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Allgemeiner Teil des Strafgesetzbuches

03 Tatbegriffe

Egbert Rodorf

01 Tatbegriffe
02 Vollendetes Delikt
03 Beendetes Delikt
04 Versuch
05 Begriffsbestimmung Versuch
06 Abgrenzung Versuch / Vorbereitungshandlung

01 Tatbegriffe

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Im Strafrecht sind folgende Tatbegriffe zu unterscheiden:

  • Vollendung
  • Versuch
  • Beendigung
  • rechtswidrige Tat

02 Vollendetes Delikt

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Hat der Täter alle Tatbestandsmerkmale eines Strafgesetzes erfüllt, ist ein vollendetes Delikt gegeben.

Beispiel
A hat eine fremde bewegliche Sache in der Absicht weggenommen, sich diese rechtswidrig zuzueignen. Ist das Delikt vollendet?

Wer eine fremde bewegliche Sache in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, hat alle Merkmale des Diebstahlstatbestandes (§ 242 StGB) erfüllt und folglich einen vollendeten Diebstahl begangen (§ 242 StGB).

§ 242 StGB

03 Beendetes Delikt

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Ein Delikt gilt als beendet, wenn der Täter nach seiner Vorstellung alles getan hat, um den Taterfolg zu sichern.

Beispiel
A hat eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht weggenommen, diese sich rechtswidrig zuzueignen. Ist das Delikt dadurch zwangsläufig auch beendet?

Beendet ist der Diebstahl erst, wenn der Täter nach seiner Vorstellung alles getan hat, um den Diebstahlserfolg zu sichern. Geht der Täter davon aus, dass er die Diebesbeute erst sicher hat, wenn er sie in seinem Pkw verstaut oder nach Hause verbracht hat, dann ist der Diebstahl erst beendet, wenn sich die Sachen in seinem Pkw oder in seiner Wohnung befinden.

Der Unterschied zwischen Vollendung und Beendigung hat für die polizeiliche Praxis folgende Bedeutung:

  • Solange eine Tat noch nicht beendet ist, kann der Täter noch auf frischer Tat betroffen werden
  • Räuberischer Diebstahl (§ 252 StGB) setzt voraus, dass der Diebstahl vollendet ist, die räuberischen Mittel aber vor Beendigung der Tat eingesetzt werden, um sich im Besitze des gestohlenen Gutes zu erhalten.
  • Beihilfe (§ 27 StGB) ist bis zur Beendigung der Tat möglich.

§ 252 StGB
§ 27 StGB

04 Versuch

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Hat der Täter nicht alle Tatbestandsmerkmale einer Strafvorschrift erfüllt, kann ein Versuch gegeben sein. Das ist dann strafrechtlich von Bedeutung, wenn der Versuch strafbar ist.

§ 23 StGB bestimmt:

  • Der Versuch eines Verbrechens ist stets strafbar.
  • Der Versuch eines Vergehens ist nur strafbar, wenn das Gesetz das ausdrücklich bestimmt.

§ 23 StGB

Beispiel
Gemäß § 249 StGB wird Raub mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

Ist der Versuch eines Raubes strafbar?

Da für Raub im Mindestmaß eine Freiheitsstrafe von 1 Jahr angedroht ist, handelt es sich um ein Verbrechen. Der Versuch eines Verbrechens ist stets strafbar.

Beispiel
A hat mit einem Stein auf den Pkw des B geworfen. Der Stein hat jedoch den Pkw verfehlt. Handelt es sich um einen strafbaren Versuch einer Sachbeschädigung?

Sachbeschädigung (§ 303 StGB) ist ein Vergehen, weil die angedrohte Mindestfreiheitsstrafe nicht mindestens 1 Jahr beträgt.

§ 303 StGB

Die Strafbarkeit des Versuchs ist jedoch ausdrücklich im Gesetz angeordnet.
A kann folglich wegen versuchter Sachbeschädigung zur Verantwortung gezogen werden.

05 Begriffsbestimmung Versuch

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Eine Straftat versucht, wer nach seiner Vorstellung von der Tat zur Verwirklichung des Tatbestandes unmittelbar ansetzt (§ 22 StGB).

§ 22 StGB

Zwei Fallgruppen sind demnach zu unterscheiden:

Fallgruppe 1

Der Täter hat bereits ein oder mehrere aber noch nicht alle Tatbestandsmerkmale erfüllt. Solche Fälle sind unstreitig Versuchshandlungen.

Beispiel
A ist in eine Wohnung eingebrochen, um zu stehlen. Bevor er wertvolle Gegenstände an sich bringen konnte, wird er überrascht und gestellt. Rechtslage?

Gemäß § 244 StGB handelt tatbestandlich, wenn der Täter zur Ausführung der Tat in eine Wohnung einbricht. Laut Sachverhalt ist A bereits eingebrochen, gestohlen hat er jedoch noch nichts. Dennoch hat er bereits das Tatbestandsmerkmal "einbrechen" erfüllt. Da der Versuch eines Wohnungseinbruchdiebstahls strafbar ist (§ 244 Abs. 2 StGB), kann A wegen versuchten Wohnungseinbruchdiebstahls bestraft werden.

§ 244 StGB

Fallgruppe 2

Der Täter hat noch kein Tatbestandsmerkmal erfüllt. Er hat jedoch zur Tat unmittelbar angesetzt.

Beispiel
Polizeibeamte überraschen nachts einen Mann, der dabei ist, an einem Kiosk das Fenster mit Klebestreifen zu bekleben. Als der Mann die Beamten erkennt, rennt er weg. Der Flüchtende kann gestellt werden. Ist der Mann einer Straftat verdächtig?

Der Mann könnte einen versuchten Diebstahl begangen haben. Der Versuch eines Diebstahls ist strafbar. Da der Mann zum Zeitpunkt des Antreffens weder Beute ergriffen hat, noch eingebrochen ist, hat er noch kein Tatbestandsmerkmal des Diebstahls erfüllt. Er hat jedoch bereits eine Scheibe des Kiosk mit Klebestreifen beklebt. Das hat er sicher zu dem Zweck getan, beim Einschlagen der Scheibe Lärm zu verhindern. Folglich hat er damit zur Verwirklichung des Diebstahls unmittelbar angesetzt. Unmittelbares Ansetzen zur Tatbestandsverwirklichung ist bereits Versuch der Tat.

06 Abgrenzung Versuch / Vorbereitungshandlung

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Handlungen, durch die jemand eine Straftat lediglich vorbereitet, ohne bereits unmittelbar zur Verwirklichung eines Tatbestandes anzusetzen, sind straflose Vorbereitungshandlungen und somit keine Versuchshandlungen.

Einer Person, die sich Klebematerial und Einbruchswerkzeug besorgt, kann noch keine Versuchshandlung vorgeworfen werden. Vorbereitungshandlungen sind nur strafbar, wenn das StGB das besonders anordnet.

Beispiele für strafbare Vorbereitungshandlungen:

  • Vorbereitung der Fälschung von Geld- und Wertzeichen (§ 149 StGB)
  • Vorbereitung eines Explosions- oder Strahlungsverbrechens (§ 310 StGB).

§ 149 StGB
§ 310 StGB

In diesen Fällen hat der Gesetzgeber für solche Vorbereitungshandlungen selbstständige Straftatbestände geschaffen.

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StGB AT: Tatbegriffe

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