PdvT- Die Partei der vier Tugenden
 Klugheit, Gerechtigkeit, Mut und Maßhalten
 
Mut als Tugend

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Mut ist die Tugend, die für Gerechtigkeit eintritt.
Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

Mut und Tapferkeit sind Tugenden, die Gegenstand tiefgehender Überlegungen im abendländisch-christlichen Denken gewesen sind und deren »Denkergebnisse« heute möglicherweise aktueller sind, als sie das jemals waren.

Diese Sichtweise teilt die PdvT vollumfänglich.

Die heute wohl bekannteste Textstelle über den Mut stammt aber von Immanuel Kant, der in einem Aufsatz aus dem Jahre 1784 Antworten auf die Frage formulierte, die da lautete: »Was ist Aufklärung?«. Bereits in den Einleitungssätzen seines Essays machte Immanuel Kant deutlich, was einzufordern ist.

»Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes, ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!, ist also der Wahlspruch der Aufklärung.« [En01]

Diese Form von Mut gehört gleichermaßen zum Selbstverständnis der PdvT wie die bereits von Platon eingeforderte Fähigkeit, seine eigene Scheinfreiheit zu erkennen und den Mut aufzubringen, sich aus seinen Fesseln zu befreien, um ein freiheitlicher, eigenständig denkender und geistig bewusster Mensch zu werden, und das trotz oder gerade wegen der Angst des Menschen vor der Wahrheit.

Im christlich-abendländischen Denken bedeutet Mut aber nicht, frei von Angst zu sein. Mut ist vielmehr die Fähigkeit, die Angst mit einem Willen zu überwinden, der stärker und selbstloser ist als die Angst.

Mut ist somit eher eine innere Haltung.

Mut ist deshalb auch die herausragende Tugend aller Heldinnen und Helden der Geschichte, denn Mut dient nicht nur dazu, die Angst zu überwinden, sondern auch die Wahrheit zu sagen und sie auch zu ertragen. Von den Heldinnen und Helden wird aber nicht nur Mut, sondern auch Tapferkeit erwartet, worin vorrangig die Fähigkeit zu sehen ist, standhaft zu sein, sich nicht zurückdrängen zu lassen bzw. den Mut aufzubringen, etwas zu erdulden, zu erleiden, zu ertragen.

Nach christlich-abendländischer Tradition ist Mut, um den es hier vorrangig geht, eine Seelenstärke, sozusagen die Vorbedingung für jegliche Tugend, und somit ein Dreh und Angelpunkt christlicher Lebensführung. Übertragen auf die Welt von heute lässt sich Mut wie folgt definieren.

Mut zu haben bedeutet, seine eigenen Überzeugungen auszusprechen, auch wenn sie nicht im »Mainstream« liegen.

Michel Foucault spricht in diesem Sachzusammenhang gesehen vom Mut des »Wahrsprechens«, für das er aber lieber das griechische Wort »parrhesia« verwendet, womit er eine Tugend meint, die darin besteht, frei zu reden, also den Mut aufzubringen, der erforderlich ist, um etwas beim Namen zu benennen (rückhaltlose Offenheit bei der Benennung von Missständen).

Diese Tugend, so Foucault, erfordert viel Mut, weil dadurch die Zuneigung von Freunden verspielt und möglicherweise sogar der Zorn der Macht sich gegen den Mutigen richtet.

Das ist der Mut, den die PdvT meint, wenn sie Mut einfordert.

Diese Art des Wahrsprechens setzt nämlich voraus, dass der Redner weiß, dass das wahr ist, was er sagt. Und weil er den dazu erforderlichen Mut aufbringt, die Wahrheit auszusprechen, ist er sogar dazu bereit, die damit verbundenen Konsequenzen zu ertragen.

Mit anderen Worten.

Die Wahrheit zu sagen erfordert auch heute nicht nur Mut, sondern auch die Bereitschaft, an erkannten Wahrheiten beharrlich festzuhalten, soweit sie sich nicht im Widerspruch zu anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnissen befinden.

Wie dem auch immer sei.

Für die PdvT ist Mut auf jedenfalls etwas anderes als das, was heute unter Mut verstanden wird: der Mut zum Risiko.

Während der Mutige im abendländisch-christlichen Denken das Gute und Richtige will, und sich dafür mit seiner gesamten Person einsetzt, handelt es sich bei dem Mutigen von heute eher um einen Spieler, der hofft, dass sein Mut ihn zum Erfolg bringen wird.

