maßhalten
 
Maßhalten als Tugend

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Gesunder Menschenverstand in ungewöhnlichem Maße ist das, was die Welt Weisheit nennt.
Samuel Coleridge
1772 bis 1834

Die PdvT hält nicht das »ungewöhnliche Maß«, sondern das »menschliche Maß« für den Kern ihrer Politik. Die Bereitschaft zum Maßhalten ist für sie nicht nur eine Tugend, sondern eine Notwendigkeit.

Die Tugend des Maßhaltens ist aber in postmodernen Zeiten mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. In marktorientierten Demokratien wird die Tugend des Maßhaltens deshalb auch gar nicht erst diskutiert, denn die Aufforderung zum Verzicht und zur Einschränkung wäre ja nichts anderes, als das öffentlichen Einfordern einer Rezession.

In einer Welt des Wirtschaftswachstums, das ohne Überproduktionen, egal in welchem Bereich, gar nicht existieren kann, wirkt die Tugend des Maßhaltens sozusagen wie eine Aufforderung zur gewaltsamen Systemveränderung, »denn die Tugend des Maßes« würde, so Josef Pieper, voraussetzen, »dass jene zerstörerische und seinswidrige Auflehnung der Sinne gegen den Geist der Maßlosigkeit möglich ist, zumindest aber für möglich gehalten wird«, was aber in freien marktwirtschaftlichen Systemen unbedingt zu verhindern ist, weil Verzicht nur Rückschritt und nur Wachstum »Fortschritt« bedeuten kann.

An anderer Stelle heißt es bei Josef Pieper in seiner kurzen Abhandlung »Über das christliche Menschenbild« sinngemäß, dass im Gemeinbewusstsein der Christenheit die Tugend des Maßhaltens eine herausragende Stellung einnahm.

Wörtlich heißt es:

»So wurde die am meisten private Tugend für die am meisten christliche gehalten.«

Und genauso sieht das auch der Liberalismus, soweit es sich um privates Maßhalten handelt, denn im öffentlichen Leben würde, in Anlehnung an Josef Pieper, »die Tugend des Maßes [...] als etwas Sinnloses, als etwas Widersinniges und Gegenstandsloses erscheinen.« [En01]

Im Wirtschaftssystem von heute ist für Maßhalten kein Platz. Dort wird Maßhalten zum Rückschritt, so dass in wachstumsorientierten Gesellschaften das Wort des Maßhaltens besser durch das Wort »Wegwerfgesellschaft« zu ersetzen wäre.

Zurück zur christlich-abendländischen Tugend des Maßhaltens.

Wie keine andere ergibt sich aus dieser Tugend eine bewahrende Haltung gegenüber der Natur bzw. der Schöpfung. Und dass gerade diese Tugend, vom Zeitpunkt ihrer Formulierung bis heute, die Menschen meist überfordert hat, liegt, und das wussten die Denker sowohl in der Antike als auch die im Mittelalter, an den widerstreitenden Kräften im menschlichen Wesen, die am ehesten als die eigentlichen Kräfte der Selbstbewahrung, Selbstbehauptung bzw. der, Selbsterfüllung zu bezeichnen sind, wenn da nicht zugleich auch entgegengesetzte Kräfte wirken würden, nämlich die Kräfte, die zur Selbstzerstörung der sittlichen Person führen, wenn sie es verlernt, Maß zu halten.

Und was für Individuen gilt, das gilt auch für Gesellschaften.

Maßlose Gesellschaften müssen scheitern.

Nicht umsonst, und das kann in jedem ernstzunehmenden Buch, das sich mit der »Natur menschlichen Verhaltens« auseinandersetzt, nachgelesen werden, befindet sich der landläufig verwendete Begriff der »Mäßigung« in einer fatalen Nachbarschaft zu der Sprachfigur der »Angst vor jeglichem Überschwang« und den damit verbundenen negativen Folgen.

Ein jeder weiß, was der Spruch »Alles mit Maß«, nicht nur im alltäglichen Gerede bedeutet. Im politischen Alltagsgeschehen von heute hat die Aufforderung zur »klugen Mäßigung« dennoch kaum mehr als ein hilfloses Schulterzucken bei denen zur Folge, die das nicht wollen können, denn eine »marktkonformen Demokratie«, so Bundeskanzlerin Angela Merkel am 1. September 2011 anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin, setzt voraus, dass marktkonforme Politik gemacht wird.

Diesbezüglich sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel:

»Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist, also dass sich auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben.« [En02]

Marktkonformität der Demokratie in Deutschland, so zumindest die Überzeugung der PdvT, kann aber auch etwas anderes bedeuten, als grenzenloses Wachstum und ein immer weiter so. Systemverändernde Korrekturen in der Wirtschaftsordnung Deutschlands unterstützt die PdvT aber nur dann, wenn diese sozialverträglich herbeigeführt werden und parallel dazu die gesamte Infrastruktur auf die Nutzung erneuerbarer Energien umgestellt wird.

Das wiederum setzt voraus, dass notwendig werdende Veränderungen die Reichen mehr als die Bedürftigen in Anspruch nehmen müssen.

Mit anderen Worten:

Eine Wirtschaftsordnung, die in Zukunft auf Kohle, Erdöl und Gas, also auf die fossilen Energieträger als so genannte Schlüsselenergien gänzlich wird verzichten müssen, wird nicht nur radikal anders sein, sondern auch radikal sein müssen, hier zu verstehen im Sinne von: Fundamental, grundlegend, rigoros und unnachgiebig anders.

Das Wort »Systemveränderung« dürfte wahrscheinlich in diesem Sachzusammenhang gesehen nur unzureichend das zum Ausdruck bringen, was tatsächlich an Veränderungen im Wirtschaftssystem Deutschlands notwendig sein wird. Gemeint ist, dass das, was uns bevorsteht, die 3. Industrielle Revolution ist.

Und bei einer Revolution handelt es sich nicht nur um eine Wende, eine Umwälzung und eine Neuordnung, sondern auch um einen Umbruch, einen Umsturz, verbunden mit inneren Unruhen, zumindest aber mit großen Widerständen von Andersdenkenden.

Und wenn diese »Revolution« sozialerträglich realisiert werden soll, dann bedarf es eines gigantischen technischen Fortschritts. Eines Fortschritts, der es erlaubt, in wenigen Jahren die gesamte auf »Kohle, Öl und Gas« basierende industrielle Infrastruktur in eine völlig andere Infrastruktur umzuwandeln, nämlich in eine technische Infrastruktur, die allein auf der Basis erneuerbarer Energien beruht und die den Menschen »Arbeit und Brot« verschafft, deren Arbeitsplätze nicht mehr gebraucht werden.

Solch ein gigantische Erneuerung wird höchstwahrscheinlich die Politik überfordern. Zumal Investitionen in einer Größenordnung erforderlich sein werden, die aus Steuermitteln nicht mehr finanziert werden können. Insoweit wird es unverzichtbar sein, private Kapitalgeber an diesem Umbau zu beteiligen. Und dass dies möglich sein wird, davon kann ausgegangen werden, wenn private Kapitalgeber durch eine richtige und »nachhaltige Politik«, zu der sich die PdvT bekennt, erkennen, dass ihr Kapital beim Ausbau einer klimaneutralen Infrastruktur besser angelegt ist, als das beim Festhalten an bisherigen Anlageformen der Fall ist.

Denn eines ist in freien marktwirtschaftlichen Systemen ein nicht wegzudiskutierendes Faktum: Kapitalströme gehen dahin, wo die Zukunft liegt. Sie suchen Anlageformen, in denen mit Geld »Geld« verdient werden kann.

Aufgabe der Politik und somit auch der PdvT wird es sein, die für diese Veränderungen notwendigen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass das Kapital nicht spontan aus den Anlageformen flieht, in denen keine Gewinne mehr zu erwarten sind. Das hätte nur einen neuen »Schwarzen Freitag« zur Folge.

Das zu vermeiden wird aber nur möglich sein, wenn auf der Grundlage der vier Tugenden die Zukunft gestaltet wird, die die PdvT zu ihrem Grundsatzprogramm erklärt hat: Klugheit, Gerechtigkeit, Mut und die Fähigkeit zum Maßhalten.

Insoweit wird es auch darum gehen, die wirklich großen Geldgeber davon zu überzeugen, dass es unverzichtbar sein wird, mit vorhandenem Kapital so umzugehen, dass bestehende Systeme dadurch nicht zusammenbrechen werden, weil dadurch auch das Kapital selbst, mit in den Strudel der Selbstzerstörung einbezogen würde.

Wie dem auch immer sei.

Eine Gesellschaft, die in den zurückliegenden Jahren an nichts anderes als an wirtschaftliches Wachstum und technischen Fortschritt gedacht hat, wie die Produktionsverhältnisse noch effektiver und kostengünstiger gestaltet werden können, wird auch mit einer radikalen Neuorientierung ihrer Märkte zurechtkommen müssen, denn das, was heute nicht mehr ignoriert werden kann, das hat bereits 1973, also vor gut 45 Jahren, der britische Ökonom E. F. Schumacher, in seinem auch heute noch lesenswerten Buch »Small is beautifulDie Rückkehr zum menschlichen Maß« mit deutlichen Worten beschrieben.

Schon damals hatte E. F. Schumacher für bestehende Wirtschaftssystem eine tiefgreifende Erneuerung eingefordert, um die seiner Überzeugung nach fehlende »Weisheit« wieder in das Wirtschaftssystem integrieren zu können. Darunter verstand er eine Neuorientierung sowohl von Naturwissenschaft als auch von Technik hin in Richtung auf das Organische, das Sanfte, das Gewaltfreie, das Rücksichtsvolle, kurzum: eine Rückbesinnung auf das Schöne unter Einbeziehung der besonderen Wertschätzung der Natur.

Diese seine Vorstellungen sind heute aktueller, als das zu seiner Zeit der Fall war. Das, was in den 1980er Jahren noch an Respekt gegenüber der Erde möglich gewesen wäre, um das erst gar nicht eintreten zu lassen, was uns heute alle bedroht, wird von postmodernen Menschen nunmehr eher als eine Notwendigkeit und als ein Zwang empfunden, genau das in die Tat umzusetzen, was E. F. Schumacher bereits 1973 in dem Titel seines Buches zum Ausdruck brachte: Zurück zum menschlichen Maß.

Dieses Mem bringt in wenigen Worten das auf den Punkt, für das die PdvT unermüdlich eintreten wird.

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Endnoten

Endnote_01
Josef Pieper. Über das christliche Menschenbild. Johannes-Verlag - 4. Auflage 2018. Seite 47 und 49
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Endnote_02
Marktkonforme Demokratie. Mitschrift Pressekonferenz. Pressestatements von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Ministerpräsidenten der Republik Portugal, Pedro Passos Coelho. https://archiv.bundesregierung.de/archiv-de/dokumente/pressestatements-von-bundeskanzlerin-angela-merkel-und-dem-ministerpraesidenten-der-republik-portugal-pedro-passos-coelho-848964

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