Mut im christlich-abendländischen Denken setzt hingegen Eigenschaften voraus, die heute eher selten anzutreffen sind. Vor allen Dingen Klugheit und die damit verbundene Bereitschaft, Gerechtigkeit walten lassen zu wollen.

Diese Art von Mut, die im Mittelalter auch zur Tapferkeit gehörte, setzt insoweit die Bereitschaft voraus, auch »Verwundungen« ertragen zu können, denn »das Wesen der Tapferkeit besteht darin, sich gegen die Übermacht des Bösen behaupten zu wollen«, so Josef Pieper in seinem Essay »Vom Sinn der Tapferkeit«. Das bedeutet: Wer tapfer ist, nimmt erforderlichenfalls Verletzungen, im Extremfall sogar den Tod in Kauf. Übertragen auf die Wirklichkeit von heute bedeutet das, dass der Mutige den Mut aufbringt, sich unbeliebt zu machen, auf gewissen Positionen nicht mehr tragbar zu sein bzw. aufgefordert wird, für systemkonformes Denken Platz zu machen.

Nichtsdestotrotz !

Bei Josef Pieper heißt es:

»Die Tapferkeit ist, obwohl sie vom Menschen das Schwerste einfordert, doch nicht die erste und größte unter den Tugenden. Denn nicht das Schwere und nicht die Anstrengung machen die Tugend, sondern einzig das Gute.« [En02]

Die PdvT würde sagen, das Richtige.

Wie dem auch immer sei: Als Tapferkeit bezeichnet Josef Pieper »nicht irgendein Sich-Einsetzen für irgendwas, sondern nur eine Selbsthingabe, die der Vernunft, und das heißt, dem wahren Wesen und dem wahren Wert der wirklichen Dinge zu entsprechen. Echter Mut und somit auch echte Tapferkeit setzen deshalb, im Sinne von Josef Pieper, immer eine richtige Einschätzung der Dinge voraus, sowohl derer, die man »zu opfern bereit ist« als auch derer, die man durch den Einsatz zu bewahren oder zu gewinnen hofft.

Mit anderen Worten:

Ohne die gerechte Sache gibt es keinen Mut und auch keine Tapferkeit.

Während Mut eher eine innere Geisteshaltung ist, erfordert Tapferkeit eher ein Standhalten, also die Bereitschaft, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Übertragen auf die politischen Gegebenheiten im Hier und Heute fordert Mut und Tapferkeit somit nicht nur Politiker, sondern im Prinzip einen jedermann dazu auf, mutig und tapfer für das Gute und für das Richtige einzutreten.

Michel Foucault äußert sich dazu in seinem Buch »Der Mut zur Wahrheit« wie folgt:

»Gegenüber den Menschen wird die parrhesia (das Wahrsprechen) der Mut sein, trotz aller Bedrohungen die Wahrheit, die man kennt, die man weiß und für die man Zeugnis ablegen will, zur Geltung zu bringen.«

An anderer Stelle heißt es:

»Im Falle der Demokratie war der Grund dafür, dass die parrhesia nicht angenommen wurde, dass man nicht auf sie hörte und dass, selbst wenn sich jemand fand, der den Mut hatte, von der parrhesia Gebrauch zu machen, er eher beseitigt als geehrt wurde, eben die Tatsache, dass die Struktur der Demokratie nicht gestattet, die ethische Differenzierung anzuerkennen und ihr einen Platz einzuräumen.«

Mit anderen Worten.

Die Demokratie ist nicht dazu in der Lage, der Wahrheit einen Platz einzuräumen, und deshalb, so Foucault, »ist das Ziel des Wahrsprechens also weniger das Heil des Staates als vielmehr das Ethos des Individuums.« [En03]

Das gilt es zu ändern.

Für die PdvT ist das Herausforderung als auch Verpflichtung zugleich. Wer in Kenntnis der Gefahren, die Menschen selbst verursacht haben, sich sogar dann noch verweigert, wenn führende Wissenschaftler und auch Politiker weltweit von einem Klimanotstand sprechen, der macht sich schuldig.

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Endnoten:

Endnote_01
Kant, Immanuel. Immanuel Kant: Gesammelte Werke: Andhofs große Literaturbibliothek (German Edition) (Kindle-Positionen38570-38573). Andhof. Kindle-Version.
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Endnote_02
Josef Pieper. Schriften zur philosophischen Anthropologie und Ethik. Das Menschenbild der Tugendlehre. Vom Sinn der Tapferkeit. Meißner Verlag 2006
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Endnote_03
Michel Foucault.
Der Mut zur Wahrheit. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 2012. Seite 87 und Seite 425
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